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Wie das Coronavirus Bayerns Wirtschaft schadet | BR24

© Klaus Ohlenschläger / Picture Alliance, Collage: BR

Die Corona-Epidemie hat Folgen für Bayerns Wirtschaft: Welche Branchen leiden und was sie von der Politik fordern.

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    Wie das Coronavirus Bayerns Wirtschaft schadet

    Durch das Coronavirus droht der bayerischen Wirtschaft im laufenden Jahr ein herber Dämpfer. Welche Branchen besonders betroffen sind und welche Maßnahmen Unternehmen jetzt von der Politik fordern.

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    Die Achterbahnfahrt der internationalen Aktienmärkte hat bereits gezeigt: Die Corona-Epidemie kann sich auf ganze Volkswirtschaften auswirken und damit auch auf die exportorientierte bayerische Wirtschaft.

    Coronavirus lässt Automarkt einbrechen

    Die Auto-Verkäufe sind aufgrund der Lungenkrankheit in China im Februar fast komplett zum Erliegen gekommen, so der chinesische Branchenverband CPCA.

    Auch für die bayerische Automobilindustrie werden Auswirkungen des Coronavirus erwartet. So ist China beispielsweise für die BMW Group der größte einzelne Vertriebsmarkt. In einem Punkt gibt es aber Entwarnung: Gegenüber dem BR betonte eine BMW-Sprecherin, dass es bisher keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in den Lieferketten gebe.

    Die Autobauer wollen sich durch den Ausbruch des Coronavirus nicht vom Kurs abbringen lassen, doch allein der niedrigere Absatz von Autos in China dürfte in den ersten beiden Monaten dieses Jahres für ein dickes Minus sorgen. Autohersteller hoffen, dass sich die Pkw-Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte wieder erholt.

    Schwabens Wirtschaft leidet besonders unter Coronavirus

    Schwaben als starker Produktionsstandort leide unter den Auswirkungen des Coronavirus in besonderem Maße, so Thomas Schörg von der IHK Schwaben im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

    Die Firma Taktomat sei beispielsweise betroffen, ein Antriebshersteller aus dem Landkreis Aichach-Friedberg. Taktomat ist ein klassischer Mittelständler, der in China produziert und bereits Beschäftigte aus dem Ausland zurückgeholt hat. Auch ein Air-Catering-Unternehmen aus Friedberg bekomme bereits die Auswirkungen zu spüren. Vorerst brauchen die Unternehmen noch ihre Lagerbestände auf. Lieferketten seien noch nicht zusammengebrochen.

    Tourismusbranche und Gastgewerbe warnen vor Hysterie

    Angesichts der Gefahr der Verbreitung des Coronavirus fordert der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) eine sorgfältige Abwägung bei allen Maßnahmen gegen die Lungenkrankheit. "Wir brauchen einen Mittelweg zwischen zu großer Sorglosigkeit einerseits und Hysterie oder Panik andererseits", so BTW-Präsident Michael Frenzel.

    Die Reisebranche hierzulande stellt sich auf ein schwieriges Jahr ein. Zwar seien die Bundesbürger in Urlaubslaune. Doch der Deutsche Reiseverband e.V. (DRV) stellt eine zunehmende Verunsicherung fest. Gerade bei Trips nach Asien würden sich die Urlauberinnen und Urlauber zurückhalten.

    Corona-Auswirkungen treffen vor allem kleine Betriebe

    Während große Hotellerie-Konzerne kurzfristige Umsatzeinbrüche besser verkraften, tun sich kleine und mittlere Betriebe schwerer. Viele Betriebe in Oberbayern haben laut der Mittelstands-Union Oberbayern bereits Umsatzeinbrüche im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich angemeldet.

    Wirtschaft sieht Politik in der Pflicht

    Die bayerische Wirtschaft fordert staatliche Unterstützung, um die Folgen durch das Coronavirus abzudämpfen. Betroffen ist die klassische Industrie, der womöglich Lieferketten in China wegbrechen, aber auch der Tourismus. "Wir gehören zu den hauptbetroffenen Branchen dieser Krise", betont der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) Michael Frenzel.

    Die Politik müsse deshalb "stützende Maßnahmen" auflegen. "Es kann nicht im Interesse der Politik liegen, neben der Gesundheitskrise auch eine massive Wirtschaftskrise herbeizuführen." Dazu stehe der Verband im Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium.

    Finanzausschuss im Bundestag macht Druck

    Mögliche Folgen des Coronavirus für die Wirtschaft sind derzeit auch im Bundestag Thema. So sagte der Unionsfraktionsvize der CSU Georg Nüßlein am Mittwoch: "Es besteht in der Tat das Risiko, dass sich unsere Wirtschaft schneller infiziert als die Menschen." Genau auf dieses Risiko macht die Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag Katja Hessel von der FDP aus Nürnberg aufmerksam.

    Sie fordert von der Bundesregierung mehr Unterstützung für die Unternehmen: "Dazu gehören neben den schon lange geforderten Steuerentlastungen, die vollständige Soli-Abschaffung, Senkung der Stromsteuer sowie spürbarer Bürokratieabbau."