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Wasserleitung als Gefahr: Wie schützt man sich vor Legionellen? | BR24

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Wie genießbar und gesundheitlich unbedenklich Trinkwasser ist, hängt besonders auch von den Leitungen ab, durch die es fließt. In diesen lauern im schlimmsten Fall giftige Ablagerungen und lebensgefährlicher Keime. Wie kann man Gefahren vorbeugen?

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Wasserleitung als Gefahr: Wie schützt man sich vor Legionellen?

Wie genießbar und gesundheitlich unbedenklich Trinkwasser ist, hängt besonders auch von den Leitungen ab, durch die es fließt. In diesen lauern im schlimmsten Fall giftige Ablagerungen und lebensgefährliche Keime. Wie kann man Gefahren vorbeugen?

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Robert Färber ist Gutachter und zertifizierter Sachverständiger für Trinkwasserhygiene. In Bad Tölz führt er die erste Legionellenprüfung für ein städtisches Wohnhaus mit 18 Parteien durch. Im vergangenen September sind die ersten Mieter eingezogen. Für Neubauten wie in diesem Fall ist eine erste Kontrolle nach spätestens einem Jahr vorgeschrieben, danach alle drei Jahre.

Legionellen können lebensgefährliche Lungenentzündungen auslösen

Legionellen sind gefährliche Bakterien im Wasser. Zwar ist das Trinken des Wassers an sich noch nicht gefährlich. Jedoch können die Krankheitserreger, sobald das Wasser zerstäubt, über das Einatmen eine lebensgefährliche Lungenentzündung auslösen.

Robert Färber darf nicht selber die Proben entnehmen. Er muss eine dafür akkreditierte Stelle beauftragen, die die Gefährdungsanalyse in einem zugelassenen Labor vornimmt. So sieht es die neue Trinkwasserverordnung vor. Bei Befall muss das Gesundheitsamt informiert werden, das dann Sanierungsvorgaben macht.

Das unappetitliche Innenleben eines Duschschlauchs

Hausherr des städtischen Wohngebäudes ist Bürgermeister Josef Janker. Er schaut für eine Stichprobe vorbei. Und lässt sich zeigen, wie mancher Duschschlauch schon nach einem Jahr aussehen kann. Robert Färber schlitzt dafür den Duschschlauch auf und fördert das teils klumpige Innenleben zutage.

Der Experte spricht von Biofilm, der sich gebildet hat, ein Nährboden für Bakterien. Bürgermeister Janker ist erstaunt. Robert Färber empfiehlt, einmal im Jahr den Duschschlauch zu wechseln. Doch steht so etwas im Mietvertrag? Der Bürgermeister muss passen.

"Das kann ich Ihnen jetzt nicht sagen, den habe ich jetzt nicht da. Aber ich gehe mal davon aus, dass wir das künftig auch mit aufnehmen müssen, weil das ja eine wesentliche Sache der Bedienung ist für den Mieter." Josef Janker, Bürgermeister Bad Tölz

Immerhin: Legionellen werden bei der Überprüfung des Wohngebäudes keine gefunden. Anders sei das besonders in vielen älteren deutschen Immobilien, beobachtet Robert Färber. In diesen stoße man auf Wasserrohre, die schon 50 Jahre im Einsatz seien und für unhygienische Überraschungen sorgen: "Da liegt es am Betreiber, dass er für seine Gesundheit und seine Rohre mal eine Kur macht und die auch mal reinigen lässt." So der Fachmann.

Erschwerte Reinigung bei verzinkten Leitungssystemen

Reinigungstermin im oberbayerischen Bad Feilnbach. Die Immobilie mit 16 Eigentumswohnungen, die Robert Färber hier vorfindet, ist von Legionellen befallen. Erwin Darburger besitzt eine der Wohnungen und ist zugleich deren Verwalter. Für ihn kam die Nachricht von den Legionellen völlig unerwartet: "Da war ich schon geschockt, das muss ich ganz ehrlich sagen."

Das Gesundheitsamt hat nun die Auflage gemacht, das Rohrleitungssystem zu reinigen. Robert Färber hat eine Spezialfirma beauftragt, die mit einem Heliumgas-Wassergemisch die alten Stahlleitungen spült.

"Es ist bei verzinkten Stahlleitungen ein Stück weit schwieriger. Da funktioniert keine thermische Desinfektion, chemische ist generell untersagt bei Legionellen. Das heißt, wir haben eigentlich laut Arbeitsblättern nur die Reinigung mit Luftwasser oder wie wir es in dem Fall machen jetzt: Mit der neuen Methode mit Inertgas und Wasser, wo wir also sehr, sehr hohe Scherkräfte haben." Robert Färber, Sachverständiger für Trinkwasserhygiene

Schutz schon durch kleinere Vorkehrungen möglich

Experte Robert Färber empfiehlt Eigentümern und Mietern, den Wassereingangsfilter an der Hauptleitung im Keller alle drei Monate zu spülen. Schon dadurch ließe sich der Gefahr eines Legionellenbefalls wirksam vorbeugen: "Das ist ausreichend, dass man dort keine Verkeimung innerhalb des Filters bekommt. Weil, alles was hier schon verkeimt, haben wir später auch im Trinkwasser."

Urlaubern empfiehlt Robert Färber, gleich nach der Rückkehr bei geöffnetem Fenster und geschlossener Tür das Heißwasser aufzudrehen und ein paar Minuten laufen zu lassen. Wichtig auch hier: Der Boiler sollte richtig dimensioniert sein und das Wasser auf 60 Grad erhitzen. So können Legionellen sich nicht vermehren und haben im Leitungssystem keine Chance.