BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: Quirin Leppert

Viele Frauen sind immer noch finanziell von Männern abhängig. Im Durchschnitt verdienen sie 19 Prozent weniger. Finanzberaterin Helma Sick gibt anlässlich des Weltfrauentags Tipps für die finanzielle Unabhängigkeit.

5
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Finanztipps für Frauen: Geld ist keine "Männersache"

Viele Frauen sind immer noch finanziell von Männern abhängig - und sie verdienen im Durchschnitt 19 Prozent weniger. Finanzberaterin Helma Sick gibt anlässlich des Weltfrauentags Tipps für die finanzielle Unabhängigkeit.

5
Per Mail sharen
Von
  • Iman Hassan

In Deutschland verdienen Frauen durchschnittlich 19 Prozent weniger als Männer. Das hat mehrere Gründe: Sie arbeiten unter anderem in schlechter bezahlten Jobs oder haben durch familienbedingte Unterbrechungen Schwierigkeiten wieder Vollzeit arbeiten zu können.

Fast die Hälfte der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen arbeiten in Teilzeit. Das hat zur Folge, dass Frauen finanziell oft abhängig sind und in die Altersarmut rutschen. In Bayern waren etwa 81 Prozent der Frauen und nur 45 Prozent der Männer, die 2019 in den Ruhestand gingen, von Armut bedroht.

Finanzberaterin gibt Frauen Tipps

Wie können Frauen also finanziell unabhängig werden und sich vor Altersarmut schützen? Wir haben mit Helma Sick gesprochen, Finanzberaterin und Gründerin des Finanzberatungsunternehmens "frau & geld". Ihre Devise lautet "lieber unromantisch als arm" zu sein.

Jeder sollte einen Sparplan haben

Sick appelliert an alle Frauen, sich finanziell unabhängig von Männern zu machen, egal wie viel diese verdienten. "Es gehört für mich zu der Würde eines Menschen, für sich selbst sorgen zu können und sich nicht abhängig zu machen."

Stattdessen empfiehlt sie, sich früh selbstständig um eine Absicherung zu kümmern und einen Sparplan zu entwickeln, sei es durch Rücklagen oder durch Aktienfonds. Jeder könne mit kleinen Geldbeträgen anfangen und je nachdem wie sich das Gehalt verändere, könnten die Beträge erhöht werden. Über so einen Sparplan sollte man sich besonders für Lebensphasen wie die Elternzeit oder die Kindererziehung Gedanken machen.

Einbußen bei der Rente vermeiden

Am besten sei es, einen Lebensplan zu entwerfen und diesen auch mit dem Partner zu besprechen, so Sick. Sind Kinder geplant? Wer bleibt zu Hause und wie lange? Kümmert sich die Frau um die Kinder, muss dies in ihrem Sparplan berücksichtigt werden und der Partner einen entsprechenden Beitrag leisten. Auch Einbußen bei der Rentenversicherung sollten beachtet werden. Um diese zu vermeiden, kann der Partner in der Kindererziehungszeit in die gesetzliche oder private Rentenversicherung für seine Partnerin einzahlen.

Elternzeit mit Partner aufteilen

Mutterschutz, Elternzeit und Kinderbetreuung können oft zu längeren beruflichen Ausfällen führen. Viele Frauen tun sich schwer, danach wieder Vollzeit zu arbeiten. Sick rät, sich die Elternzeit mit dem Partner aufzuteilen, so dass keiner zu lange beruflich ausfällt. "Das ist in meiner Familie so gewesen: Meine Schwiegertochter war ein Jahr zu Hause und mein Sohn war ein Jahr zu Hause. Beide waren überglücklich und dem Kind hat es sehr gut getan."

Viele Frauen rutschen in Teilzeit

Häufig wechseln Frauen in die Teilzeit, manchmal sogar bis zur Volljährigkeit der Kinder. Auch vor diesem Schritt empfiehlt Finanzberaterin Sick, sich über mögliche Renteneinbußen zu informieren. Viele Frauen treffen diese Entscheidung nämlich ohne sich darüber Gedanken zu machen, welche finanziellen Folgen dies für sie haben kann.

Geld ist nicht nur Männersache

Sick hat über 30 Jahren Beratungserfahrung und rät deshalb: Beide Ehepartner sollten sich um die finanziellen Angelegenheiten kümmern und auch den Überblick darüber haben. Die Finanzexpertin beobachtet, dass viele Frauen die Finanzen den Männern überlassen, weil sie selbst "sich nicht auskennen" oder "er das doch schon gut macht".

Dies sei ein großer Fehler, so Sick. Frauen sollten stets im Blick behalten, wo welches Geld sei oder welche Wertpapiere man besitze, um im Fall einer Scheidung zu wissen, was ihnen zustehe bzw. aufgeteilt werden müsse. "Was im Mai auf einem Konto war, kann im August nicht verschwunden sein. Sie müssen sich mit Ihrem Mann zusammen kümmern."

Partnerschaftsvertrag als Tipp

Ehepartnerinnen und Ehepartner erhalten nach einer Scheidung einen Versorgungsausgleich und einen Zugewinnausgleich. Das heißt, jedem steht die Hälfte des während der Ehe erwirtschafteten Vermögens zu. Für die Kindererziehung gibt es einen Erwerbsausfall, einen Teil der Rente des Partners als Ausgleich. Dies gilt aber nur für verheiratete Paare.

Wer nicht verheiratet ist, hat keine derartigen Ansprüche. "Unverheiratete Frauen haben überhaupt kein Anrecht auf irgendetwas," so Sick. Sie empfiehlt deshalb einen Partnerschaftsvertrag. Gemeint ist ein verbindlicher Vertrag, der das regelt, was sonst durch den rechtlichen Status der Ehe garantiert ist. Und auch für den Todesfall sollte vorgesorgt sein – am besten mit einem Testament, um im schlimmsten Fall nicht mit leeren Händen dazustehen.

Was bewegt die Menschen in Bayern? Darüber diskutiert die politische Talkshow Münchner Runde immer mittwochs eine Stunde mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft - um 20:15 Uhr live im BR Fernsehen oder auf BR24.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!