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Privates Carsharing: Das eigene Auto mit anderen teilen | BR24

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Internetseite "Turo Carsharing"

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    Privates Carsharing: Das eigene Auto mit anderen teilen

    "Sharing" fasziniert immer mehr Menschen. Die Grundidee: eine wertvolle Sache mit anderen zu teilen. Jetzt drängen immer mehr Unternehmen auf den Markt, die dies für Autos anbieten. Privates-Carsharing bringt Vorteile mit sich und offene Fragen.

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    "Sharing" funktioniert schon sehr erfolgreich bei Wohnungen und Häusern, siehe AirBnB. Jetzt drängen immer mehr Unternehmen auf den Markt, die dasselbe Prinzip auch für Autos anbieten. Private-Carsharing bringt für Nutzer viele Vorteile aber auch einige ungeklärte Fragen mit sich.

    Fixkosten dank Carsharing gedeckt

    Bernd Klein aus Augsburg vermietet seinem VW-Up regelmäßig an andere. Etwa 25 Euro bringt ihm der Kleinwagen am Tag ein. Das lohnt sich auf Dauer meint der 39-Jährige.

    "Erfahrungsgemäß ist es so, dass sich alle Fixkosten wie Versicherung und Steuer doch recht schnell amortisieren. Am Ende bleibt dann doch noch einiges übrig." Autoverleiher Bernd Klein

    Wie viel genau. das will der Industriemechaniker lieber nicht sagen. Er nutzt für die Vermietungen die digitale Carsharing-Plattform "Turo". Wer sein privates Auto gerade nicht braucht, kann es hier anbieten und vermieten. In München bekommen Anbieter momentan für einen Toyota Aygo rund 20 für einen Audi A5 gut 50 und für einen Porsche 911 gut 100 Euro am Tag.

    Die "Turo"-App auf dem Handy führt Mieter und Vermieter durch den Übergabeprozess. Eventuelle Vorschäden werden mit Handy-Fotos dokumentiert und hochgeladen. Der Mieter weist sich üblicherweise mit seinem Führerschein aus und bekommt dann vom Vermieter die Autoschlüssel übergeben.

    Die Abrechnung übernimmt die Plattform. Bei Turo mit dem digitalen Bezahldienstleister "PayPal". Im Mietpreis enthalten ist auch eine Versicherung, die für Unfall-Schäden aufkommt.

    Branche wächst

    "Turo" ist der Aufsteiger im Carsharing. Entstanden aus der ehemaligen Daimler-App "Croove", hat das Unternehmen vor zwei Jahren quasi bei null angefangen und bietet heute rund 6.000 Autos in Deutschland an. Der Markt boomt. Der größere Konkurrent "Drivy" hat bereits 300.000 registrierte Nutzer. Die digitalen Plattformen sehen sich als moderne Mobilitätsanbieter und wollen Nachhaltigkeit befördern, erklärt der Deutschland-Chef von "Turo", Marcus Riecke.

    "Es gibt rund 45 Millionen Privatfahrzeuge in Deutschland, die im Schnitt nur eine Stunde pro Tag genutzt werden. Ein volkswirtschaftlicher Irrsinn. Unsere Mission bei 'Turo' ist es, dass die Fahrzeuge, die ohnehin schon da sind besser ausgelastet werden." "Turo"-Deutschland-Chef Marcus Riecke

    Die Vorteile für Mieter: sie kommen unkompliziert an ein Auto, auch wenn keine Autovermietung in der Nähe ist und der Preis ist rund 25 Prozent günstiger als bei Profi-Autovermietungen.

    Viele offene Fragen

    Allerdings gibt es auch ein paar ungeklärte Fragen mit den Sharing-Plattformen, meint der stellvertretende Leiter der Abteilung für Verbraucherrecht beim ADAC, Klaus Heimgärtner.

    "Von einem privaten Vertragspartner bekomme ich über die Vermittlungsplattform nur wenige persönliche Daten. Oft werde ich mich schwer tun, die zu überprüfen. Das bedeutet: Die Person kann untertauchen, mit meinem Auto ins Ausland verschwinden und mir vorher einen gefälschten Führerschein zeigen. Als Privatmann habe ich dann das Nachsehen." ADAC Klaus Heimgärtner

    Probleme können auch Verschleißschäden aufwerfen, die während der Mietzeit auftreten. Geht die Lichtmaschine, die Kupplung oder ein Scheinwerfer ohne Fremdverschulden kaputt, könnte das für Streit zwischen Mieter und Vermieter sorgen. Und mit diesem Streit wird die digitale Carsharing-Plattform die beiden Privatleute allein lassen. Bei Bernd Klein überwiegen aber bisher die positiven Erfahrungen.

    "Ich habe sogar schon Freundschaften gefunden über die Vermieterei. Sollte es mal Probleme geben, wurde das bisher eigentlich immer reibungslos über die Versicherung abgewickelt." Autoverleiher Bernd Klein

    Er will auch weiterhin seinen VW-Up mit anderen teilen und damit sogar noch ein bisschen Geld verdienen.