Wärmepumpen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Je größer das Haus und der Energiebedarf, desto mehr lohnt es sich zu investieren.
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Wärmepumpen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Je größer das Haus und der Energiebedarf, desto mehr lohnt es sich zu investieren.

    Was bei Wärmepumpen zu beachten ist

    Die elektrische Wärmepumpe gilt als eine der wichtigsten Möglichkeiten, explodierenden Heizöl- und Erdgaspreisen zu begegnen sowie als Grundpfeiler für die klimaneutrale Heizung der Zukunft. Es gibt jedoch einiges zu beachten.

    Wer mit einer Wärmepumpe heizt, bei dem gibt es keinen Heizkessel und keine Verbrennung mehr. Für viele ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke.

    Wie funktioniert eine Wärmepumpe?

    Stattdessen heizt die Wärmepumpe das Haus mit Hilfe von elektrischem Strom. Anders als bei der alten Form der Elektroheizung wird der jedoch nicht direkt in Wärmeenergie umgewandelt. Sondern die Wärme wird der Umwelt entzogen.

    Die Wärmepumpe kühlt die Außenluft oder das Erdreich ab und leitet die entnommene Wärme in den Heizkreislauf. Dadurch erzielt sie sozusagen einen Wirkungsgrad von über 100 Prozent: Wärmepumpen können aus einer Kilowattstunde Strom drei, vier oder sogar mehr Kilowattstunden Wärme erzeugen.

    Welche Arten von Wärmepumpen gibt es?

    Die verbreitetste Form ist mit einem Marktanteil von inzwischen rund 80 Prozent die Luft-Wärmepumpe. Sie entzieht die Wärme der Umgebungsluft. Von außen sieht sie ähnlich wie eine Klimaanlage aus. Luftwärmepumpen stehen meistens im Garten.

    Eine Alternative dazu ist die Erdwärmepumpe. Sie entzieht die Wärme dem Erdreich - entweder über Kollektoren, die in rund einem Meter Tiefe unter der Gartenoberfläche verlegt sind oder über Sonden, die mittels einer Bohrung Wärme aus bis zu 100 Metern Tiefe fördern.

    Was sind die Vor- und Nachteile der einzelnen Wärmepumpen-Arten?

    Luftwärmepumpen sind die einfachste und billigste Lösung. Bei ihnen ist die Geräuschentwicklung zu beachten, die manchmal als störend empfunden wird.

    Erdwärmepumpen sind teurer und brauchen mehr Fläche beziehungsweise im Fall einer Bohrung auch eine extra behördliche Genehmigung. Dafür versprechen sie jedoch im Gegenzug einen höheren Wirkungsgrad. Der wird mit der sogenannten Jahresarbeitszahl angegeben: Das ist der Faktor, um den die Wärmepumpe mehr Wärme produziert, als elektrischer Strom eingesetzt wird. Luftwärmepumpen sollten normalerweise eine Jahresarbeitszahl von drei erreichen. Erdwärmepumpen dagegen machen aus einer Kilowattstunde Strom sogar vier Kilowattstunden Wärme und mehr.

    Nach den Beobachtungen des Wärmepumpenforschers Marek Miara vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) haben die Hersteller in den vergangenen Jahren besonders viel Entwicklungsaufwand in Luftwärmepumpen gesteckt. Dadurch habe sich der Abstand zu Erdwärmepumpen verringert, er bleibe jedoch immer noch markant. Je größer das Haus ist und je größer der Wärmebedarf, desto eher lohnt sich wirtschaftlich eine Erdwärmepumpe. Ökologisch hat die Erdwärmepumpe durch ihren höheren Wirkungsgrad in der Regel noch immer "die Nase vorn".

    Was kosten Wärmepumpen?

    Die Preise sind nach Beobachtung des Fraunhofer-Forschers gestiegen, was vor allem an den stark ausgelasteten Installationsunternehmen liege. Für Luftwärmepumpen werden inzwischen demnach inklusive Einbau häufig Preise um die 30.000 Euro verlangt. Erdwärmepumpen sind noch einmal 10.000 bis 15.000 Euro teurer.

    Eigentlich müsse das auch billiger gehen, meint Miara, sein Institut und auch die Wärmepumpen-Hersteller bemühten sich, Systeme zu entwickeln die leichter und dadurch auch günstiger zu installieren sind. Allerdings gibt es für die Umstellung der Heizung auf Wärmepumpen auch eine Förderung des Bundes. Sie beträgt bisher nach Angaben des Bundesverband Wärmepumpe 35 Prozent der förderfähigen Kosten, und sogar 45 Prozent, wenn dadurch eine Ölheizung ersetzt wird. Die Regeln für die Förderung ändern sich jedoch immer wieder.

    Welche Förderungen gibt es für die Wärmepumpe?

    Der wichtigste Fördertopf ist die „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG). Damit kann der Einbau von Wärmepumpen zum einen als Einzelmaßnahme gefördert werden. Besonders hoch ist dabei die Förderung, wenn die Wärmepumpe eine alte Ölheizung ersetzt, dann beträgt sie 45 Prozent der Kosten. In anderen Fällen 35 Prozent. Noch einmal fünf Prozentpunkte zusätzlich gibt es jeweils, wenn der Heizungstausch Bestandteil eines „individuellen Sanierungsfahrplans“ ist, bei dem ein Energieberater mitwirkt. Die förderfähigen Kosten sind allerdings gedeckelt, bei Wohngebäuden auf 60.000 Euro pro Wohneinheit.

