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Rohbau eines Einfamilienhauses. Obergeschoss mit Gerüst.

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Julian Stratenschulte
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Wegen Kreditzinsen: "Torschlusspanik" bei Immobilien vorbei

Immobilien sind teuer - und Kreditzinsen deutlich gestiegen. Immer mehr Bauwillige und Kaufinteressenten können und wollen sich ihr Wunschobjekt nicht mehr leisten. Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden wird einer Studie zufolge kleiner.

Von
Walter KittelWalter Kittel
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Wegen deutlich gestiegener Zinsen und anhaltend hoher oder weiter anziehender Haus- und Wohnungspreise platzen derzeit viele Träume: Rund ein Drittel derjenigen, die sich noch immer eine eigene Immobilie wünschen, traut sich den Kauf finanziell nicht mehr zu. Das ist ein Ergebnis der von dem Immobilienfinanzierer Interhyp in Auftrag gegebenen "Wohntraumstudie".

Statt Eigentum lieber zur Miete wohnen

Ständig steigende Materialkosten, Lieferschwierigkeiten, ausgebuchte Baufirmen und Kostenangebote, die weit höher sind als kalkuliert, das kann Nerven und Zeit kosten. Viele können oder wollen sich das nicht antun.

Laut Interhyp-Vorständin Mirjam Mohr sagen immer mehr Menschen deshalb, sie wollen kein Eigentum erwerben und wohnen lieber zur Miete. Von rund 2.200 Befragten wollten in diesem Jahr nur noch 68 Prozent später einmal in den eigenen vier Wänden leben. Vier Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Hinzu kommt: ein gutes Drittel derer, die noch immer gerne Eigentum hätten, glaubt nicht mehr, sich das leisten zu können.

Statt Torschlusspanik jetzt das Gefühl: "Ich habe den Zug verpasst"

Die Widrigkeiten auf dem Weg zur eigenen Immobilie habe in den Köpfen der Menschen Spuren hinterlassen, sagt Mohr. Im vergangenen Jahr habe noch "Torschlusspanik" geherrscht, als viele glaubten, sich den Traum von einer eigenen Immobilie doch noch verwirklichen zu können.

In diesem Jahr sei das anders. Es dominiere das Gefühl: "Ich habe den Zug verpasst". Kein Wunder, denn die Rahmenbedingungen sind nochmals sehr viel schlechter geworden. Vor allem machen sich die höheren Finanzierungskosten bemerkbar, die sich seit Jahresbeginn in etwa verdreifacht haben.

Interhyp rechnet mit bis zu 4 Prozent Zinsen

Die Interhyp rechnet zudem mit weiter leicht steigenden Zinsen. Für zehnjährige Darlehen könnten sie im Jahresverlauf bei 3,5 bis 4 Prozent liegen. Viele Immobilienträume platzen. Denn trotz höherer Zinsen, steigen Immobilienpreise vielerorts noch immer oder bewegen sich auf anhaltend hohem Niveau. Künftig werden die Anstiege nach Einschätzung des Kreditvermittlers jedoch deutlich langsamer verlaufen. Auch Preisrückgänge seien möglich.

Wohnimmobilien auf dem Land stark nachgefragt

Wer an seinen Träumen festhält, den zieht es zur Zeit eher aufs Land. Hohe Immobilienpreise und hohe Mieten seien der Grund für die Stadtflucht. Seit 2019 soll das Interesse an ländlichen Wohnlagen weiter gestiegen sein. Mehr als die Hälfte der Befragten möchte am liebsten dörflich oder im Umland von größeren Städten leben.

30 Prozent zieht es in Klein- oder Mittelstädte. Nur noch 13 Prozent in einer Großstadt. Wichtigstes Motiv für den Umzug aufs Land: Neben allgemein günstigeren Wohnkosten bekommt man dort häufig noch immer deutlich mehr Wohnfläche zum gleichen Preis. Ruhe, Entschleunigung, Unabhängigkeit und mehr Gestaltungsspielräume sind weitere Gründe, Städte zu verlassen.

Landleben macht nicht alle glücklich

In ländlicher Umgebung sind vor allem Einfamilienhäuser gefragt. Mit Garten, Garage und Gäste-WC. Für rund zwei Drittel der Befragten, sind freistehende Gebäude die beliebteste Hausform. Nahe an der Natur, vielleicht sogar als Hof oder Bauernhaus. Mit Wohnflächen zwischen 100 und 150 Quadratmeter. Am Ende werden nach Einschätzung der Interhyp-Studie knapp die Hälfte der Stadtflüchtenden glücklich auf dem Land. Etwas weniger schließen den Umzug zurück in die Stadt aber nicht aus. Nur 6 Prozent bereuen ihre Entscheidung, auf Land gezogen zu sein. Mit den Jahren steigt jedoch insgesamt die Zufriedenheit. Letztlich sind knapp 70 Prozent mit ihrer Entscheidung "sehr zufrieden".

Fehlende Infrastruktur und wenig Abwechslung

"Die Hürden des Landlebens sind oft größer als erwartet", fasst Interhyp-Vorständin Mirjam Mohr die Ergebnisse der Studie zusammen. Das Land brauche zudem "einen langen Atem". Neben alten Freunden und Bekannten fehlen den neuen Landbewohnern vor allem kulturelle Angebote. Auch Geschäfte und Abwechslung und vor allen Dingen eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Auf dem Land ist man meistens auf ein Auto angewiesen. Auch die digitale Anbindung ist auf dem Land oft noch nicht so gut wie in der Stadt. Das Land müsste auf vielen Gebieten also noch deutlich aufgewertet werden, um eine wirklich gute Alternative zu den Städten zu werden. Auch ausreichend Kinderbetreuung, Bildungsangebote und die medizinische Versorgung gehört nach Einschätzung der Interhyp zu den notwendigen Baustellen.

Angst vor hohen Energiekosten

Die Furcht vor hohen Heizkosten und der Wunsch, Energie zu sparen, ist für werdende Immobilienbesitzer ebenfalls ein wichtiges Motiv. Deutlich mehr als die Hälfte wünschen sich eine energiesparende Isolierung oder ein Niedrigenergiehaus. Ebenso eine Solaranlage. Während die Themen Energiekosten und Energieeffizienz nach Einschätzung des Kreditvermittlers immer relevanter werden, bestehe eine große Kluft zwischen Wunsch und Realität. Am Ende haben nur 15 Prozent eine energiesparende Isolierung und nur elf Prozent eine Solaranlage auf dem Dach. Viele Wohnträume gehen auch hier nicht in Erfüllung.

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