Zurück zur Startseite
Wirtschaft
Zurück zur Startseite
Wirtschaft

Was die Streiks bei Amazon bisher gebracht haben | BR24

© BR / Lars Tuncay

Streiks bei Amazon

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Was die Streiks bei Amazon bisher gebracht haben

Mitten im Weihnachtsgeschäft hat die Gewerkschaft Verdi zu Streiks an zwei Amazon-Standorten aufgerufen. Sie kämpft seit Jahren für einen besseren Tarifvertrag. Bisherige Aktionen liefen allerdings ins Leere.

Per Mail sharen

Amazon-Chef Jeff Bezos braucht sich um seine Zukunft keine Sorgen zu machen - zumindest in finanzieller Hinsicht. Laut einer von der US-Agentur Bloomberg veröffentlichten Liste liegt sein Nettovermögen bei 151 Milliarden Dollar. Damit konnte er seinen Vorsprung auf die Nummer 2, Bill Gates, locker ausbauen. Im März 2017 bezifferte das US- Magazin Forbes seinen Reichtum noch auf 120 Milliarden Dollar; der Vorstandsvorsitzende (CEO) von Amazon hält 16 Prozent an dem von ihm vor zwei Jahrzehnten gegründeten Online-Handelskonzern mit weltweit rund 575.000 Beschäftigten und einem Umsatz von zuletzt 179 Milliarden Dollar (2017). Laut Bilanzbericht kam Amazon Ende April 2018 auf eine Marktkapitalisierung von rund 775 Milliarden US-Dollar, womit es nach Apple das zweitwertvollste Unternehmen der USA ist.

Verdi kämpft seit Jahren für einen besseren Tarifvertrag

Sorgen um ihre Zukunft machen sich dagegen seine Mitarbeiter. Online-Riese Amazon gilt nicht gerade als zimperlich, wenn es um die Durchsetzung seiner Interessen geht, speziell gegenüber Gewerkschaften und ihren Mitgliedern. Die versuchen schon seit mehr als fünf Jahren, einen besseren Tarifvertrag durchzusetzen, bislang jedoch ohne Erfolg. Heute Nacht haben Beschäftigte der Versandhandelszentren in Leipzig (Sachsen) und Werne (Nordrhein-Westfalen ) einen mehrtägigen Streik begonnen, der laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bis Heiligabend dauern soll. Noch nicht bestreikt wird dagegen der Standort in Graben bei Augsburg, allerdings wollte Verdi nicht ausschließen, dass es dort vor den Feiertagen ebenfalls zu Streikmaßnahmen kommen könnte.

Verdi fordert Versandhandelstarifvertrag

Verdi kämpft seit 2013 um einen besseren Tarifvertrag für die 16.000 Beschäftigten des US- Händlers. Derzeit werden die Mitarbeiter nach dem schlechteren Logistiktarifvertrag bezahlt, der als Einstiegsgehalt 10,78 Euro Lohn pro Stunde vorsieht, wie das Unternehmen selbst mitteilte. Nach zwei Jahren würden Beschäftigte 2.400 Euro im Monat inklusive Zusatzleistungen erhalten, so das Unternehmen. Amazon verweist darauf, dass die Bezahlung am oberen Ende „dessen liege , was in der Logistikbranche üblich sei“. Verdi dagegen will eine Bezahlung nach dem höheren Versandhandelstarif durchsetzen, sie bezichtigen Amazon der Lohndrückerei: „Während nach Tarif für den Großteil der Lagerarbeiten im Versandhandel zwischen 11,47 Euro und 11,94 Euro Einstiegsgehalt gezahlt wird, schickt Amazon seine Mitarbeiter mit einem Gehalt von 9,65 Euro bis 11,12 Euro nach Hause“, so Verdi auf seiner Internet-Seite.

Schon mehrfach Streikaktionen bei Amazon

Der weltweit größte Onlinehändler war hierzulande bereits mehrfach Ziel von Streikaktionen. Bereits zu Ostern haben sich Mitarbeiter in Graben bei Augsburg an einem Spontanstreik beteiligt. Nach Schätzungen von Verdi hatten damals 400 der 1.800 Beschäftigten die Arbeit niedergelegt. Der Streit drehte sich um die Ausgabe von Mitarbeiteraktien, die Amazon reduziert hatte.

Und kurz vor Weihnachten im letzten Jahr waren ebenfalls 400 Beschäftigte in den Ausstand getreten, damals ging es, wie jetzt auch, um mehr Lohn. Verdi wollte einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Versandhandels abschließen. Dazu ist es bislang allerdings nicht gekommen.