    Gefördert werden können Wärmepumpen auch im Rahmen von Effizienzmaßnahmen für das ganze Haus, bei Neubauten oder Vollsanierungen. Hier ist die Wärmepumpe dann Teil eines Gesamtpakets, und es sind neben Zuschüssen auch verbilligte Kredite der Förderbank KfW möglich.

    Wichtig: Der Antrag muss auf die Förderung muss gestellt werden, bevor ein Auftrag für Handwerkerleistungen erteilt ist. Geplant werden darf bereits vorher.

    Sind Wärmepumpen wirklich umweltfreundlicher als Erdgaskessel?

    Ja. Weil der Strommix in Deutschland immer grüner wird und die Wärmepumpentechnik Fortschritte gemacht hat, gilt das inzwischen praktisch uneingeschränkt. Laut Fraunhofer ISE hängt die Wärmepumpe ab einer Jahresarbeitszahl von etwa 1,5 den Gaskessel ökologisch ab. Die reale Effizienz ist in der Regel doppelt so hoch und mehr.

    Sparen Wärmepumpen auch Heizkosten?

    Bis zum vergangenen Jahr musste man hier mit spitzem Bleistift rechnen. Damals ging das Fraunhofer ISE davon aus, dass die Wärmepumpe ab einer Jahresarbeitszahl von 3,5 billiger arbeitet als ein Gaskessel. Durch die stark gestiegenen Gaspreise hat sich diese Relation verbessert – und die Wärmepumpe ist schon etwa ab der Jahresarbeitszahl 3 die günstigere Variante. Generell hängen solche Rechnungen aber neben der Effizienz auch sehr stark von den Annahmen über künftige Erdgas- und Strompreise ab.

    Die Bundesregierungen unterschiedlicher Couleur haben die Absicht erklärt, aus Klimaschutzgründen künftig den Gaspreis mittels CO2-Abgabe steigen zu lassen und den Strompreis eher zu drücken. Das würde die Rentabilität von Wärmepumpen weiter verbessern. Dazu kommt der mittelfristig beabsichtigte Verzicht auf russisches Erdgas, der dem Gaspreis weiteren Auftrieb geben wird. Eine Möglichkeit, den eigenen Strompreis zu dämpfen, ist für Hausbesitzer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.

    Haus vor Einbau der Wärmepumpe energetisch sanieren ?

    Heizungsunternehmen empfehlen häufig, eine Wärmepumpe erst einzubauen, wenn das Haus gut gedämmt ist. Dann sind auch die Heizkosten geringer. Wärmepumpenforscher Miara pflichtet einerseits bei: Es sei grundsätzlich immer besser, das Haus zu isolieren, bevor man eine neue Heizung einbaut - egal welche.

    Andererseits könne man, wenn man entweder die Kosten oder den Aufwand für eine umfassende Sanierung scheut, durchaus auch in einem nicht perfekten Haus eine Wärmepumpe einbauen – und die Isolierung vielleicht im Laufe der Jahre danach noch verbessern. Die Leistung moderner Wärmepumpen sei in einem jeweils definierten Bereich flexibel und könne sich an veränderte Heizanforderungen anpassen.

    Funktioniert eine Wärmepumpe auch mit normalen Heizkörpern?

    Der Wirkungsgrad von Wärmepumpen ist umso besser, je niedriger die Vorlauftemperatur im Heizkreislauf ist. Idealerweise drückt man sie auf 30 Grad – anstatt 50 oder 60 wie bei einer konventionellen Gas- oder Ölheizung. Damit das Haus dann trotzdem warm wird, braucht es eine größere Fläche, um die Wärme zu übertragen. Als ideal für das Heizen mit Wärmepumpe gelten deshalb Fußbodenheizung oder Wandheizung.

    Aber auch mit normalen Heizkörpern kann sie effizient betrieben werden – wenn deren Fläche groß genug ist. Es ist möglich, einfach größere Heizkörper einzubauen. Oder auch spezielle Niedrigtemperaturheizkörper. Die sind zum Beispiel dicker, mit mehr Platten. Oder erhöhen die Luftdurchströmung mit Hilfe von Ventilatoren. Man muss auch nicht alle Heizkörper gleichzeitig austauschen, sondern vielleicht nur in bestimmten Zimmern, die sonst nicht warm genug werden.

    Wie groß sind die Unterschiede zwischen den Wärmepumpen verschiedener Hersteller?

    Laut Miara vom Fraunhofer-Institut gibt es durchaus große Unterschiede zwischen verschiedenen Fabrikaten: "Sowohl bei der Effizienz als auch bei der Geräuschentwicklung gibt es eine große Bandbreite auf dem Markt." Er rät, bei unterschiedlichen Angeboten von Wärmepumpen jeweils die sogenannten Leistungszahlen zu vergleichen (abgekürzt COP).

    Diese werden im Labor unter gleichen Bedingungen ermittelt und müssen bei der technischen Dokumentation der Wärmepumpen angegeben werden. Im Internet findet sich auch noch eine Liste des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, bei der diese Zahlen zumindest mit dem Stand des Jahres 2020 aufgelistet sind.

    Für Luftwärmepumpen liegt zum Beispiel der COP-Wert A2/W35 (Wärmepumpe heizt das Wasser bei einer Lufttemperatur von zwei Grad auf 35 Grad auf) in einer Bandbreite von 3,1 bis 4,5, so Miara: "Alles was hier besser als vier ist, ist auf jeden Fall gut. Alles unter 3,5 eher ältere Modelle."

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