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Warum Frauen in DAX-Vorständen mehr verdienen als Männer | BR24

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Weibliche DAX-Vorstände verdienen mehr als männliche: Während die Frauen im Schnitt ein Jahresgehalt von 3 Millionen Euro verdienen, bekommen die Männer 100.000 Euro weniger. Liegt das an der gestiegenen Nachfrage nach weiblichen Spitzenkräften?

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Warum Frauen in DAX-Vorständen mehr verdienen als Männer

Weibliche DAX-Vorstände verdienen mehr als männliche: Während die Frauen im Schnitt ein Jahresgehalt von drei Millionen Euro verdienen, bekommen die Männer 100.000 Euro weniger. Liegt das an der gestiegenen Nachfrage nach weiblichen Spitzenkräften?

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Wenn eine Frau in einem deutschen DAX-Konzern im Vorstand sitzt, verdient sie etwas mehr als ihre männlichen Kollegen. Zum Beispiel Susanne Steidl. Sie ist Vorständin beim Münchner DAX-Unternehmen Wirecard, das mit bargeldlosem Zahlungsverkehr Geld verdient. Als Chief Product Officer (CPO) hat sie alle Teams von der Analyse, der Entwicklung bis hin zum Testen und zum Betrieb unter sich - eine Menge Verantwortung also.

Im Schnitt mehr als drei Millionen Euro im Jahr

Dafür hat die 48-Jährige im letzten Jahr bis zu zwei Millionen Euro verdient. Im Vergleich ist das sogar noch wenig: Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young hatten die Topmanagerinnen bei DAX-Firmen 2018 im Schnitt eine Gesamtvergütung von mehr als drei Millionen Euro - Vorstandschefs mal ausgenommen. Die Männer kommen dagegen auf 2,9 Millionen.

"Wenn eine Frau dann mal schon in so eine Position hineinkommt, dann ist sie extrem gut, dass sie es so weit geschafft hat. Dann verdient sie sicher, dass sie mehr verdient, weil sie eben die Leistung erbringt." Susanne Steidl, Vorständin bei Wirecard

Bringen die Frauen mehr Leistung?

Die Topmanagerinnen in Deutschland sind also noch ein bisschen besser als die Topmanager? Laut Johannes Ziesecke, einem der Autoren der Ernst & Young-Studie, liegt der Gehaltsunterschied eher daran, dass die DAX-Unternehmen in der Öffentlichkeit unter Druck stehen, mehr auf Gleichberechtigung zu setzen und Spitzenpositionen mehr auch mit Frauen zu besetzen.

"Das Angebot ist jedoch aufgrund von unterschiedlichsten strukturellen Gründen begrenzt, und deshalb haben Frauen einfach eine bessere Verhandlungsposition." Johannes Ziesecke, Autor der Studie von Ernst & Young

Mit diesen strukturellen Gründen meint Johannes Ziesecke, dass sich weniger Frauen für den Karriereweg entschlossen hätten, weil es in Deutschland schwierig sei, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Und weil sie über viele Jahre hinweg schlechter bezahlt worden seien. Deswegen gebe es heute weniger Frauen, die für Spitzenposten in Frage kämen.

Studie: Öffentlicher Druck besteht tatsächlich

Dass die Öffentlichkeit tatsächlich zunehmend Druck auf Unternehmen ausübt, mehr Frauen in Spitzenpositionen zu holen, macht die Studie an zwei Tatsachen fest.

Erstens: Nur bei den weiblichen Vorständen hat sich das Gehalt seit 2013 spürbar erhöht. Denn während Männer in dieser Zeit nur ein Prozent besser verdienen, sind die Gehälter der weiblichen DAX-Vorstände um 16 Prozent gestiegen.

Zweitens: Dass weibliche Vorstände mehr verdienen, gilt nur für die 30 DAX-Unternehmen. Bei den Firmen im M-DAX und S-DAX, die weniger im öffentlichen Fokus stehen, ist das nicht so. Dort gibt es außerdem noch weniger Frauen in Managerpositionen als im DAX. Und auch da ist es ja nur jeder fünfte Posten. Wirecard-Vorstand Susanne Steidl jedenfalls merkt, dass sie gefragt ist – schon mehrmals haben andere Firmen versucht, sie abzuwerben.