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Warnung vor Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie | BR24

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Ein Verbot von Werksverträgen hätte immense Folgen für die Fleischindustrie. Davon sind Branchenvertreter nach einem Werksbesuch bei Wolf Wurstwaren in Nürnberg überzeugt.

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Warnung vor Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie

Der Fleischwarenhersteller Wolf mit Sitz in Schwandorf und Produktion auch in Nürnberg kritisiert die Pläne der Bundesregierung, Werksverträge bis 2021 zu verbieten. Die Fleischindustrie seien darauf angewiesen, auf diese Weise zu beschäftigen.

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Wie der Fleischwarenhersteller mitteilt, sei er darauf angewiesen, Mitarbeiter über Werkverträge oder über Arbeitnehmerüberlassungsagenturen zu beschäftigen. Ein Verbot von Werksverträgen hätte immense Folgen für die Fleischindustrie. Davon sind Branchenvertreter nach einem Werkbesuch bei Wolf Wurstwaren in Nürnberg überzeugt.

Saisonale Spitzen mit Werkverträgen auffangen

Die Oberpfälzer Firmengruppe produziert am Standort Nürnberg Rostbratwürste und beschäftigt rund 110 festangestellte Mitarbeiter. Weil Grillprodukte saisonalen Schwankungen unterliegen, muss das Unternehmen in Spitzenzeiten bis zu 100 Mitarbeiter zusätzlich über Werkverträge und Arbeitnehmerüberlassung beschäftigen. Nur so könne das Unternehmen die gesteigerte Nachfrage der Gastronomie auch in den Sommermonaten, wenn die Biergärten zusätzlich geöffnet haben, zuverlässig bedienen.

Verhandlungen mit Politik gefordert

Deshalb fordert Lars Stiefvater, der Partner für Werkverträge bei Wolf Wurstwaren in Nürnberg, jetzt Verhandlungen mit der Politik. "Wir werden alle in einen Topf geschmissen, wir werden alle unter Generalverdacht gestellt, aber es gibt unzählige Unternehmen, die einen guten Job machen und deshalb gibt es keinen Grund diese Branche zu verbieten," erklärt der Nürnberger Zeitarbeitsunternehmer.

Praktikable Lösung gesucht

Sollten Werkverträge in der Fleischindustrie von der Politik verboten werden, wäre eine flexible Produktion, die schnell auf eine steigende Nachfrage reagieren könnte, kaum noch möglich. Dies gelte für alle Branchen, die starken Schwankungen unterliegen, sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Straubinger und fordert eine praktikable Lösung: "Wir brauchen Kontrollen der Arbeitsschutzbestimmungen, wir brauchen Kontrollen bei der Hygiene, wir brauchen Kontrollen bei der Gesundheitsvorsorge, ob hier Verbesserungen möglich sind müssen die politischen Fachabteilungen beurteilen, ich habe nicht den Eindruck, dass wir ein zu wenig an Gesetzen haben, sondern dass viel zu wenig richtig kontrolliert wird."

Gewerkschaft gegen Werkverträge

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will, dass Werksverträge in Schlachterei-Betrieben verboten werden und fordert, dass das Kerngeschäft, die Schlachtung und die Zerlegung , nicht an Werksverträge oder andere externe Dienstleister vergeben werden. Dagegen wollen die Branchenvertreter ein mögliches Verbot von Werkverträgen abwenden und geben sich kampfbereit.

Vorschlag: Tarifverträge und Erhöhung des Mindestlohns

Heiko Greulich von der Arbeitsgemeinschaft Werkverträge und Zeitarbeit, sieht in einem Verbot von Werkverträgen noch ein weiteres Problem: "Es dürfte verfassungswidrig sein, unserer Meinung nach, weil ein Verbot von Werkverträgen für eine Branche auszusprechen, sicherlich große Problem mit der Verfassung bringen wird." Zweifellos wollten alle Missstände in der Brache abstellen, so Greulich weiter.

Daher schlage die Arbeitsgemeinschaft vor, über Tarifverträge zu gehen und dabei über die Arbeitsbedingungen und die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro zu sprechen. "Wir wollen zunächst sachliche Gespräche mit allen Beteiligten führen und wenn der Gesetzesentwurf da ist, werden wir den sorgfältig prüfen und gegebenenfalls über eine Verfassungsbeschwerde nachdenken“, so Greulich weiter.

Der gangbare Weg für die Branchenvertreter lautet nun: Praktikable Lösungen finden, die auch in Zukunft das Saisongeschäft sicherstellen.

Kein Verbot von Werkverträgen für andere Wirtschaftszweige

Nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischindustrie lehnte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Söder es bei einer Veranstaltung der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft ab, Leiharbeit und Werkverträge über die Fleischindustrie hinaus zu verbieten. Leiharbeit könne der angeschlagenen Wirtschaft nächstes Jahr sehr helfen, sagte Söder. Damit äußerte sich der Ministerpräsident im Sinne des Gastgebers. Vbw-Verbandspräsident Wolfram Hatz sagte, im Maschinenbau gehe es nicht ohne Leiharbeit und Werkverträge.

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