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Schon in wenigen Jahren sollen Flugtaxis zum Alltag gehören, versprechen Entwickler. Auch Rolls-Royce arbeitet mit bayerischen Ingenieuren an einem elektrischen Antrieb. Doch niemand weiß, ob sich die Fluggeräte auch durchsetzen werden.

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Wie Rolls-Royce in Bayern an Flugtaxis tüftelt

Schon in wenigen Jahren sollen Flugtaxis zum Alltag gehören, versprechen Entwickler. Auch Rolls-Royce arbeitet mit bayerischen Ingenieuren an einem elektrischen Antrieb. Doch niemand weiß, ob sich die Fluggeräte auch durchsetzen werden.

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Von
  • Tobias Brunner

Dem gelb-grauen Zweckbau im Münchner Südosten ist nicht anzusehen, dass dort an der Zukunft der Luftfahrtbranche geschraubt wird. Doch tatsächlich arbeitet der Triebwerkhersteller Rolls-Royce Electrical hier an einer neuen Generation von elektrischem Antrieb, mit dessen Hilfe in wenigen Jahren Flugtaxis serienreif abheben sollen.

Rolls-Royce: Elektroantrieb statt riesiger Triebwerke

Bisher ist Rolls-Royce vor allem für seine klassischen Triebwerke bekannt, montiert etwa an Flugzeugen von Airbus oder Boeing. Auf diesem Gebiet zählt der britische Konzern mit anderen wie General Electric zu den Marktführern.

Das Münchner Projekt hat kleinere Dimensionen – ist für den Konzern nach eigener Aussage aber nicht weniger wichtig. "Wir beziehen auch Ingenieure aus anderen Bereichen mit ein und profitieren davon", erklärt Olaf Otto, der für die einzelnen Programme im Unternehmen zuständig ist.

Prototypen in Erlangen und München

Im Oktober 2019 hatte Rolls-Royce das Projekt eAircraft von Siemens übernommen: das Geschäft mit Elektro-Antrieben für Flugzeuge. Entwickelt wird weiter in unmittelbarer Nachbarschaft zu Siemens.

Neben München wird auch in Erlangen am Projekt gearbeitet, dort stehen die einzelnen Bauteile für den Elektromotor und die Steuerung im Mittelpunkt. In München wird der fertige Motor anschließend zusammengebaut und auf dem Prüfstand an seine Grenzen gebracht. Etwa 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an den beiden Standorten mit Forschung und Entwicklung beschäftigt.

Flugtaxis: Mit 320 km/h über die Stadt

Wie auch bei den Groß-Triebwerken tritt Rolls-Royce hier als Zulieferer auf, beispielsweise für den sogenannten "City Airbus", der 2019 in Donauwörth seinen Erstflug hatte.

Aktuell arbeitet das Team unter anderem an Prototypen für die britische Firma Vertical Aerospace. Insgesamt acht elektrische Antriebe sollen das Fluggerät auf bis zu 320 Kilometer pro Stunde beschleunigen, bei einer Reichweite von maximal 190 Kilometern. Ein Erstflug ist noch für den Herbst dieses Jahres geplant, 2024 soll das sogenannte eVTOL in Serie gehen, kurz für Electric Vertical Takeoff and Landing.

Milliardenmarkt: Hunderte Firmen weltweit entwickeln Flugtaxis

Unter diesem Begriff fasst die Branche viele ihrer elektrisch startenden und landenden Vehikel zusammen. Nicht nur große Konzerne mischen auf diesem Markt mit, sondern auch Start-ups wie Volocopter oder Lilium. Weltweit dürften nach Schätzungen Hunderte Firmen an solchen Konzepten arbeiten.

Die Beratungsgesellschaft Roland Berger geht davon aus, dass der Markt für Flugtaxis bis 2050 etwa 90 Milliarden US-Dollar ausmachen könnte. Die Autoren rechnen dann mit rund 160.000 kommerziellen Flugtaxis, beispielsweise als Zubringer zum Flughafen oder als schnelles Transportmittel in der Stadt.

Flugtaxis als Luxus-Transportmittel oder für alle erschwinglich?

Damit sich die Fluggeräte aber auch für die breite Masse durchsetzen und nicht nur in der Luxus-Nische bleiben, müssen sie vor allem rentabel sein. Das bedeutet: eine volle Auslastung über den ganzen Tag und ein Preis von rund zwei Euro pro Kilometer, damit sich möglichst viele Menschen das Transportmittel leisten können. "Wer das nicht schafft, hat kommerziell keine Chance", sagt Mirko Hornung, Professor an der TU München und Vorstand von Bauhaus Luftfahrt.

Von dieser Forschungseinrichtung stammt auch eine Studie, die die Euphorie um Flugtaxis im vergangenen Jahr etwas dämpfte. Die Forscher hatten dafür die Metropolregion München/Oberbayern mitsamt dem Verkehr zwischen Augsburg, Ingolstadt, Landshut, München und Rosenheim analysiert.

Ihr Fazit: Flugtaxis würden es hier voraussichtlich sehr schwer haben, ein anderes Transportmittel zu ersetzen. Je nach Modell würden sie nur 0,05 bis 1,6 Prozent der täglich zurückgelegten Kilometer abdecken – und damit für diesen Einsatzzweck eine Nischenanwendung bleiben.

Behörden müssen Flugtaxis genehmigen und als sicher einstufen

Auch Rolls-Royce weiß um diese Aspekte. Die Entwickler sind aber davon überzeugt, dass die neue Technologie immer weiter akzeptiert wird, sobald die ersten Flugtaxis in der Luft sind. "Das Potenzial ist da", sagt Gabriele Teofili, der den Bereich Urban Air Mobility leitet.

Bis dahin bleibt die größte Hürde erst einmal die Zertifizierung durch die Behörden. Erst wenn diese alles genehmigen und insbesondere die Sicherheitssysteme als ausreichend erachten, kann die Serienproduktion starten. Schließlich heißt Fliegen auch: Anders als bei einem Straßenfahrzeug kann man auch bei kleineren technischen Problemen nicht mal eben rechts ranfahren.

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