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Wie die Digitalisierung der bayerischen Wirtschaft hilft | BR24

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Wie die Digitalisierung der bayerischen Wirtschaft hilft

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    Wie die Digitalisierung der bayerischen Wirtschaft hilft

    Die Corona-Krise hat die deutsche Wirtschaft schwer getroffen. Es gibt Hoffnung, dass sie im erwarteten Aufschwung besser abschneiden könnte als die Konkurrenz im Ausland. Vor allem, weil einige schon früh auf Digitalisierung setzten.

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    Von
    • Stephan Lina

    Maschinen bauen Maschinen. Was sich nach Science Fiction anhört, das ist zum Beispiel bei Infineon längst Realität. In den Fabriken des bayerischen Chipherstellers, zum Beispiel in Regensburg, stehen kaum noch Menschen eng nebeneinander am Band. Die menschlichen Mitarbeiter überwachen den Maschinenpark und greifen nur ein, wenn es ein Problem gibt. Auch deswegen konnte Infineon in den meisten seiner Werke auch im Shutdown weiterarbeiten.

    "Man muss nur wollen"

    In der Konzernzentrale in Neubiberg ist das anders. Vorstandschef Reinhard Ploss ist an diesem Tag – neben einer Sekretärin, der Empfangsdame und dem Pressesprecher fast allein im Kubus, dem würfelförmigen Glaskasten, in dem die Infineon-Verwaltung untergebracht ist.

    Die meisten Beschäftigten haben ihre Büros seit Wochen nicht mehr von innen gesehen, sie arbeiten zu Hause im Home Office, sagt Reinhard Ploss: "Die Leute haben ihren Computer mitgenommen und daheim aufgestellt. Die IT-Abteilung hat dann alle Kanäle aufgedreht und noch ein paar Karten eingesteckt, dass das ging. Und es ging innerhalb von zwei Wochen. Etwas, was niemand geglaubt hätte. Und wenn man unter normalen Umständen gesagt hätte: Jetzt macht mal, hätten wir viel diskutiert. Und das ist glaube ich auch eine Sache der Covid-Krise. Dieses 'Es geht'. Man muss nur wollen, und dann ist man manchmal von sich selber überrascht."

    Kein Lockdown für Roboter

    Lockdowns und unterbrochene Lieferketten als Schub für die Digitalisierung. Denn Roboter werden nicht krank, und sie müssen nicht in Quarantäne. Für Siemens zum Beispiel hat es sich ausgezahlt, dass das Unternehmen, wo immer es geht, auf solche Technologien setzt. So hat der Konzern in Amberg in der Oberpfalz in den vergangenen Jahren ein Werk komplett durch-automatisiert. Dabei blieb die Zahl der Mitarbeiter fast unverändert, dafür hat sich die Produktion vervielfacht.

    In der Corona-Krise zeigte sich dann ein weiterer Vorteil, sagt Vorstandsmitglied Klaus Helmrich: "In Amberg sind wir in der Lage, dass bereits 40 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause aus unsere Produktion unterstützen und damit auch am Laufen halten. Mitarbeiter, die Produktionsverantwortung haben, die für den Service-Einsatz da sind, die für den Ablauf zuständig sind, haben Remote-Zugriff auf die einzelnen Maschinenzustände. Und müssen natürlich bei einem Störungsfall vor Ort in die Fabrik kommen. Aber wenn der Betrieb normal läuft, sind wir in der Lage, mit 40 Prozent diesen Betrieb von zu Hause aus zu steuern und am Leben zu erhalten."

    Autobauer wollen digitaler produzieren

    Auch in der bayerischen Auto-Industrie setzt man mehr und mehr auf vernetzte Fabriken, erzählt Michael Schmidt. Er ist bei BMW dafür zuständig, die Produktion zu modernisieren.

    Sein Rezept: Daten, Daten und nochmals Daten. Data Analytics heißt das in der Fachsprache, Daten-Analyse. Das Ziel ist, dass Werke wie München, Dingolfing oder Regensburg irgendwann gespickt sind mit Sensoren, die riesige Datenmengen erheben, die dann möglichst in Echtzeit ausgewertet werden und so Fehler verhindern, die später mit viel Zeitaufwand ausgebügelt werden müssten, so Michael Schmidt:

    "Wenn jeder in seinem Prozess-Abschnitt immer nur seinen Prozess betrachtet, wird er dieses Qualitätsproblem nicht lösen, er wird es immer nur reparieren. Wenn er aber Data Analytics hat, eine Plattform hat, auf der er Prozess- und Fertigungsdaten von früheren Schritten bis hin vielleicht zum Zulieferer zur Verfügung hat, dann kann er sehen, was für Parameter in vorherigen Schritten falsch laufen und dann bei ihm in seinem Prozess zum Fehler führen."

    Die deutsche Industrie gilt bei solchen Technologien weltweit als führend. Beim Branchenverband VDMA zum Beispiel hofft man, dass das Wissen und die Produkte rund um Industrie 4.0 nach der Krise zu einem globalen Verkaufsschlager werden.

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