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Weihnachtsgeschäft: Einzelhandel zieht ernüchternde Bilanz | BR24

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Der Lockdown zwingt den Einzelhandel langsam in die Knie. Vor allem Saisonware wie Kleidung bleibt in den Regalen liegen. Viele Geschäfte versuchen, sich neu aufzustellen, denn der Online-Handel brummt.

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Weihnachtsgeschäft: Einzelhandel zieht ernüchternde Bilanz

Für die bayerischen Einzelhändler endet ein Jahr der Lockdowns, die gerade das Oster- und Weihnachtsgeschäft verhagelt haben. Immerhin: Corona trieb bei einigen die Online-Shops voran. Und die Hoffnung vieler Händler für 2021 ruht auf Gutscheinen.

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Von
  • Lukas Graw

Besuch in der Buchhandlung Brenner in der Dillinger Innenstadt. Die massive, rund 300 Jahre alte Tür: verschlossen. Ebenso wie bei fast allen Geschäften um die Buchhandlung herum, mit Ausnahme der Apotheke, und der Bäckerei gegenüber.

Doch im Gegensatz zu den anderen geschlossenen Läden brennt in der Buchhandlung Licht. Denn Betrieb herrscht dort trotz der Schließung. Gemeinsam mit zwei Angestellten betreut Bernd Brenner die Dillinger per Telefon und per Webshop. Fast ununterbrochen klingelt im Laden das Telefon, die Mitarbeiterinnen laufen drinnen zwischen den Bücherregalen umher, empfehlen Bücher, suchen nach Biografien, verpacken Geschenke.

Handelsverband: Viel Umsatz über eigenen Webshop

Natürlich sei die Nachfrage nicht so hoch wie in der normalen Weihnachtszeit, wenn die Leute einfach vorbeikommen könnten, sagt Brenner. Zu dritt wäre der Laden da nie zu stemmen gewesen. Aber selbstverständlich sei das alles trotzdem viel besser, als gar nichts zu verkaufen.

Besonders stolz ist Brenner auf seinen Online-Shop. Den hat er schon seit einigen Jahren, schließlich müsse man Amazon und Co. etwas entgegensetzen können, war sein Gründungsmotiv. Er hat ihn von Profis erstellen lassen, dort findet man das aktuelle Sortiment, kann sich erkundigen, welche Bücher vorrätig sind - und die ersten Seiten der Bücher probelesen.

Die Kunden nutzen das Angebot. Am Montag habe der Lieferdienst gar nicht alle Bestellungen vom Wochenende mitnehmen können, erzählt Julia Hank, Mitarbeiterin in der Buchhandlung.

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Für die bayerischen Einzelhändler endet ein Jahr der Lockdowns, die gerade das Oster- und Weihnachtsgeschäft verhagelt haben. Immerhin: Corona trieb bei einigen die Online-Shops voran. Und die Hoffnung vieler Händler für 2021 ruht auf Gutscheinen.

Jeder dritte Laden verkauft auch übers Internet

Rund ein Drittel der Bayerischen Händler nutze mittlerweile das Internet als Verkaufsplattform, wie der Bayerische Handelsverband mitteilt. Und deutlich zeigt sich: Wer dort präsent sei, für den sei die Corona-Krise weniger hart verlaufen.

Sei es mit einem Händlerprofil bei Amazon oder Ebay oder mit dem eigenen Webshop: Der Umsatz über das Internet habe in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen: drei Milliarden Euro alleine in den Monaten November und Dezember - und damit deutlich über den Prognosen des Verbands von rund 2,3 Milliarden.

"Online-Allergie" der Einzelhändler baut sich langsam ab

Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern versucht, die Corona-Krise auch positiv zu sehen: "Was viele kleine Einzelhändler gemacht haben in der Lockdown-Krise: Sie haben sich zum ersten Mal online aufgestellt – denn viele hatten zugegebenermaßen eine Online-Allergie. Das heißt, sie haben geschaut, dass sie Lieferdienste einrichten, eine gut gemachte Website oder teilweise über Marketplaces verkaufen."

Doch natürlich ist eine Präsenz im Internet nicht das Allheilmittel gegen die Existenzangst vieler Geschäfte. Denn die Krise traf die Händlerinnen und Händler unterschiedlich hart. Am schlimmsten lief es für die Bekleidungs- und Schuhgeschäfte, so der Handelsverband – nach dem Lockdown in der Osterzeit bricht nun auch das so wichtige Weihnachtsgeschäft weg.

Etwas besser sah es da bei saisonunabhängigen Geschäften aus, zum Beispiel Bau- und Möbelmärkten, Lebensmittelhändlern und Fahrradgeschäften. Die kamen bislang deutlich besser durch die Krise.

Einzelhandel: Weitere staatliche Hilfen nötig

Der Verband betont trotzdem: Das Jahr 2020 war für sehr viele Läden eine Katastrophe. Auf 14 Milliarden Euro Umsatz hatte er gehofft, aktuell rechnen sie mit einem Umsatz knapp über 13 Milliarden. Also noch mehr Einbußen in diesem Jahr, das ohnehin schon schlecht gelaufen ist. Mehr Hilfen müssten her, fordern die Händler, damit möglichst viele Unternehmen nach dem Lockdown auch wieder öffnen werden.

Von den Öffnungen hängt natürlich auch das große Gutscheingeschäft der Händler ab. Mindestens ein Drittel aller Weihnachtsgeschenke werde in diesem Jahr wohl ein Gutschein oder Bargeld sein, sagt Ohlmann. Die Hoffnung sei groß, dass die Menschen möglichst bald wieder in die Geschäfte kommen, um das Geld und die Gutscheine gegen echte Waren einzutauschen. Doch ob der Lockdown tatsächlich wie angekündigt, am 11. Januar enden wird – daran zweifelt man auch in der Einzelhandelsbranche immer mehr.

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