Mehrere abgedeckte Holzstapel auf einer Wiese.

Der aktuelle Holzmangel macht ihnen keine Sorgen: "Die Möbelmacher" aus dem Hersbrucker Land haben ein gut gefülltes Lager mit heimischem Holz.

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Wie ein fränkischer Möbelmacher der Holzkrise trotzt

Wie ein fränkischer Möbelmacher der Holzkrise trotzt

Holz ist das neue Klopapier: Während der Corona-Pandemie sind die Holzpreise weltweit explodiert. Wegen der drohenden Gasknappheit steigen sie weiter. Einer Schreinerei aus dem Hersbrucker Land macht das aber keine Sorgen. Sie hat vorgesorgt.

Möbelschreiner Herwig Danzer aus Unterkrumbach bei Hersbruck hat vor 25 Jahren eine damals unpopuläre Entscheidung getroffen: Nach neun Jahren richtet er seine Schreinerei konsequent auf heimisches Holz aus. Ausgerechnet die damals eher unbeliebte Rotkernbuche mit ihrer typischen Verfärbung sollte es richten. "Die wollte damals niemand", berichtet Danzer im Rückblick. "Für die Leute war das schmutzig oder nicht schön." Der Schreiner kann das nicht nachvollziehen. "Das Holz ist ein Naturschauspiel."

Der rote Kern und eine starke Maserung ist ein Kennzeichen für ältere Buchen.

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Nachhaltig: Möbel aus Holz von der Frankenalb

Massivholzmöbel aus den Bäumen von der heimische Frankenalb – anfangs war dies mit viel Überzeugungsarbeit verbunden, weil es nicht ganz billig war und vor 25 Jahren kaum gefragt. Doch inzwischen ist Nachhaltigkeit für viele Menschen wichtig, das Geschäft läuft. Die Möbelmacher aus dem Landkreis Nürnberger Land haben sich erfolgreich durchgesetzt.

Anfangs belächelt, jetzt beneidet

Die regionale Lieferkette mit heimischem Holz haben die Möbelmacher vor 25 Jahren vor allem aus Qualitätsgründen gestartet. Im hauseigenen Lager trocknen, entrinden und sägen sie das Holz so wie sie es brauchen. Vom Handel hätte Herwig Danzer das Holz nicht bekommen. Die Devise lautete damals: Billigholz auf dem Weltmarkt einkaufen. Als Absicherung gegen möglich Lieferschwierigkeiten war heimisches Holz seinerzeit nicht gedacht. Doch jetzt ist es ein entscheidender Vorteil, denn diese regionale Lieferkette reißt trotz weltweiter Holzkrise nicht ab. Die Möbelmacher müssen keine Aufträge absagen. "Die Kunden sind ganz besorgt und fragen uns: habt ihr noch genug Holz?" berichtet Herwig Danzer. "Ja, wir haben noch genug." Das Lager der Schreinerei sei für die kommenden fünf Jahre gefüllt. Jedes Jahr werde es wieder aufgefüllt.

Bund Naturschutz: Ökologie und Ökonomie profitieren

Seit 20 Jahren begleitet auch der Bund Naturschutz diese Geschäftsidee der regionalen Wertschöpfungskette. Diese Art des Wirtschaftens ist aus Sicht des BN-Vorsitzenden Richard Mergner gerade jetzt ein doppelter Gewinn. "Die Möbelmacher, aber auch die Waldbauerngemeinschaft betreiben hier ein faires Miteinander, so dass über Generationen hinweg sowohl für die Ökologie als auch für die Ökonomie eine Win-Win Situation entsteht", sagt Mergner. "Und das bedeutet ja Nachhaltigkeit."

Holz von der Frankenalb sogar in Miami

Überzeugungsarbeit für Massivholzmöbel aus den Wäldern in der Nachbarschaft muss Herwig Danzer heute, nach 25 Jahren, nicht mehr leisten. Die Auswahl an heimischen Hölzern ist inzwischen groß. Auch die Nachfrage ist da, vor allem nach nachhaltigen Kompletteinrichtungen von Wohnungen, Häusern, Praxen oder Geschäftsräumen. So stehen inzwischen Möbel aus dem Holz der Frankenalb sogar in einem Designerhaus in Miami in Florida.

Handwerker auf dem Dach

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