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VW Chef Winterkorn bei einer Pressekonferenz 2013
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VW Chef Winterkorn bei einer Pressekonferenz 2013

Im Diesel-Betrugsverfahren der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen den ehemaligen VW-Konzernchef Martin Winterkorn und weitere 41 Beschuldigte droht dem Ex-VW-Chef neuer Ärger. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" gehen die Ermittler der Frage nach, ob Winterkorn bereits zu seiner Zeit bei Audi Kenntnisse über die Nutzung der sogenannten Akustikfunktion und ihrer Funktionsweise hatte.Ein VW-Mitarbeiter, der als Kronzeuge bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt hatte, hatte angegeben, dass die Funktion, die später bei VW zur Manipulation von Abgaswerten eingesetzt wurde, auf Basis einer entsprechenden Audi-Software entwickelt worden war.Winterkorn war von 2002 bis 2007 nicht nur Vorstandschef von Audi, sondern dort seit 2003 auch für den Geschäftsbereich technische Entwicklung verantwortlich. Winterkorn könnte somit bereits damals Kenntnisse zu der von Bosch für Audi entwickelten Software gehabt haben, so die Annahme der Ermittler.

Asservat 4229: "Beweisstücke Winterkorn"

Um diesen Verdacht aufzuklären, hat das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen Kontakt zum Landeskriminalamt Bayern aufgenommen. Dem LKA Bayern liegt unter anderem aus der Durchsuchung der Kanzlei Jones Day ein Ordner mit der Beschriftung "Winterkorn exhibits" ("Beweisstücke Winterkorn") unter der Asservatennummer 4229 vor.Nach Informationen von NDR, WDR und "SZ" hat das Amtsgericht Braunschweig am 12. September 2018 die Beschlagnahme von Asservat 4229 angeordnet. Es sei davon auszugehen, dass Herr Winterkorn bei Audi in die technische Entwicklung von Dieselmotoren involviert gewesen sei und Einblicke in die Wirkungsweise der Motorsteuerungssoftware gehabt habe. Insofern hätte Winterkorn den Einsatz der Manipulationssoftware später bei VW beim Diesel-Motor EA 189 möglicherweise erkennen können.

Winterkorn widerspricht

Diese Vorkenntnisse seien für die Beurteilung der Frage von Bedeutung, welche Schlussfolgerungen Winterkorn daraus ziehen konnte, als er als VW-Chef mit Emissionsproblemen bei Dieselfahrzeugen mit dem Motor EA 189 konfrontiert worden war.Dem widerspricht Winterkorn. Sein Anwalt teilte auf Anfrage mit, es gebe keinerlei "Vorkenntnisse" oder "Vorbefassungen" von Herrn Prof. Dr. Winterkorn aus seiner Zeit als Vorstand Entwicklung der AUDI AG, die ihn zu einem späteren Zeitpunkt in die Lage versetzt hätten, "Schlussfolgerungen zu ziehen", als er in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG von Emissionsproblemen bei dem Dieselmotor EA 189, Modell US07, erfuhr.