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Was die Corona-Krise für den Alltag von Senioren bedeutet | BR24

© pa/dpa

Leben im Altenheim in Zeiten von Corona

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    Was die Corona-Krise für den Alltag von Senioren bedeutet

    Eineinhalb Meter Abstand, kein Händeschütteln, keine Umarmung: Vor allem für Senioren können diese Regeln in Zeiten von Corona überlebenswichtig sein. Doch gerade in der Krise ist es für viele besonders hart, sich von den Liebsten fernzuhalten.

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    Bei Familie Kromer in München soll die Oma nicht mehr zu Besuch kommen, zum Schutz vor dem Coronavirus. Die Familie probiert es deswegen mit Videotelefonie: Susanne Kromer versucht ihre Mutter anzurufen, doch es dauert eine Weile, bis das Gespräch zustande kommt.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Videochat mit Oma

    Videotelefonie ist vor allem für die Oma eine Herausforderung. Aber sie ist ein kleiner Ersatz dafür, dass sich Großeltern und Enkel momentan nicht in den Arm nehmen können. "Es ist ein komisches Gefühl. Die wohnen nah - eigentlich ist es ganz leicht hinzukommen, aber es geht einfach nicht. Oder man soll es nicht machen, das ist total komisch. Das heißt, man tut ihnen was Gutes, wenn man sie nicht trifft", sagt Susanne Kromer.

    Auch Enkel Benedikt tut sich schwer mit der Situation: "Das ist schon schade, weil ich mag die Oma sehr gern, wir tun da auch immer Fußball spielen." Auch sonst wäre die Oma aktuell eine große Hilfe: Da die Schulen zu sind, lernen die Kinder zu Hause.

    Mutter Susanne muss das jetzt alles irgendwie mit ihrem Teilzeitjob als Physiotherapeutin vereinbaren, denn ihr Mann ist Arzt im Krankenhaus und damit systemrelevant, wie es heißt.

    Familientreffen vor dem Balkon

    Familie Hasel hat sich etwas Anderes ausgedacht. Sie hat Sehnsucht nach Opa und Oma, die im Altersheim leben. Doch dort herrscht jetzt Besuchsverbot - eine Vorsichtsmaßnahme, damit sich die älteren Menschen nicht mit dem Corona-Virus anstecken.

    Mutter Andrea und ihre sechs Kinder hatten vor Ausbruch der Corona-Pandemie immer engen Kontakt: "Bisher habe ich meine Eltern zwei bis dreimal pro Woche gesehen, entweder bei Ihnen, bei uns, für Arztbesuche, sie kamen wirklich sehr oft zu uns, wir feiern auch viel zusammen als Familie bei uns. Jetzt dürfen wir sie nicht mehr sehen, im Altenheim ist eine Sperre, in der Zeitung steht: Achtung liebe Großeltern, seht eure Enkelkinder nicht mehr, es ist die größte Gefahr."

    Trotzdem wollen sie zum Altenheim und den Großeltern wenigstens zuwinken. Oma Regine ist 75 und hat einige Vorerkrankungen. Sie wäre also besonders gefährdet, würde sie sich mit dem Coronavirus anstecken. Also trifft sich die Familie vor dem Balkon. "Dann sehen wir uns wenigstens. Dann kann man ja noch so einen Kuss schicken“, ruft Andrea Hasel ihren Eltern zu.

    Zwar freuen sich die Großeltern über den Besuch, gleichzeitig erinnert er sie aber auch daran, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis die Familie wieder wirklich zusammenkommt. "Das ist schon schwer, man kann sie nicht mehr umarmen, aber wenn sie so da sind, ist einfach so wunderbar", sagt Oma Regine Thanner mit Tränen in den Augen.

    Diese Situation ist auch für Tochter Andrea nicht einfach: "Es ist sehr traurig, vor allem wenn ich meine Mama weinen sehe, dann könnt ich gleich mitweinen." Enkelin Anne-Sophie versucht die Sache positiv zu sehen: "Ich find' es eigentlich ganz ok, weil ich dann einfach weiß, dass sie so beschützt sind und dass ich ihnen da nicht den Virus weitergebe, weil es ihnen damit echt schlecht gehen könnte."

    Besuchsverbot: Schwere Entscheidung für Heimleitung

    Im Münchenstift, einem Senioren-Wohnheim der Stadt München leben 190 Bewohner – 125 davon sind in Pflege. Auch hier herrscht Besuchsverbot. Nur das Personal sowie Handwerker, die wichtige Arbeiten erledigen, dürfen noch herein, ansonsten ist an der Klingel Halt.

    Für die Heimleitung eine schwere Entscheidung. Denn ausgerechnet jetzt, in der Ungewissheit die das Virus mitbringt, bräuchten die Bewohner den Austausch, die Nähe zu ihren Verwandten und Freunden.

    Heimleiterin Barbara Mooser muss sich an die Vorschriften halten. Doch in Notfällen entscheidet sie mit Augenmaß: "Wenn ein Bewohner in der Sterbephase ist, dann wird ganz klar eine Ausnahme gemacht. Ich denke, man muss natürlich sehr streng sein auf der einen Seite. Aber es gibt immer Ausnahmen von der Regel, und da muss man sehr achtsam und sorgsam damit umgehen und von Fall zu Fall entscheiden.“

    Bislang gibt es in ihrer Einrichtung noch keinen Corona-Fall. Und das soll auch durch die Hygienevorschriften und das strenge Besuchsverbot so bleiben. Doch den Heimbewohnern fehlen ihre Verwandten. Kurt Kamph vermisst besonders seine Urenkel, die jetzt nicht mehr kommen dürfen. Die Altenpflegerin Angelika Titz bringt ihn täglich an die frische Luft, damit der 90-Jährige wieder Energie auftanken kann. "Also Natur, spazieren gehen, Sonne, ist das Schönste, was es eigentlich gibt", so Titz.

    Neue Kampagne für Senioren, die allein daheim sind

    Um die Seniorinnen und Senioren, die allein zuhause sind, will sich das Sozialministerium verstärkt kümmern. Um Betreuung und Versorgung zu organisieren, hat Ministerin Carolina Trautner mit Kommunen und Wohlfahrtsverbänden jetzt die Kampagne "Unser soziales Bayern" ins Leben gerufen.

    "Die Kommunen werden bei sich vor Ort jemanden bestimmen, sei es der Bürgermeister oder jemand aus einem Wohlfahrtsverband, der den Hut auf hat, der alles vernetzt und koordiniert, damit wir vor Ort die Hilfestellungen leisten können, die notwendig sind.“ Carolina Trautner, Sozialministerin, Bayern

    Das Ministerium will dafür auch zusätzliches Geld in die Hand nehmen. Nach Angaben von Ministerin Trautner soll es aber einen Pauschbetrag für jeden Landkreis oder jede kreisfreie Stadt geben, in welcher Höhe sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.