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Bildrechte: Bettina Meier

Weihnachtshandwerker aus dem Erzgebirge und Bayern haben einen "Pop Up Laden" im Ingolstädter Einkaufzentrum Westpark eröffnet. Damit wollen sie vor Ort und im Web Umsatz machen und die Verluste durch das Wegbrechen der Weihnachtsmärkte ausgleichen.

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Weihnachtshandwerk testet neue Vertriebswege

Weihnachtshandwerker aus dem Erzgebirge und Bayern haben einen "Pop Up Laden" im Ingolstädter Einkaufzentrum Westpark eröffnet. Damit wollen sie vor Ort und im Web Umsatz machen und die Verluste durch das Wegbrechen der Weihnachtsmärkte ausgleichen.

Von
Bettina MeierBettina Meier
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Seit Kurzem gilt 2G auch im Handel. Hersteller und Händler von Weihnachtshandwerk sorgen sich um ihren Jahresumsatz, zumal es keine Weihnachtsmärkte gibt. Ein Verbund von Weihnachtshandwerkern aus dem Erzgebirge und Bayern hat sich was einfallen lassen: einen "Pop Up Laden" im Ingolstädter Einkaufzentrum Westpark.

"Weihnachtszauberladen" statt Weihnachtsmarkt

Die handgefertigte Spieluhr mit filigranen Rentieren und Schneemännern nehmen Kunden im "Weihnachtszauberladen" im Ingolstädter Westpark-Einkaufszentrum immer wieder in die Hand, lauschen der Melodie, streichen über die Bärte der zahlreichen Nussknacker, die hier stehen, drehen an Weihnachtspyramiden, lächeln und schauen auf eine Kulisse mit schneebedeckten Weihnachtsbäumen. Lisa Moser aus Ingolstadt findet Weihnachten toll. "Hier sind so viele Nussknacker und ich mag Nussknacker! Wir haben den Christbaum schon aufgestellt und wahrscheinlich dieses Jahr so früh, weil nichts anderes geht." Ein kleiner Ersatz für den fehlenden Weihnachtsmarkt, so die junge Frau. Sie schlendert am Elektrokamin und an Bildschirmen vorbei, auf denen es schneit.

Digitales Schneegestöber

Derweil kann Ladenbetreiber Jens Fischer ihre Bewegung "tracken" und den Laden digital steuern. Heißt: Auf den Bildschirmen an der Wand kann er die Bilder und Filme verändern, die dort abgespielt werden. Er kann es zum Beispiel digital schneien lassen. Oder er kann die Musik verändern.

"Wenn ich merke, hier sind mehr Frauen in einer Altersgruppe von bis, die hören lieber Musik in dieser Musikrichtung, dann kann ich das miteinander koppeln." Geschäftsinhaber Jens Fischer

Auch Düfte wie Tannengeruch steuert Fischer. Damit müsse man aber sensibel umgehen. "Was der eine mag, stinkt dem anderen." Und wegen Corona setze er Düfte sowieso sparsam ein. Außerdem habe er ein Gerät gekauft, das Coronaviren abtöte, sagt er. Er wolle alles tun, um den Umsatz im Weihnachtsgeschäft doch noch am Laufen zu halten.

Laden sammelt Daten und verändert Musik oder Geruch

Anhand der Daten, die Fischer in seinem Laden sammelt, können die Weihnachtsmanufakturen aus dem Erzgebirge und Bayern, die hier ihre Produkte präsentieren, sehen, was ankommt, was die Kunden vor Weihnachten bestellen wollen. Ein Lager gibt es im "Pop Up Weihnachtsladen" nicht, die Hersteller und Händler sparen sich somit die Lagerkosten. Die Kunden können alles anfassen, müssen aber über ihr Smartphone im Web bestellen. Mittels QR-Code, der neben den Produkten im Laden steht.

"Ich glaube, dass der stationäre Handel die Lücken schließt, die Online nicht kann: Anfassen, Fühlen, Riechen, Qualität beurteilen. Dass der stationäre Handel am Ende als Sieger hervorgehen wird." Geschäftsinhaber Jens Fischer

Onlinehandel soll im Weihnachtsgeschäft auf 20 Prozent Umsatz anwachsen

Mit seiner "Agentur von 7", die in Dresden ihren Hauptsitz hat, ist das Ganze ein Pilotversuch. Funktioniert das "hybride Pop Up Einkaufskonzept", können ab Januar neue Händler einziehen. Fischer will im kommenden Jahr sechs weitere digitale "Pop Up Stores" eröffnen. Er glaubt daran, dass der Onlinehandel weiter wachsen wird und dass der stationäre Handel dem etwas entgegensetzen muss. Der Handelsverband Bayern bestätigt diese Entwicklung. Durch die aktuelle 2G-Regel im Handel könnte der Umsatz im Onlinehandel dem Verband zufolge noch mal auf 20 Prozent im Weihnachtsgeschäft steigen. Er hatte zuvor mit 16 Prozent Umsatzsteigerung gerechnet.

Unterm Jahr arm wie die Kirchenmäuse

Dass Online- und stationärer Handel immer schärfer miteinander konkurrieren, beschäftigt auch Gunther Ulbricht, Weihnachtsmanufakturbesitzer aus Lauingen im bayerischen Schwaben. An seinen Standorten im Erzgebirge und hier in Lauingen wird alles handgefertigt, vom Rohholz bis zum fertigen Nussknacker, Schwibbogen oder Räuchermännchen. "Wir sind unterm Jahr arm wie die Kirchenmäuse. Und gegen Ende des Jahres gehen dann die Umsätze und die Einnahmen hoch," sagt er. Ausgerechnet jetzt aber fehlt das Geschäft von den Weihnachtsmärkten, der stationäre Einzelhandel schwächelt. In seiner Manufaktur im Erzgebirge sind 30 Prozent der Belegschaft derzeit wegen Corona in Quarantäne – zwei Wochen vor Weihnachten, klagt Ulbricht. Er hofft auf das Geschäft aus dem "Pop Up Laden" in Ingolstadt – für ihn ein Experiment.

Mit BBQ- und Jazz-Santa eine jüngere Zielgruppe ansprechen

Um eine jüngere Zielgruppe anzusprechen, lässt sich Ulbricht jedes Jahr an Weihnachten etwas Neues einfallen. Das Markenzeichen seiner Nussknacker und Räuchermännchen: Sie tragen Kleidung und haben immer etwas dabei, zum Beispiel einen Grill. Da könne man ein Räucherkerzchen reinstecken und er sei gleichzeitig ein Nussknacker. Und hier habe man einen Santa Claus mit einem Saxophon, das sei ein Jazz-Santa, so der Unternehmer. 20 Prozent seines Umsatzes macht er übrigens in den USA. Die er wegen der strengen Corona-Regeln nicht mehr besucht, wie er wehmütig sagt. Auch deshalb will er sich noch digitaler aufstellen.

360-Grad-Kino und Influencer sollen Geschäft ankurbeln

Derweil ist "Pop Up Ladenbetreiber" Jens Fischer dabei, das Geschäft in eine Art 360-Grad-Kino zu verwandeln. Er lässt in einem abgedunkelten Bereich mitten im Laden eine grüne Beamerwand herunter. Hier sollen demnächst Influencer ihre Produkte direkt aus dem Laden ins Internet streamen und das Weihnachtsgeschäft nochmal ankurbeln.

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