Zurück zur Startseite
Wirtschaft
Zurück zur Startseite
Wirtschaft

Werbung mit alten Werten: Sind die neuen Verbrauchstests Bluff? | BR24

© BR

Ein neues Messverfahren soll realistischere Werte für Verbrauch und Abgasausstoß von Autos liefern. WLTP heißt es und ist bereits im Einsatz. Aber: Der Autoverkäufer kann im Gespräch mit dem Kunden weiterhin die alten, geschönten Werte benutzen.

20
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Werbung mit alten Werten: Sind die neuen Verbrauchstests Bluff?

Seit einem Jahr gilt ein neues Verbrauchsmessverfahren, diesen Monat wurde es noch einmal aktualisiert. Doch Autoverkäufer müssen die Werte beim Verkauf nicht angeben. Das sagen ADAC, die Branche und das Bundeswirtschaftsministerium dazu.

20
Per Mail sharen
Teilen

Nach dem Abgasskandal gilt seit September 2018 ein neues Messverfahren für die Zulassung von Pkw. Nur: In der Werbung und im Autohaus bekommen Kunden diese Werte meist nicht zu sehen. Dort stehen immer noch die alten Werte, und die sehen meist deutlich besser aus.

Veraltete, niedrigere Abgaswerte in der Werbung

Für den Technik-Chef des ADAC, Reinhard Kolke, der nach dem neuen WLTP-Standard prüft, ist das nicht nachvollziehbar.

"In einem hervorragenden, neuen Messverfahren werden Verbrauchswerte hier am Prüfstand ermittelt. Und diese realitätsnahen Werte werden dann in einem mathematischen Verfahren zurückgerechnet. Liegen dann rund 18 bis 25 Prozent darunter zum Teil." Reinhard Kolke, ADAC Technik-Chef

Für die Zulassung gelten die neuen WLTP-Werte, im Verkaufsprospekt stehen aber die alten NEFZ-Werte. Ärgerlich für Kunden: Denn auch für die Berechnung der Steuer zählen nämlich die neuen, meist höheren Werte.

Autoindustrie weist Verantwortung von sich

Nach einer BR-Anfrage beim Verband der Automobilindustrie (VDA) wird klar: Die Autoindustrie sieht die Verantwortung für die verwirrende Situation beim Gesetzgeber.

"Die Ausweisung des Fahrzeuges nach der Verbrauchskennzeichnung erfolgt nach NEFZ. Warum? Weil die Umstellung noch nicht stattgefunden hat, da fehlt es noch bei den Behörden." Eckehart Rotter vom Verband der Automobilindustrie

Bundeswirtschaftsministerium arbeitet an Entwurf

Tatsächlich ist das Wirtschaftsministerium zuständig. Doch die Verordnung wurde nicht angepasst, obwohl die EU-Kommission dies bis Anfang des Jahres gefordert hatte. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk gibt das Wirtschaftsministerium keine Begründung.

"Der Verordnungsentwurf wird zur Zeit im Bundeswirtschaftsministerium erarbeitet […] so dass der Zeitpunkt des Inkrafttretens [...] aktuell noch nicht feststeht." Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums gegenüber dem BR

Bis die Kunden schon vor dem Kauf erfahren, was bei ihrem Neuwagen hinten wirklich rauskommt, wird es also noch dauern.

Mit dem Steuerbescheid kommt die böse Überraschung

Dabei haben die unterschiedlichen Messmethoden konkrete Auswirkungen für Kundinnen und Kunden. Denn: Kauft sich jemand ein Auto und glaubt an den dort angegebenen Verbrauchswert, so wird er spätestens beim nächsten Steuerbescheid überrascht. Denn dort zählt dann wieder der neue, realitätsnähere WLTP-Wert. Der Wert also, den man vor dem Kauf nur in seltenen Fällen bekommt.

"Als Verbraucher hat man eigentlich nur die Möglichkeit, ins Internet zu schauen. Wenn Sie Glück haben, ist es ein Automobilhersteller, der tatsächlich auch die neuen Verbrauchswerte veröffentlicht." Reinhard Kolke, ADAC Technik-Chef

Auch den Händlern sollten die neuen Werte vorliegen. Vor dem Autokauf lohnt es sich also, kritisch nachzufragen, damit Spritverbrauch und Steuerbescheid nicht zur bösen Überraschung werden.