Ein Mann bedient eine Luftwärmepumpe, die im Keller eines Wohnhauses steht.
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Der Bundesverband Wärmepumpe gab die Wartezeiten zuletzt mit bis zu 18 Monaten an.

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Wärmepumpen: Produktion auf Hochtouren – aber lange Wartezeiten

Die Nachfrage nach Wärmepumpen ist riesig. Die deutschen Hersteller haben die Produktion 2022 verdoppelt. Sollten Gas- und Ölheizungen verboten werden, müssten aber noch deutlich mehr Wärmepumpen eingebaut werden – auch im Altbau.

Deutsche Hersteller von Wärmepumpen haben stark aufgeholt und erzielten Exportüberschüsse. 2022 haben sie ihre Produktion verdoppelt und Wärmepumpen im Wert von 769 Millionen Euro ausgeführt, das waren rund 30 Millionen mehr als bei den Einfuhren, die ebenfalls stark gewachsen sind. Die Nachfrage ist riesig, so gab der Bundesverband Wärmepumpe die Wartezeiten zuletzt mit bis zu 18 Monaten an. Eine gängige Luft-Wasser-Pumpe kostet mit Einbau im Schnitt um die 19.000 Euro.

Starke Fortschritte vor allem im Neubau

Insgesamt hat die Umstellung von Öl- und Gasheizungen bereits an Fahrt aufgenommen. Bei gut gedämmten Neubauten laufen die meisten längst mit Wärmepumpe. Im Altbaubestand geht es viel langsamer. Der Verband der Heizungsindustrie meldet, dass von einer Million neuer Anlagen im letzten Jahr knapp ein Viertel mit Wärmepumpe war. 2021 lag dieser Wert erst bei 17 Prozent. Das ist zwar eine deutliche Steigerung. Angesicht von rund 20 Millionen Zentralheizungen bleibt aber noch sehr viel zu tun.

Wärmepumpe künftig kaum mehr kombinierbar mit Gas und Öl

Dabei gab es bisher auch hybride Lösungen, bei denen eine Gas- oder Ölheizung im Winter teilweise zugeschaltet wird. Das wird künftig so nicht mehr möglich sein, weil neue Heizungen nur noch zu einem geringen Teil auf fossile Energieträger zurückgreifen dürfen. Stattdessen soll eine Ergänzung mit Solarthermie und Photovoltaik oder eine Heizung mit Biomasse (Holz) zur Auswahl stehen.

Innerhalb der Berliner Regierung ist noch strittig, wann die Umstellung kommt und der Einbau neuer Gas- und Ölheizungen verboten wird. Schon Anfang nächsten Jahres könnte es damit eine indirekte Pflicht zur Wärmepumpe geben, wenn es nach dem Willen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geht. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) äußerte sich beim Termin kompromissbereiter, es stünden derzeit einfach noch nicht so viele Wärmepumpen zur Verfügung. Die FDP will eine harte Stichtagsregelung verhindern und spricht sich für weiche Übergangsfristen aus.

Produktion von Wärmepumpen müsste weiter stark steigen

Ausgehend von den Daten der Heizungsbauer müssten in Deutschland für die Gesetzesänderung etwa vier Mal so viele Wärmepumpen eingebaut werden wie 2022. Damals waren es 236.000 (inklusive Hybrid-Lösungen) bei einem Bedarf von rund einer Million Heizungen für Neubauten und vor allem die Erneuerung im Bestand.

Habecks Ziel in Absprache mit den Herstellern ist es, die heimische Produktion auf bis zu 500.000 Pumpen im Jahr hochzufahren. Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren es in den ersten drei Quartalen 2022 aber erst 243.200 gegenüber 163.300 im Vorjahreszeitraum 2021. Dass es nicht schon viel mehr war, könnte zum Teil auch auf die gestörten Lieferketten in der Corona-Krise zurück zu führen sein.

Umstellung auf umweltfreundliche Heizung auch eine Preisfrage

Unterdessen steigen die Kosten für die Hardware wie Wärmepumpe und restliche Heizungsanlage oder für Bauarbeiten (Dämmung), aber auch für die Dienstleistungen der Heizungsbauer. Der Staat hat den Umbau alter Anlagen mit Wärmepumpen bisher standardmäßig mit 25 Prozent gefördert. Im Bundeswirtschaftsministerium denkt man über eine Ausweitung der Förderung nach, damit mehr Eigentümer sich die Umrüstung ihrer Heizung auch leisten können.

Die Arbeiten an Heizungs- und Wassererwärmungsanlagen lagen dem Statistischen Bundesamt zufolge im Januar 2023 um 19,0 Prozent über denen des Vorjahres. Sie sind damit gut doppelt so stark gestiegen wie die Inflationsrate.

Oft hoher Aufwand in Mehrfamilienhäusern

Ein weiteres Problem ist, dass eine Umstellung im Einzelfall sehr aufwändig sein kann. In kleineren Ein- bis Zweifamilienhäusern bestehen rein technisch gesehen meist keine größeren Schwierigkeiten. Für Mehrfamilienhäusern in den Innenstädten gibt es dagegen häufig keine einfachen Lösungen. So verfügen viele Altbauten noch über Gas-Etagen-Heizungen mit einzelnen Thermen und haben damit noch nicht einmal eine Zentralheizung.

Bei einer kompletten Umstellung der damit verbundenen Haustechnik drohen hier auch den Mietern enorme Kosten bzw. Mieterhöhungen, wenn die Kosten für die Sanierung dann umgelegt werden.

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