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Wegen Corona: Einbußen bei Winzern und Brauereien | BR24

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Lockdown in der Gastronomie, Weinfeste und Volksfeste abgesagt, Fußballspiele ohne Zuschauer: Das spüren auch die Winzer und Brauereien in Unterfranken bei ihrem Umsatz. Manche haben mehr zu kämpfen, manche weniger.

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Wegen Corona: Einbußen bei Winzern und Brauereien

Lockdown in der Gastronomie, Weinfeste und Volksfeste abgesagt, Fußballspiele ohne Zuschauer: Das spüren auch die Winzer und Brauereien in Unterfranken bei ihrem Umsatz. Manche haben mehr zu kämpfen, manche weniger.

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Vor allem die kleinen Winzer in Unterfranken haben mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen. Sie spüren den Lockdown in der Gastronomie und die abgesagten Weinfeste massiv. Ralf Baldauf vom Weingut Baldauf in Ramsthal im Landkreis Bad Kissingen rechnet mit massiven Einbußen in seinem Familienbetrieb.

Winzer Baldauf: Erst die Eisheiligen, jetzt Corona

"Uns sind bei den Eisheiligen schon 80 Prozent der Weinberge erfroren, jetzt kommt noch Corona dazu. Die Weinfeste sind abgesagt. Die Gastronomie war wochenlang geschlossen – keine Hochzeiten, keine Geburtstage – das merken wir extrem", so Baldauf zum Bayerischen Rundfunk.

Betrieb im Weingut muss trotz Krise weitergehen

Der Betrieb im Weinberg müsse weiterlaufen und seine zehn Mitarbeiter müsse er trotz der Krise bezahlen, so der Winzer. "Am letzten Wochenende wäre in Bad Kissingen das Rakoczy-Fest gewesen. Mit 10.000 Besuchern wäre das ein starkes Wochenende für uns Winzer geworden", so Baldauf.

Zweites Standbein: Online-Verkauf und Online-Weinproben

Über Wasser halten konnte er sich und seinen Betrieb durch den Online-Verkauf. Er habe gemerkt, dass die Kunden in der Coronazeit mehr Wein gekauft hätten. Wein-Pakete für daheim seien gut bei den Kunden angekommen. Er und sein Bruder haben außerdem Online-Weinproben angeboten. "Aber Wein ist ein geselliges Getränk, das trinkt man eher auf einem Fest oder bei einem schönen Essen im Restaurant", so Ralf Baldauf.

Auch Juliusspital in Würzburg hat Probleme

Auch das Juliusspital in Würzburg hat mit Einbußen zu kämpfen. Durch den Lockdown in der Gastronomie im März und April und die abgesagten Weinfeste ist der Einbruch "gewaltig", sagte Vertriebsleiterin Kordula Geier. Bei den Weinfesten rechnet das Juliusspital mit 30 bis 40 Prozent Einbußen.

Großkunden in der Gastronomie und Touristen sind weggebrochen

In der Gastronomie sind vor allem Großkunden wie der Ratskeller in München weggebrochen. Das könne man in dem Jahr auch nicht mehr aufholen, so Geier – auch wenn sich die Lage durch die Außen-Gastronomie etwas entspannt hätte. In den größeren Städten würden die internationalen Touristen fehlen. Das würde auch die Gastronomie spüren – und das hätte Auswirkungen auf die Winzer.

Verkäufe im Handel sind gleich geblieben

Das Würzburger Weingut macht 30 Prozent seines Umsatzes über den Handel – dort sind die Verkäufe aber stabil geblieben. "Man hört immer davon, dass die Leute in der Krise daheim mehr Wein trinken, aber das haben wir bei unseren hochpreisigen Weinen nicht gespürt. Unsere Zahlen sind ähnlich geblieben. Die Menschen haben eher günstige Weine gekauft", so Geier.

Existenzen in der Gastronomie stehen auf der Kippe

Das Juliusspital verkauft seine Weine unter anderem bei großen Supermarkt-Ketten in ganz Bayern und in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder im Ruhrgebiet – aber auch online. "Wir haben Grund zum Jammern. Aber wenn wir uns die Probleme in der Gastronomie anschauen, jammern wir etwas leiser. Da stehen Existenzen auf der Kippe", so Geier. Sie rät den Verbrauchern deshalb, die regionalen Händler und Gastronomen zu unterstützen.

