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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Oliver Berg

Die Spitzen deutscher Unternehmen sind männerdominiert. Doch es tut sich etwas. Die Zahl weiblicher Vorstände hat einen Höchststand erreicht. Und doch stehen einer Frau in den Führungsetagen durchschnittlich neun Männer gegenüber.

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Vorstände werden weiblicher – zumindest ein bisschen

Die Spitzen deutscher Unternehmen sind männerdominiert. Aber es tut sich etwas. Die Zahl weiblicher Vorstände hat laut einer EY-Studie einen Höchststand erreicht. Doch trotzdem stehen einer Frau im Vorstand durchschnittlich neun Männer gegenüber.

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Von
  • Karsten Böhne

Frauen im Vorstand oder gar an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens, das ist immer noch die Ausnahme. Schaut man sich die Firmen an, die in Dax, MDax und SDax gelistet sind, sind von den 681 Vorstandsmitgliedern nur 78 Frauen. Nicht viele, aber ein leichtes Plus von acht im Vergleich zum Vorjahr, so das Ergebnis einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Eine Frau auf dem Chefsessel? – Im Dax Fehlanzeige

Beim Chef- oder besser gesagt Chefinnenposten sieht es noch dürftiger aus. Nur sechs der 160 wichtigsten deutschen Börsenunternehmen werden von einer Frau geleitet. Keines davon ist im wichtigsten Börsenbarometer Dax gelistet. Am 1. Mai übernimmt beim Pharmakonzern Merck Belén Garijo als erste Frau den alleinigen Chefposten bei einem der 30 Dax-Konzerne. Bei SAP hatte im vergangenen Jahr Jennifer Morgan schon nach kurzer Zeit als Co-Vorstandschefin das Handtuch geworfen.

Frauenquote dürfte Karrierechancen verbessern

Die Karrierechancen weiblicher Topmanager dürften sich aber mit der kürzlich beschlossenen Frauenquote verbessern. Diese hatte die Bundesregierung zu Jahresbeginn für börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen auf den Weg gebracht. Sofern ihr Vorstand mindestens aus vier Mitgliedern besteht, muss eines davon weiblich sein. Nach Angaben der Regierung sind davon rund 70 Großkonzerne betroffen.

Man könne davon ausgehen, dass die Frauenquote den Anteil von Frauen im Vorstand in kurzer Zeit signifikant steigern werde, sagt Markus Heinen, der bei EY für die Beratung in Personalfragen verantwortlich ist. Wüchse der Frauenanteil so wie bisher, würde es 30 Jahre dauern, bis die Hälfte der Vorstandspositionen mit Frauen besetzt sei.

Personalberaterin: Es gibt genug qualifizierte Frauen

Die Umsetzung der Frauenquote in der Chefetage großer Unternehmen werde nicht am Mangel qualifizierter Managerinnen scheitern, sagt Personalberaterin Simone Siebeke vom Unternehmen Spencer Stuart, das auf die Vermittlung von Führungskräften spezialisiert ist. Man wisse, dass eine ausreichende Zahl hoch qualifizierter Frauen für Vorstandsposten vorhanden sei. Es müsse mehr Fokus darauf gelegt werden, qualifizierte Frauen zu finden. Dazu brauche es Offenheit und Bereitschaft der Entscheider.

Siebeke verweist auf den Erfolg der Frauenquote in Aufsichtsräten. Nach dem seit Mai 2015 geltenden Gesetz müssen Firmen ab einer bestimmten Größe - in der Regel ab 2.000 Beschäftigten - frei werdende Posten in dem Kontrollgremium mit Frauen neubesetzen, bis mindestens ein Anteil von 30 Prozent erreicht ist. Mittlerweile liege die Quote bei 35 Prozent, erklärt die Beraterin.

Deutschland bei Frauen in Führungspositionen abgeschlagen

Europaweit liegt Deutschland bei der Förderung von Frauen in Führungspositionen laut der Brüsseler Initiative "European Woman on Boards" nur im unteren Mittelfeld. In dem vom Marktforscher Kantar für 18 europäische Länder berechneten "Gender Diversity Index" liegen Norwegen, Frankreich, Großbritannien, Finnland und Schweden vorn, in Polen und Tschechien sind Vorstände und Aufsichtsräte am stärksten von Männern dominiert.

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