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Wieviel Schulden verträgt der Staat? | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Julian Stratenschulte

Staatsschulden haben traditionell in Deutschland bei Vielen einen schlechten Ruf. Doch diese Sichtweise hat sich in den letzten Jahren geändert.

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    Wieviel Schulden verträgt der Staat?

    Der Staat macht in der Corona-Krise mehr Schulden. Viele fragen sich: Müssen das Kinder und Enkel abstottern oder geht Deutschland gar pleite? Nein – da sind sich die meisten Ökonomen einig. Hat sich der Blick auf Staatsschulden verändert?

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    Von
    • Christine Bergmann

    Staatschulden hatten vor allem in Deutschland einen schlechten Ruf. Es galt sie eher gering zu halten. Doch an dieser Sichtweise hat sich in den letzten Jahren einiges geändert.

    Niedrige Zinsen ermöglichen höhere Staatsschulden

    Und das hat vor allem mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung zu tun, vor allem mit den niedrigen Zinsen. In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten sei der Realzins stark gesunken, sagt zum Beispiel der renommierte Geldtheoretiker Markus Brunnermeier von der University of Princeton. Deshalb könne man sich höhere Schulden leisten.

    Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, ergänzt das noch um das wirtschaftliche Wachstum. Wenn die Wirtschaft stärker wächst als die Schulden und gleichzeitig die Zinsen niedriger sind als die Wachstumsraten, dann sind höhere Schulden kein großes Problem - denn der Staat wächst sozusagen aus den Schulden heraus.

    Problem Inflation

    Das Tückische ist nur: Diese Situation kann sich schnell ändern. Wann werden Staatsschulden zum Problem? Dann, wenn Inflation entsteht, sagt die herrschende volkswirtschaftliche Lehre. Wenn die Bürger oder die Anleger das Vertrauen verlieren, dass der Staat seine Zinsen bezahlen kann.

    In den letzten Jahren war Inflation kein Problem, im Gegenteil. Viele Ökonomen warnen aber davor, die Inflationsgefahr auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn nur weil etwas jahrelang nicht passiert ist, ist es nicht aus der Welt.

    Seit einiger Zeit gibt es nun aber Stimmen, die sagen, der Staat solle sich nicht in seiner Ausgabenpolitik bremsen lassen.

    Neue Ideen der Modern Monetary Theory

    Im US-Präsidentschaftswahlkampf haben linke Demokraten wie Bernie Sanders mit hohen Staatsausgaben geworben. In diesem Zusammenhang wurde die Modern Monetary Theory (MMT) oft genannt. Sanders Wirtschaftsberaterin, Stephanie Kelton, gilt als eine der Hauptvertreterinnen der MMT in den USA. In Deutschland vertritt der Ökonom Dirk Ehnts diese Strömung und er erklärt die Kernaussage der MMT so:

    "Wir müssen unterscheiden zwischen Geld-Schöpfer und Geld-Benutzer. Das heißt also, für den Geld-Schöpfer gibt es letztendlich keine Grenzen bei den Ausgaben. Der Geld-Schöpfer gibt einfach sein Geld aus." Dirk Ehnts, Ökonom

    Der Staat kann nach dieser Theorie nie pleitegehen und Inflation wird mit Steuern bekämpft. So wird eine zu stark steigende Geldmenge dem Kreislauf wieder entzogen.

    Theorie oder Empirie?

    Den führenden Ökonomen in Deutschland ist die MMT zu einfach gestrickt. Dem Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, fehlt der theoretische Unterbau. Es gebe keine konsistenten, in Mathematik fassbare Modelle der Modern Monetary Theory. Vertreter der MMT entgegnen, dass ihre Theorie viel besser die Realität beschreibe.

    Jens Südekum von der Universität in Düsseldorf befürchtet, dass sich politische Aktivisten der MMT bedienen könnten, um ihre ausgabenstarken wirtschaftspolitischen Programme problemlos finanzierbar erscheinen zu lassen.

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