Päckchen sollen vor Weihnachten ankommen - trotz Streik

Die Nadelstichtaktik der Gewerkschaft konnte das Unternehmen stets parieren, entweder, dass Beschäftigte, die an Streiks teilgenommen hatten, laut Aussage von Verdi mit unliebsamen Arbeiten betraut und in andere Abteilungen verschoben wurden oder indem ein Teil des Versandhandels über andere Standorte abgewickelt wurde. Die rechtzeitige Zustellung der Weihnachtsbestellungen wurde dadurch nicht tangiert, „der Streik habe keinen Einfluss auf die Einhaltung des Lieferversprechens gehabt“ wie Amazon seinerzeit mitteilte.

Amazon wirbt mit Zusatzleistungen bei seinen Mitarbeitern

Und auch jetzt sieht Amazon keine Gefahr, dass Päckchen liegenbleiben. „Wer im Verlauf des Freitags vor Heiligabend bestellt, bekommt auf jeden Fall seine Lieferung, sagte ein Amazon-Sprecher. Eventuell klappt es auch noch später.“ Auskünfte zu Lieferzeiten seien beim jeweiligen Produkt im Internet hinterlegt. In der Weihnachtssaison 2017 verschickte Amazon aus dem europäischen Logistiknetzwerk 402 Millionen Artikel in 150 Länder an 65 Millionen Kunden. Um mehr Personal vor den Weihnachtsfeiertagen zur Verfügung zu haben, wirbt Amazon zudem mit Zusatzleistungen in Form von Boni und Jahressonderzahlungen. Das macht es für die Gewerkschaften nicht unbedingt leichter, ihre Ziele durchzusetzen. Verdi hält Amazon indes vor, dass freiwillige Zahlungen und Boni jederzeit wieder storniert und rückgängig gemacht werden können. Darüber hinaus geht es Verdi zunehmend auch um den hohen Druck, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu schaffen.

Streiks liefen bisher ins Leere

So sehr sich Verdi auch abmühte, „durch existenzsichernde Tarifverträge einen wesentlichen Schritt gegen die drohende Altersarmut bei Amazon zu unternehmen“, bei der Unternehmensführung biss die Gewerkschaft stets auf Granit. Und das, obwohl das Unternehmen aus Seattle an der amerikanischen Westküste Milliardengewinne verbucht. Der Kampf um Tarifverträge bei Amazon habe laut Verdi „ nicht nur Bedeutung für die Beschäftigten dort, sondern für den gesamten Einzelhandel. Sie beklagen einen ruinösen Wettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten, der diese einem gesundheitsschädlichen Leistungsdruck aussetze, so der Vorwurf der Gewerkschaft an die Adresse von Amazon. Seit 2013 will sie einen Tarifvertrag analog zum Einzel- und Versandhandel durchsetzen, doch Amazon sieht sich nach eigenen Angaben als Logistikunternehmen. Das Unternehmen verweist außerdem darauf, dass die Bezahlung Überstundenzuschläge und bei entsprechender Leistung auch Boni beinhalte, ferner würden sie Mitarbeitern eine berufliche Ausbildung und Mitarbeiteraktien anbieten. Auf der anderen Seite wirft Verdi Amazon vor, dass das Unternehmen versuche, einen großen Teil der Arbeitnehmer systematisch in befristeten Arbeitsverhältnissen zu beschäftigen. Diese hätten somit keine Planungssicherheit.

Amazon lehnt Verhandlungen mit Verdi ab

Amazon lehnt Verhandlungen mit Verdi ab, für die Gewerkschaft eine Provokation.“ Sie wollen dezentral und spontan die Proteste in den Verteilzentren ausweiten. „Wir werden sehen, ob das Versprechen an die Kunden, bis zum Weihnachtsabend alle Sendungen auszuliefern, haltbar ist“, sagte der örtliche Verdi-Vertreter vom Versandzentrum in Leipzig Thomas Schneider. Der US-Konzern betont hingegen immer wieder, das Unternehmen sei auch ohne Tarifvertrag ein „verantwortungsvoller Arbeitgeber“.

Video nicht mehr verfügbar

Dieses Video konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR

Beim Versandhändler Amazon herrscht Hochbetrieb. Jetzt hat die Gewerkschaft verdi zu Streiks aufgerufen. Verdi will so die besseren Tarife des Einzel- und Versandhandels durchsetzen.