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Eine Frau nimmt Geldscheine aus einem Portemonnaie
© pa / dpa / Andrea Warnecke

Autoren

Tobias Betz
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Eine Frau nimmt Geldscheine aus einem Portemonnaie

Nach Zahlen der Bundesbank trägt jeder Deutsche rund 107 Euro im Geldbeutel mit sich. Zu Hause bunkert er rund 2.000 Euro in Scheinen und Münzen. Die Deutschen hängen wahrhaftig am Bargeld. Nach einer Umfrage der Bundesbank wollen 88 Prozent der Befragten auch in Zukunft weiterhin in bar bezahlen. Trotz Onlinebezahldiensten wie Google Pay oder Apple Pay.

FDP-Finanzexpertin Katja Hessel wundert das nicht: Bargeld sei schließlich das sicherste Zahlungssystem.

"Bargeld ist gelebte Freiheit, macht den Bürger nicht gläsern und deshalb stehen wir schon zu unserem Bargeld." Katja Hessel, FDP

Bis 50 Euro: Bargeld beliebter als Karte

Ab Beträgen von 50 Euro zahlen die Deutschen dann aber doch lieber mit der Karte. Die muss dabei nicht mehr aus Plastik sein. Es reicht, wenn sie virtuell im Smartphone hinterlegt ist. Dank Google Pay, Apple Pay und einigen Bank-Apps reicht es, wenn Kunden ihr Gerät wenige Zentimeter vor ein Kassenterminal halten. Dafür aber geben wir jede Menge Daten preis: Was wir kaufen, wie viel wir bezahlen, welche Geschäfte wir besuchen.

Zudem ist bargeldloses Zahlen im deutschen Einzelhandel oft gar nicht möglich. Katja Hessel von der FDP sieht da Nachholbedarf:

"Wenn man in die skandinavischen Länder schaut, da steht ganz oft an Restaurants: keine Bargeldzahlung möglich. Während bei uns ganz deutlich draufsteht in fast jedem Restaurant: EC-Karten nicht möglich oder EC-Karten-Zahlung erst ab 20 Euro möglich." Katja Hessel, FDP

Deshalb müsse erst in allen den Geschäften bargeldlos bezahlt werden können, bevor man über eine Abschaffung des Bargeldes spreche.

Kleine Cent-Münzen sind ökonomisch überflüssig

Auch die Bundesbank steht auf Bares. Kein Euroland prägt mehr Münzen als Deutschland, von allen Euroländern will Deutschland 2019 die meisten Geldstücke produzieren. Umstritten sind vor allem 1- und 2-Cent-Münzen. Gemessen an der Stückzahl werden diese kleinen Münzen am häufigsten produziert.

Aus ökonomischer Sicht sind die Kupferlinge jedoch überflüssig. Manche Länder haben die Cent-Stücke abgeschafft. In den Niederlanden etwa ist auf- und abrunden an der Kasse längst üblich. Der CSU-Politiker Hans Michelbach ist für die Union Obmann im Finanzausschuss. Er will die Münzprägung hierzulande nicht drosseln.

"Der Deutsche geht oft genau auf den Cent. Und es gehört zu einem klaren Finanz- und Bezahlsystem, dass es eben auch ungerade Beträge gibt und deshalb wollen wir die Münzen nicht abschaffen." Hans Michelbach, CSU

Bargeldobergrenze gegen Geldwäsche?

Die SPD will Bargeld auch nicht abschaffen, aber zumindest begrenzen. Bargeld, das ist ein sicheres und anonymes Bezahlsystem. Das schätzen auch Kriminelle. Andreas Schwarz, Finanzpolitiker der SPD, will eine Bargeldobergrenze von 5.000 Euro einführen. Dann dürften beispielsweise Autos ab 5.000 Euro nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden. Das Geld müsste überwiesen werden und ist somit zurückzuverfolgen. Deutschland sei einer der zentralen Standorte für Geldwäsche.

"Hier wird unwahrscheinlich viel Geld gewaschen, weil hier eben keine Bargeldobergrenzen sind. Und das wäre ein Punkt, um der internationalen Kriminalität Einhalt zu gebieten." Andreas Schwarz, SPD

Keine Pläne zur Abschaffung von Bargeld

Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International schätzt, dass auf dem deutschen Immobilienmarkt jährlich Milliarden Euro Schwarzgeld gewaschen werden und damit auch der Markt verteuert wird. Derzeit verfolgt Deutschland aber keine Pläne für eine Bargeldobergrenze. Und eine Abschaffung des Bargelds steht nicht zur Debatte. Die Deutschen und ihr Bargeld – wohl nur langsam wird man sich hierzulande das Bezahlen mit den Münzen und Scheinen abgewöhnen.