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Wie es um die Sicherheit auf der Erlanger Bergkirchweih steht | BR24

© Tom Fleckenstein, BR

Die Erlanger Bergkirchweih - früher ein regionales fränkisches Volksfest - heute: eine Megaattraktion mit einer Million Gäste. Und damit auch eine Riesen-Herausforderung für die Sicherheits- und Rettungskräfte.

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Wie es um die Sicherheit auf der Erlanger Bergkirchweih steht

Die Erlanger Bergkirchweih: Die Fahrgeschäfte brummen, es riecht nach Hendl und Haxn, die Bands heizen den Feierlustigen ein. Das Bier fließt in Strömen. Doch wie sicher ist Europas größte Biergarten-Party?

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Petra Zerrahn von der Stadt Erlangen kümmert sich um die Sicherheit auf der Bergkirchweih. Bei ihren Rundgängen achtet sie auf jedes Detail. So müssen auch die Budenschilder deutlich zu lesen sein, damit im Ernstfall die Rettungskräfte den Unfallort sofort finden.

Am Eingang werden die Taschen nach gefährlichen Gegenständen, Waffen und Glasflaschen kontrolliert. Steinpoller sollen im Fall der Fälle verhindern, dass Terroristen mit einem LKW auf das Gelände rasen.

"Wir wollen einfach unseren Gästen die möglichst große Sicherheit bieten. Dass sie unbeschwert feiern können und sich wohlfühlen bei uns." Petra Zerrahn, Stadt Erlangen, Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung

Eine Million Besucher in zwölf Tagen

Die Stadt trägt die Verantwortung für die Sicherheit von etwas einer Million Besuchern in zwölf Tagen. Eine große Verantwortung. Auch für Petra Zerrahn. Regelmäßig muss sie auch das Wetter checken. Dazu holt sie sich Expertenrat von einem eigens von der Stadt engagierten Meteorologen. Bei zu starkem Wind muss der Berg geräumt werden.

Tagtäglich kämpft sich Petra Zerrahn durch die teils stark angetrunkenen Besucher. Trotzdem arbeitet sie gern auf der Bergkirchweih. Unterstützung bekommt sie von der Polizei.

"Wir haben immer die Polizei bei uns, wenn es zu eng wird. Die helfen uns dann schon und sichern uns auch ein Stück weit ab, damit wir durch die Massen können und unseren Job machen können." Petra Zerrahn, Stadt Erlangen, Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung

Polizeieinsätze sind nur selten nötig

Oberkommissar Jochen Blum und Polizeidirektor Peter Kreisel warnen auf ihrer Streife Besucher vor Taschendieben. Die größte Gefahr aber ist: zu viel Alkohol. Darauf haben die Beamten stets ein wachsames Auge. Auch in diesem Jahr kam es schon zu Schlägereien, Maßkrug-Attacken und Angriffen auf Polizisten. Zum Glück, so Kreisel, sind das Ausnahmen, wenn auch unschöne:

"Es gibt sicherlich auch unangenehme Momente. Hatten wir vorgestern erst wieder, wo der Trupp dann quasi ins Zelt gerufen wird, weil es eine Schlägerei gibt, und der erste Beamte wird dann gleich mitten ins Gesicht gespuckt. Und dann wird getreten, dann wird sich in die Hand verbissen von der Kollegin.“ Peter Kreisel, Polizeidirektor in Erlangen

Rotes Kreuz: 100 Einsätze an einem Tag

Häufiger sind die Einsätze des Bayerischen Rote Kreuzes (BRK). Am Haupteingang ist soeben eine Frau gestürzt und hat sich verletzt. Doch wo ist die Unfallstelle genau? Sanitäter Stefan Böhm muss erst einmal suchen. Jede Minute zählt. Die Patientin ist umgeknickt und hat große Schmerzen. Rund 100 Verletzte versorgt das BRK allein an diesem Tag. Die Helfer arbeiten ehrenamtlich.

Auf der Bergwache liegt unterdessen ein schwerer Notfall-Patient. Er wird mit Schmerzmitteln und Sauerstoff versorgt. Alkohol ist nicht der Grund, sondern ein "schweres internistisches Problem", so vermutet es Notfallmediziner Werner Günther. Es besteht Verdacht auf Lungenembolie. Und somit Lebensgefahr.

30 Bäume für Fluchtwege gefällt

Gegen 19 Uhr macht Sicherheitsbeauftragte Petra Zerrahn einen weiteren Rundgang. An den Bierkellern müssen die Fluchtwege immer frei sein. Dafür sind Security-Mitarbeiter zuständig. Vor dem Fest hat die Stadt rund 30 teils uralte Bäume fällen lassen. Sicher ist sicher. Doch es gab auch Kritik, unter anderem vom Bund Naturschutz.

Für Zündstoff sorgen auch die verordneten Musikpausen. Die Veranstalter wollen mit diesen verhindern, dass die Stimmung eskaliert. Udo Helbig sieht solche Szenarien gelassener, er ist hier nicht nur der Bierkeller-Wirt, sondern auch langjähriger Kenner der Bergkirchweih:

"Ich bin alter Erlanger, ich kenn' das hier seit 35, 40 Jahren nicht anders, das war schon immer so. Ich hab' hier kein Angstgefühl, mir ist hier nicht mulmig: Ich kenn' das nicht anders." Udo Helbig, Wirt "Erich Keller"

Bis 23 Uhr wird auf dem Berg gefeiert. Danach geht die Party in der Erlanger Innenstadt weiter.