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Weltspartag: Große Unwissenheit beim Thema Sparen | BR24

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Weltspartag: Große Unwissenheit beim Thema Sparen

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Weltspartag: Große Unwissenheit beim Thema Sparen

Bei den Deutschen ist noch immer das "Sparbuch" oder das Sparkonto die Anlageform Nummer eins. Gleichzeitig herrscht laut aktuellen Studien eine große Unwissenheit über Finanzen und Vorsorge.

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Wieviel Prozent Zinsen gibt es auf Spareinlagen im Jahr 2019? 4,6 Prozent, schätzen die Deutschen im Schnitt, glaubt man einer aktuellen Umfrage der Postbank. Bei jungen Sparern zwischen 16 und 29 Jahren liegen Hoffnung und Wirklichkeit noch weiter auseinander: Sie glauben laut der Studie im Schnitt an Sparzinsen von 9,2 Prozent - erschütternd, bedenkt man, dass Deutschland und der gesamte Euroraum in einer Nullzinsphase leben, die Zinsen auf Spar- oder Tagesgeldkonto weit unter einem Prozent pro Jahr bedeuteten.

Kosten, der unbekannte Faktor

Gleichzeitig ist das Finanzwissen auch um die Kosten der Geldanlage weiterhin unterentwickelt. Während noch drei Viertel der Deutschen laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wissen, was das Girokonto an Gebühren kostet, sieht es bei den Kosten für Lebens- oder Rentenversicherungen eher mau aus, hier kennt nur etwa ein Zehntel die Belastungen durch Vertriebs- oder Abschlussgebühren.

Dass Unkenntnis auf lange Sicht sehr teuer sein kann, zeigt das Unwissen über die Kostenbelastungen bei Investmentfonds. Hier kennen sich nach eigener Einschätzung nur neun Prozent der Bundesbürger aus. Die Bestandsprovisionen, die alljährlich an Vermittler fließen, liegen bei geschätzten fünf Milliarden Euro jährlich, ein Kostenfaktor, der mehr als 90 Prozent der Fondskäufer nicht einmal bekannt ist.

Zwar ist den Deutschen auch am heutigen Weltspartag wohl bewusst, dass die gesetzliche Rente in den vielen Fällen nicht fürs Alter reichen wird, ein Drittel der Bundesbürger geht davon aus. Gleichzeitig legt, so die GfK-Studie, weniger als die Hälfte der Befragten fürs Alter etwas auf die hohe Kante.

Dabei predigen Experten seit Jahrzehnten, wie eine sinnvolle Vorsorge aussehen kann, ohne die finanziellen Belastungen allzu sehr steigen zu lassen.

Kleine Beträge, aber regelmäßig

Auch ein monatlicher Sparbetrag läppert sich über eine lange Laufzeit von bestenfalls mehreren Jahrzehnten. Wer nur 25 Euro beiseite legen kann, tut sich damit im Alter dennoch einen Gefallen, weil er seine Rente mit seiner privaten Vorsorge durchaus spürbar aufstocken kann.

Sparen vollautomatisch - Sparplan

Der sinnvollste Methode, um Sparen zu "automatisieren" ist ein Sparplan, den Banken in vielen Fällen kostenlos anbieten. So wird etwa am Monatsanfang ein fixer Betrag vom Konto abgebucht und kann dann in Ruhe arbeiten. Der Sparer merkt davon dann kaum etwas.

Lange Sparen mit dem Zinseszins

Der Zinseszinseffekt gilt als das achte Weltwunder der Finanzmathematik. Gerade bei langen Laufzeiten über 30, 40 oder 50 Jahre entfaltet er sein wahres Potenzial. Die Zinsen, die die Zinsen dann nämlich abwerfen, sorgen für ein enormes Wachstum des Gesamtvermögens.

Aktien statt Sparbuch

Damit Rendite aber überhaupt entstehen kann, muss der Sparer zum Anleger werden. Aktien haben auf lange Sicht eine Rendite von sechs bis acht Prozent jährlich, trotz spektakulärer Kursrückgänge in Crash-Phasen, die gerade die Deutschen vom Aktieninvestment abschrecken. Wer mit einem langen Zeithorizont investiert, kann die zwischenzeitlichen Kursdellen locker "aussitzen".

Breit streuen

Um die Schwankungen im Aktiendepot geringer zu halten, ohne an Rendite zu verlieren, raten Anlageexperten seit jeher, über den Tellerrand zu blicken und zum Beispiel nicht nur deutsche Aktien zu kaufen. Das geht am besten mit Investmentfonds, die in Papiere aus der ganzen Welt investieren können.

Kosten im Blick behalten

Und auf der Kostenseite lässt sich auf lange Sicht die Wertentwicklung des eigenen Depots ganz entscheidend beeinflussen. Wer Depotgebühren, Transaktionskosten und Ausgabeaufschläge klein hält, kann am Ende einer langen Anlagezeit enorme Beträge einheimsen. Bei Fondsprodukten lässt sich sich mit passiven Indexfonds (ETFs) zusätzlich noch eine Menge an Verwaltungsgebühren gegenüber klassischen Fonds einsparen.

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Heute ist Weltspartag. Sparen gilt in Deutschland immer noch als Tugend. Dabei lohnt es sich immer weniger. Zinsen gibt es kaum mehr.