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Weihnachtsbäume - inzwischen sind sie auch in Internetportalen zu bekommen.
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Autoren

Martina Schuster
Johannes Thürmer
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Weihnachtsbäume - inzwischen sind sie auch in Internetportalen zu bekommen.

Samstagnachmittag in Unterweikertshofen bei Dachau. Auf der Christbaum-Plantage des Grafen von Hundt herrscht Hochbetrieb. Vor allem Familien mit Kindern kommen hierher, um ihren Christbaum selber zu schlagen. Doch welchen nur? Da gehen die Vorlieben weit auseinander.

Was sich seine Kunden manchmal so aussuchen, überrascht den Grafen dann doch etwas:

"Da kommen schon auch wirklich komische Bäume raus. Aber dadurch, dass man hier die völlige Freiheit hat, sich den Baum auszusuchen, den man haben möchte, sagen wir halt: Jeder Baum ist schön im Auge des Betrachters." Georg von Hundt, Waldbesitzer

Christbaum aus dem Internet: Eine gute Idee?

Familie Kubny ist im Wald bereits fündig geworden. Entschieden haben die Kinder. Und für die Eltern ist klar: Selbst gesägt ist am schönsten. Gewächse aus dem Baumarkt oder vom Christbaumverkauf um die Ecke findet Tina Kubny nicht so toll. Und im Internet einen Baum zu kaufen, geht für sie gar nicht. Mit dieser Meinung steht Familie Kubny nicht alleine da. Aber ist der Christbaum-Kauf im Internet wirklich so abwegig?

Wir machen den Check und bestellen bei vier verschiedenen Anbietern: jeweils eine Nordmann-Tanne, mindestens 1,50 Meter hoch. Uns interessieren: der Preis, die Qualität und - natürlich - die Schönheit. Die erste Tanne stammt von Hornbach. Das Unternehmen vertreibt Christbäume nicht nur in seinen Baumärkten, sondern auch im Internet. Den zweiten Baum bestellen wir bei Kaisertanne.de. Der dritte ist ein Bio-Baum der Firma Tannenladen. Und das vierte Gewächs stammt aus der Region: der "Perfekte Thomas" von Bayerntanne.de.

Die Bayerntanne lässt auf sich warten

Bereits wenige Tage später kommen die Bäume - zumindest drei davon. Hornbach und Kaisertanne sind in Kartons verpackt, bei der Bio-Tanne verzichtet man darauf, sie wird im Netz geliefert. Die Bayerntanne, ausgerechnet der Baum mit den höchsten Versandkosten, ist noch nicht da. Der Test muss ohne sie auskommen.

Die Größe stimmt: Die drei Bäume sind gut 1,50 Meter hoch. Der Preis: Am günstigsten ist der Baum von Hornbach mit 19,99 Euro, am teuersten der Bio-Baum von Tannenladen: 37,99 Euro.

Experte verzweifelt: "Es ist einfach der falsche Baum"

Jetzt geht es um die Qualität. Wir sind bei Markus Schauer. Er ist Christbaum-Großhändler und beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit allem, was zu Weihnachten gehört. Für mehr/wert soll er die Internet-Tannen begutachten. Beim Bio-Baum von Tannenladen kommt die Überraschung: Es handelt sich hier um keine Nordmann-, sondern um eine Nobilis-Tanne.

"Es ist einfach der falsche Baum. Nobilis-Tannen sind vom Wuchs her ganz eigen. Sie sehen auch: Dieser Baum ist nicht homogen, der ist wild. Da steckt Natur drin. Also, das ist so, als wenn einer im Lokal ein Schnitzel bestellt und bekommt eine Leber. Und es schmeckt ihm die Leber nicht. Dann können sie es ihm nicht schönreden." Markus Schauer, Christbaum-Großhändler

Und der Baum von Kaisertanne.de? Der sei "vom Wuchs ganz in Ordnung", meint der Experte, und sonst: "Er ist von unten viel zu hoch aufgeschnitten, ausgeputzt. Also, wenn ich Geschenke drunter legen will, unter den Baum, mag er perfekt sein. Dann gibt es heuer auch größere Geschenke."

Welche Tanne ist die schönste?

Was der Experte nicht weiß: Der dritte Baum stammt aus seinem eigenen Unternehmen, denn er versendet auch im Auftrag von Hornbach. Was er zu diesem sagt? "Das ist für mich der schönste Baum", so Schauer. Über die Schönheit lassen wir allerdings andere urteilen: Passanten in München-Schwabing.

Ergebnis der kleinen Umfrage: Die Nobilis-Tanne kommt am besten an, gefolgt von der Marke Kaisertanne. Der Favorit des Experten schafft es somit nur auf Platz drei. Und damit ist klar: Die Vorlieben sind einfach verschieden. Besonders beim Christbaumkauf.