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Geldanlage: Vorsicht bei privaten Investitionen am Ölmarkt | BR24

© dpa-Bildfunk/Jacob Ford

Die Geldanlage mit Rohöl-Wertpapiere ist sehr komplex und undurchsichtig.

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    Geldanlage: Vorsicht bei privaten Investitionen am Ölmarkt

    Der deutsche Aktien-Leitindex DAX hat seit dem Tiefststand Mitte März mehr als 2.000 Punkte zugelegt. Gleichzeitig ist der Ölpreis historisch niedrig. Ist jetzt die Zeit für Schnäppchenjäger am Ölmarkt gekommen? Experten warnen vor hohen Risiken.

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    Von
    • Peter Althammer

    In den Internet-Suchmaschinen tauchen seit einigen Tagen besonders oft diese Fragen auf: "Wie kann man in Öl investieren?" oder "Wie soll man in Öl-Aktien investieren?". Das große Interesse an Geldanlagen mit Rohöl könnte durch eine ungewöhnliche Börsennachricht vom 20. April 2020 ausgelöst worden sein. Was war an diesem Abend geschehen?

    Wer sich bei Börsenschluss an der US-Warenterminbörse verpflichtet hatte, für den Folgemonat Mai Rohöl der amerikanischen Sorte "WTI" abzunehmen, musste nichts dafür bezahlen. Im Gegenteil: Der Käufer bekam sogar fast 40 Dollar pro Standard-Fass (Barrel, 159 Liter) für diese Zusage. Ein negativer Ölpreis. So etwas gab es bis dahin noch nie seit der Einführung des sogenannten "Rohöl-Future"-Handels im Jahr 1983.

    Wenig Nachfrage, hohes Angebot, volle Speicher

    Dabei ist dieser auf den ersten Blick absurde Vorgang eigentlich ein Zeichen dafür, dass der Ölmarkt in den USA gut funktioniert. Denn die Rohöl-Speicher dort sind übervoll. Gleichzeitig wird weiter Öl gefördert, für das es nicht genug Abnehmer gibt. Wer also am 20. April Öl für den Mai einkaufte, kaufte eigentlich ein Lagerproblem. Schon bei Vereinbarung eines Liefertermins im Juni war der Ölpreis am Abend des 20. April mit 22,30 Dollar wieder positiv, wenn auch vergleichsweise niedrig.

    Wer in Öl investiert, investiert in Liefertermine: "Lassen Sie es bleiben"

    Vier variablen Faktoren machen das Investieren in Rohöl so komplex: Angebot, Nachfrage, Lagerkapazität und Liefertermin. Nicht unbedingt etwas für Otto Normalanleger. "Lassen Sie es bleiben" lautet daher auch der Rat des Finanzexperten der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg an Privatpersonen.

    "Es gibt nicht den einen Ölpreis. Egal welche Produkte Sie kaufen: Sie können nicht sicher davon ausgehen, von einem steigenden Ölpreis tatsächlich zu profitieren." Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

    Rohöl wird nicht physisch gehandelt

    Ein risikobewusster Anleger, der sich nach reiflicher Überlegung dennoch auf ein Geschäft mit Rohöl einlassen möchte, hat es schwer. Jedenfalls kauft er ganz bestimmt keine prall gefüllten Ölfässer. Denn statt Öl in Fässern oder Tankern werden an den Öl-Börsen Warenterminkontrakte, sogenannte "Commodity Futures", gehandelt. Das sind Verträge, in denen eine Abnahmeverpflichtung zu einem bestimmten Termin vereinbart wird. Je nach Marktlage und Zukunftserwartung verändern sich die Preise dieser Lang- und Kurzläufer börsentäglich.

    Marktzugang für Privat-Anleger nur schwer möglich

    Zum Markt für solche Öl-Futures haben private Kleinanleger nur sehr schwer Zugang. Stattdessen werden ihnen üblicherweise Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit, oft in der Form von börsengehandelten Rohstoff-Wertpapieren (Exchange Traded Commodities, ETC) angeboten. Diese unterscheiden sich in der Regel nach Ölsorte und Börsenplatz ("WTI" in New York für den US-Markt und "Brent" in London für Europa).

    Welches Produkt steckt in einem Wertpapier?

    Welches Termingeschäft steckt in solchen Zertifikaten oder Wertpapieren? Die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" hat versucht, das herauszufinden. Beispielhaft hat man sich ein Zertifikat der französischen Bank "Société Générale" (ISIN DE000CL4VZN) und ein ETC des New Yorker Vermögensverwalters "Wisdom Tree" (ISIN DE000A0KRJX4) angesehen. Die Ergebnisse: Das französische Zertifikat basiert derzeit auf dem Juni-Future für WTI, hat gleichwohl eine unbegrenzte Laufzeit. Das amerikanische Wertpapier basiert auf einem WTI-Juli-Kontrakt und wird ab Anfang Mai in einen September-Kontrakt umgewechselt.

    Handel mit Rohöl ist etwas für Spezialisten

    Zusammengefasst: Der Ölpreis ist abhängig von sehr vielen Variablen. Genau genommen gibt es "den" Ölpreis nicht. Tatsächlich gibt es immer mehrere Ölpreise gleichzeitig, abhängig von der Ölsorte und dem vereinbarten Liefertermin. Der Handel mit Rohöl ist deshalb etwas für Spezialisten.

    Privatanleger, die dennoch in das Segment Rohöl investieren möchten, könnten sich Aktien von Unternehmen in diesem Bereich ansehen.

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