Weniger Probleme bei der Winzergenossenschaft Franken

Die Winzer-Genossenschaft Franken (GWF) ist nach eigenen Angaben bisher mit einem blauen Auge davongekommen. "Die Verluste durch geschlossene Gastronomie und abgesagte Weinfeste und die Zuwächse im Online-Verkauf und im Handel haben sich quasi ausgeglichen. Im Lebensmittel-Handel haben wir einen leichten Zuwachs, im Online-Handel sogar einen starken Zuwachs", sagte Cornelius Lauter, der geschäftsführende Vorstand der GWF zum BR.

Meister Umsatz der GWF im Handel

In der Gastronomie seien die Umsätze der GWF durch den Lockdown auf null gefallen. Als eine der größten Winzergenossenschaften in ganz Deutschland macht die GWF 75 Prozent ihres Umsatzes im Lebensmittelhandel, 25 Prozent in der Gastronomie und im Privatverkauf. Pro Jahr verkauft die GWF zwölf bis 14 Millionen Flaschen Wein.

"Ich glaube schon, dass sich die Menschen in der Krise mal eine Flasche Wein daheim aufgemacht haben, um sie zu genießen. Aber wenn die großen Weinfeste gewesen wären, hätten wir dort trotzdem mehr Umsatz gemacht", so Lauter.

Vorsichtig mit Prognosen

Die GWF hätte für 2020 eigentlich das Ziel gehabt, zu wachsen. Da seien die Verantwortlichen eher pessimistisch und hoffen, dass sie „null auf null“ herauskämen. Man wisse außerdem noch nicht, wie sich das Jahr weiter entwickeln würde: Kommt eine zweite Welle? Ein zweiter Lockdown? Deshalb sei man mit Prognosen vorsichtig, so Lauter.

Einbußen auch bei den Brauereien in Unterfranken

Auch die Brauerein in Unterfranken haben mit der Coronakrise zu kämpfen. Sie merken ebenfalls, dass Restaurants und Wirtshäuser wochenlang geschlossen waren – aber auch die abgesagten Volks- und Schützenfeste und dass bei Fußballspielen keine Zuschauer erlaubt sind.

Kauzen-Bräu Ochsenfurt: Kein Fassbier verkauft

Die Kauzen-Bräu aus Ochsenfurt im Landkreis Würzburg habe in der Coronazeit kein einziges Fass Bier verkauft, sagte Prokurist Jakob Pritzel dem BR. "Die Leute trinken zwar daheim mal eine Flasche Bier. Da ist der Verkauf stabil geblieben. Aber bei einem Volksfest würden sie vermutlich mehr trinken. Bier ist ein geselliges Getränk", so Pritzel.

Online-Verkauf lohnt sich bei Bier nicht

Die Brauerei ist deshalb aktuell bei der Hälfte des Umsatzes, im Vergleich zum Vorjahr. Das Bier aus Ochsenfurt wird vor allem in regionalen Supermärkten im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern verkauft. "Am Anfang der Krise haben wir auch Bier-Pakete mit der Post verschickt, aber der Aufwand war uns zu groß. Da verdienen die Winzer beim Wein mehr", so Pritzel.

Brauerei Faust Miltenberg: Mehr Flaschenbier verkauft

Die Brauerei Faust aus Miltenberg hat in der Coronakrise deutlich mehr Flaschenbier verkauft als normalerweise. Geschäftsführer Johannes Faust sagt, dass seine Kunden daheim mehr Bier getrunken hätten. Er merkt aber auch, dass kein Fassbier verkauft wurde. Das liege vor allem an den abgesagten Festen und Sportveranstaltungen.

Angst vor weiteren Entwicklung der Corona-Krise

Für seinen Betrieb rechnet er bis zum Ende des Jahres mit 40 bis 45 Prozent Einbußen. "Die Frage ist: Was passiert im Winter, wenn Außen-Gastronomie nicht mehr möglich ist? Wenn es längerfristig so weitergeht mit den Einbußen, weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Ein zweites solches Jahr überstehen wir nicht", so Faust.

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