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Wegen Coronakrise: Autozulieferer produziert jetzt Schutzmasken | BR24

© pa/dpa

Coronakrise: Bayern produziert eigene Atemschutzmasken

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    Wegen Coronakrise: Autozulieferer produziert jetzt Schutzmasken

    Wegen der Coronakrise werden Atemschutzmasken knapp. Damit sie nicht ausgehen, übernehmen nun drei bayerische Unternehmen die Produktion. Außerdem ist das Handwerk aufgerufen, Atemschutzmasken an Mitarbeiter im Pflegebereich zu spenden.

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    Bayern will den Mangel an Atemschutzmasken in der Corona-Krise mit Hilfe heimischer Produktion überwinden. Die Staatsregierung hat an mehrere Firmen Aufträge vergeben, darunter der niederbayerische Automobilzulieferer Zettl und der Stoffhersteller Sandler.

    Sie sollen ab sofort etwa 10.000 Masken am Tag herstellen und ausliefern. Vorrangig gehen diese zuerst an Krankenhäuser und Arztpraxen. "Die Kapazität soll so schnell wie möglich erhöht werden", sagte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Freitag in München.

    Hergestellt werden laut Ministerium sowohl Einweg- als auch mehrfach verwendbare Masken. Jede wiederverwendbare Maske kann demnach etwa 50-mal benutzt werden. "Wir können mit der eigenen Produktion den Schutz des medizinischen und pflegerischen Personals deutlich verbessern, das in diesen Tagen ein besonderes Risiko für eine Corona-Infektion trägt", so Aiwanger.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Handwerksbetriebe sollen Schutzmasken abgeben

    Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern hat wegen des Mangels an Atemschutzmasken Handwerksbetriebe aufgerufen, Schutzmasken, die sie nicht dringend brauchen, an Pflege-Einrichtungen in ihrer Region abzugeben.

    Der Präsident der Pflegevereinigung, Georg Sigl-Lehner, sagte, Altenheime und ambulante Betreuungsdienste hätten derzeit oft große Schwierigkeiten Schutzmasken zu kaufen. Gleichzeitig hätten viele Handwerksbetriebe wie etwa Schreinereien, Trockenbauer oder Lackierer eine beträchtliche Zahl von Atemschutzmasken auf Lager, die auch medizinischen Standards entsprechen.

    Die Übersichtskarte zu den aktuellen Coronavirusfällen in Bayern finden Sie hier.

    Aufruf zur Solidarität

    Wenn Handwerksbetriebe ihre Bestände prüfen, und Schutzmasken an Pflegeeinrichtungen und Pflegedienste in ihrer Region abgeben, könnte das die derzeit schwierige Lage entspannen, sagte Sigl-Lehner: "Es wäre ein Zeichen der Solidarität und eventuell kann es Leben retten."

    Neben Masken werde in Pflegeeinrichtungen aber auch anderes Schutzmaterial gebraucht, das oft in Wirtschaftsbetrieben vorrätig sei, so Sigl-Lehner: Auch Schutzanzüge, die möglichst virendicht sein sollten, Schutzbrillen aller Art, Kopfhauben und Überzieher für Schuhe.

    Handwerkskammer und Gesundheitsbehörde unterstützen Aufruf

    Auch der Bayerische Handwerkstag steht hinter dem Aufruf der Pflegevereinigung. Der Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl sagte, er unterstütze die Idee "von ganzem Herzen". Viele Handwerksbetriebe bräuchten Schutzmaterial zwar für ihre eigene Arbeit, es gebe aber sicher viele Betriebe, die etwas abgeben könnten.

    Auch das Bayerischen Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit äußert sich positiv über den Aufruf. Die Idee sei "grundsätzlich sehr gut", sagte ein Sprecher. Wichtig sei es allerdings, dass die Handwerksbetriebe darauf achten, dass die Schutzmasken, die sie an Pflegeeinrichtungen abgeben, ein Schutzniveau erfüllen, wie es in der Medizin üblich ist: den sogenannten "FFP-Standard" der Stufen zwei und drei. Die Handwerksbetriebe sollten den Pflegeeinrichtungen entsprechende Informationen geben, empfiehlt das Landes-Gesundheitsamt.

    Auch die Hygiene-Spezialistin Béatrice Grabein von der Uniklinik der Müncher Ludwig-Maximilians-Universität unterstützt die Idee. Handwerker und Pflegeeinrichtungen könnten an Aufdrucken auf den Schutzmasken prüfen, ob sie die Schutzstufen nach der europäische Medizin-Norm EN149 erfüllen und CE-zertifiziert sind. Dann halte sie "einen solchen Aufruf für sinnvoll und hilfreich", sagte Grabein.

    Autobauer spenden Schutzmasken

    Gleichzeitig haben verschiedene Autofirmen angekündigt, sie wollten Schutzmasken Kliniken, Arztpraxen und Gesundheitsämtern zur Verfügung stellen. Der Volkswagenkonzern erklärte, er werde zeitnah fast 200.000 Atemschutzmasken liefern. Auch Daimler will der Landesregierung in Baden-Württemberg 110.000 Masken abgeben. Bei allen großen deutschen Autobauern steht die Produktion wegen der Corona-Pandemie derzeit still.