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Auf Baustellen und auch in Privatwohnungen nehmen Handwerker die Corona-Vorschriften häufig nicht so genau. Eine BR-Umfrage hat das belegt.

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    Wenn Handwerker ohne Maske vor der Tür stehen

    Handwerker nehmen es mitunter mit Abstandsregeln und Maskenpflicht nicht so ganz genau. Weder bei Aufträgen in privaten Haushalten noch auf Baustellen, wo sie hauptsächlich unter sich sind. Das hat eine Umfrage des BR gezeigt.

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    Von
    • Walter Kittel

    Der Lockdown trifft viele Unternehmen hart. Große Teile des Handwerks dürfen aber weiterarbeiten. Auch die Bauwirtschaft. Hier spielen zugleich Kundenkontakte eine wichtige Rolle, wenn es etwa um Reparaturen oder Renovierungen geht.

    Laxer Umgang mit Corona-Vorschriften

    In einer Umfrage des BR äußern sich auffallend viele Befragte verunsichert und verärgert über das Auftreten von Handwerkern im privaten Umfeld. Beschwerden gibt es etwa, weil Handwerker entweder gar keine Masken dabeihatten oder sie nicht aufgesetzt haben. Auch im ganzen Team seien Handwerker in Einzelfällen ohne Maske gekommen. "Ich bin da auch ein bisschen in eine unangenehme Situation geraten", berichtet eine Betroffene. Ein anderer sagt, "man kann ja dann die Menschen nicht zwingen", Maske zu tragen, "man kann dann ja höchstens sagen: Dann reparieren sie bei mir nicht."

    Baufirmen sind eigentlich gut informiert

    Vom Bayerischen Handwerkstag ist zu erfahren, dass die Betriebe gut über die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen informiert seien. Wenn Abstände nicht eingehalten werden könnten, müssten Masken getragen werden. Wie sich einzelne Handwerker vor Ort verhalten, entziehe sich aber oft der Kontrolle.

    Das gilt umso mehr für Arbeiten in privaten Haushalten. Hier kontrolliert normalerweise die Berufsgenossenschaft Bau nicht, ob die geltenden Vorschriften eingehalten werden. Wo und in welchen privaten Wohnungen Handwerker gerade Termine haben und arbeiten, darüber besitze man in der Regel keine Informationen. Es gebe kein Meldeverfahren für diese Baustellen. Überraschungsbesuche seien deshalb so gut wie unmöglich. Hinweisen auf Missstände werde jedoch nachgegangen, so der stellvertretende Leiter der Abteilung Prävention der Berufsgenossenschaft (BG) Bau, Frank Werner, gegenüber dem BR.

    Missstände auch auf größeren Baustellen

    Angemeldete Baustellen werden von der BG Bau aber auf die Einhaltung von Hygiene, Masken- und Abstandsregeln kontrolliert. Da sich Privatpersonen nur selten in Rohbauten zwischen den Arbeitern bewegen, geht es hier hauptsächlich um die Frage, ob sich Bauarbeiter untereinander an die Regeln halten.

    Seit dem Frühjahr habe sich die Lage deutlich verbessert, sagt der stellvertretende Leiter der Abteilung Prävention der BG Bau, Frank Werner. Im vergangenen Frühjahr seien noch bei etwa 30 Prozent der kontrollierten Baustellen größere Mängel festgestellt worden. Aktuell liege man nur noch bei rund 10 Prozent.

    Verharmlosung von Risiken

    Dass es Handwerker auch untereinander mit den Vorschriften nicht immer so genau nehmen, konnte der BR bei einem Baustellenbesuch in Deisenhofen, südlich von München, erleben. Es sei schwierig, im Arbeitsalltag die eineinhalb Meter Abstand einzuhalten, erzählt hier ein Ofenbauer. Maske tragen, wenn man für kurze Zeit gemeinsam etwas montiert, sei unüblich.

    "Dreißig Sekunden spielen für mich keine Rolle", so einer der Arbeiter. Zu viert gemeinsam, dicht an dicht, ein schweres Bauteil zu schleppen, scheint ebenfalls ohne Maske kein Problem zu sein. Es finde in dem Fall ja an der frischen Luft statt, erklärt der Chef des Unternehmens. Er sehe da "keine Gefahr". Laut Vorschrift müsste aber eigentlich auch im Freien Maske getragen werden, wenn die Abstände zu gering sind.

    Maske trage man hauptsächlich "zum Einkaufen und Kaffee holen", erzählt ein Mitarbeiter. Während der Arbeit "eigentlich selten".

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