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Wie Integration gelingt: Geflüchtete und Bayerns Arbeitsmarkt | BR24

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Ist der Arbeitsmarkt in Deutschland vorbereitet, wenn wieder mehr Geflüchtete ankommen?

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    Wie Integration gelingt: Geflüchtete und Bayerns Arbeitsmarkt

    An der türkisch-griechischen Grenze spielen sich dramatische Szenen ab. Forderungen an die EU werden laut, Flüchtlinge aufzunehmen. Die bayerische Wirtschaft appelliert daher an die Politik, den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

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    Es ist eine sehr deutliche Forderung, die von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft kommt: "Grundsätzlich ist die Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten eine politische Frage, die gerade auf europäischer Ebene weiter ungeklärt ist, aber angesichts der neuen Lage in der Türkei zügig und klar geregelt werden muss."

    Bayerische Wirtschaft will Sicherheit für Arbeitgeber

    Denn damit sich ähnlich chaotische Situationen wie 2015 nicht mehr abspielen, brauchen die Arbeitgeber vor allem eines: Sicherheit. So erklärt es auch Marlene Thieler vom Netzwerk "Unternehmen integrieren Flüchtlinge". Die Organisation der Industrie- und Handelskammer unterstützt bundesweit Unternehmen dabei, die Herausforderungen zu bewältigen, die mit der Beschäftigung Geflüchteter einhergehen.

    Unternehmen haben seit 2015 dazugelernt

    Die Unternehmen gehen heute wesentlich realistischer an das Thema heran, heißt es vom Netzwerk "Unternehmen integrieren Flüchtlinge".

    "Sie schätzen besser ein, wie lang die Integration in den Betrieb dauern kann, wie wichtig gute Sprachkenntnisse sind und wie bürokratisch der Prozess ist." Marlene Thieler, Netzwerk "Unternehmen integrieren Flüchtlinge"

    Vor genau dieser Bürokratie graut es Robert Schmidt am meisten. Der Geschäftsführer des Supermarkts V-Markt in München-Freimann hat vor fünf Jahren schlechte Erfahrungen mit den Behörden gemacht. Am schlimmsten fand Schmidt das Beschäftigungsverbot für Neuankömmlinge.

    Die Verwaltung sei schwer kalkulierbar und die Entscheidungen oft kaum nachzuvollziehen. "Mir ist nicht klar, inwiefern die Behörden ihre Defizite verbessert haben", resümiert er.

    Kürzere Wartezeiten zwischen Ankunft und Beschäftigung

    Beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg ist man optimistischer. Man habe 2015 die notwendigen Strukturen zur Datenverarbeitung und bei der IT aufgebaut, um die Wartezeiten zwischen Ankunft und Beschäftigung erheblich zu verkürzen, erklärt der Integrationsforscher Herbert Brücker. Auch alle Programme zur Sprachförderung, Berufsberatung und gesundheitlichen Versorgung könne man heute schnell wieder hochfahren.

    Konjunkturdelle macht Arbeitsmarkt unflexibel

    Allerdings sei der Arbeitsmarkt heute nicht mehr so dynamisch wie noch vor fünf Jahren, schränkt Brücker ein. Weil die Konjunktur sich abgeschwächt hat, suchen nicht mehr so viele Betriebe nach neuen Arbeitskräften. Das könnte die Situation erstmal erschweren.

    Robert Schmidt vom V-Markt jedoch würde trotz der schlechten Erfahrungen und der eingetrübten Konjunktur auf jeden Fall wieder Geflüchtete anstellen. Er habe einfach ein Herz dafür, sagt er. Was er sich von der Politik wünschen würde? In etwa das Gleiche wie die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft: Ganz klare Rahmenbedingungen. "Wenn ein Mensch vor mir steht, möchte ich wissen, welches Sprachniveau er hat, woher er kommt und damit auch, wie lang ich ihn voraussichtlich beschäftigen darf."

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    Sendung

    B5 Wirtschaft und Börse

    Von
    • Hanna Heim
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