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Vier Wochen "Click & Collect": Wenig Umsatz, aber Kundenkontakt

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Vier Wochen "Click & Collect": Wenig Umsatz, aber Kundenkontakt

Zuvor bestellte Ware im Laden abholen - das dürfen die Kunden in Bayern, obwohl die Geschäfte geschlossen sind. Vor vier Wochen hat die Staatsregierung das sogenannte "Click & Collect" erlaubt. Die Bilanz bisher fällt allerdings ernüchternd aus.

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Von
  • Ralf Schmidberger

"Allein mit 'Click & Collect' kann man nicht überleben", sagt Peter Büscher. Gerade mal rund zehn Kunden haben in seinem Kofferladen in der Münchner Innenstadt in den vergangenen vier Wochen auf diese Weise bei ihm etwas gekauft. Treue Kunden rufen ihn an oder schreiben eine E-Mail, wenn sie eine neue Tasche brauchen. Genauso Passanten, die im Schaufenster des Geschäfts in der Augustenstraße, einen Rucksack für sich entdecken. Büscher organisiert dann eine Übergabe, die den strengen Hygienevorgaben entspricht. Aber wer braucht schon einen Koffer bei den derzeitigen Reisebeschränkungen?

Bücher und Baumaterial gefragt

"Etwas besser sind Buchläden oder Baumärkte dran", sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Deren Angebote sind auch oder gerade in Corona-Zeiten gefragt. Und der Vorteil: Die Kunden wissen hier in der Regel genau, welches Buch oder welches Werkzeug sie wollen, das sie dann schnell im Laden abholen können.

Modeverkauf ist schwierig

Anders sieht es im Textilhandel aus. Da möchten die Leute beraten werden, verschiedene Modelle und Größen anprobieren. "Click & Collect" sei hier schwierig, meint Ohlmann. Komplizierte Beratung etwa am Telefon, eine Auswahl zur Anprobe mitgeben und das Meiste wieder zurücknehmen - da stünden Aufwand und Ertrag oft nicht im Verhältnis.

Nur rund jeder zweite bayerische Händler macht mit

So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele der knapp 60.000 Läden in Bayern nicht an "Click & Collect" beteiligen. Nur rund 50 bis 60 Prozent der Händler machen nach Angaben des Handelsverbands Bayern mit.

Weihnachtsgeschäft verpasst

Dabei hatten die bayerischen Händler vehement dafür gekämpft, dass ihnen ein Abholangebot für die Kunden erlaubt wird. Anders als einige andere Bundesländer hatte die Staatsregierung "Click & Collect" in Bayern zu Beginn des Lockdowns Mitte Dezember untersagt. Das wichtige Weihnachtsgeschäft sei somit den hiesigen Geschäften zum großen Teil flöten gegangen, beklagt Ohlmann.

Erst zum 11. Januar gab die Staatsregierung dem Druck aus der Branche nach. Seitdem dürfen Kunden auch hier in Bayern zuvor bestellte Ware im Laden abholen. Der Händler muss dafür aber ein Hygienekonzept ausarbeiten. Das Tragen einer FFP2-Maske ist Pflicht.

"Click & Collect" kann Pleiten nicht verhindern

Wirtschaftsminister Huber Aiwanger bezeichnete damals "Click & Collect" als "letzten Strohhalm", als "Rettung" für viele Händler, dass sie nicht in die Insolvenz gehen müssen. Doch beim bayerischen Handelsverband ist man mittlerweile ernüchtert. "Wer vor dem finanziellen Ruin steht, wird sicher nicht durch so einen Abholdienst gerettet", konstatiert Verbandssprecher Ohlmann. Er rechnet damit, dass in diesem Jahr rund 8.000 bayerische Läden in die Pleite schlittern werden.

"Nichts machen ist schlechter"

Händler, die "Click & Collect" anbieten, sprechen meist von mageren Umsätzen im einstelligen Prozentbereich im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Nur wenige melden ein nennenswertes Geschäft. Dass doch rund jeder zweite Laden in Bayern mitmacht, liegt nach Ansicht von Ohlmann an etwas anderem: "Für viele Händler ist es enorm wichtig, in dieser Zeit den Kontakt zum Kunden zu halten."

So sieht es auch Peter Büscher in seinem Kofferladen: "Es hilft ja nichts. Wenn man nichts macht, ist es noch schlechter."

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