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Wie Vergleichsportale Kunden mit riskanten Stromangeboten locken | BR24

© BR/Felix Lincke

Vergleichsportale im Internet können helfen, den günstigsten Stromanbieter zu finden. Doch meist informieren Sie nicht über die Risiken. Zum Beispiel, wenn sich Unternehmen nicht mit langfristigen Lieferverträgen abgesichert haben.

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Wie Vergleichsportale Kunden mit riskanten Stromangeboten locken

Vergleichsportale im Internet können helfen, den günstigsten Stromanbieter zu finden. Doch meist informieren sie nicht über die Risiken - zum Beispiel, wenn sich Unternehmen nicht mit langfristigen Lieferverträgen abgesichert haben.

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Nach Flexstrom und Teldafax ist die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft BEV nun schon der dritte Billiganbieter von Strom, der Insolvenz angemeldet hat. Es geht um einbehaltene Boni und hohe Vorauszahlungen. Die hat BEV nach Preiserhöhungen einbehalten – und ist pleitegegangen. Viele Verbraucher fühlen sich getäuscht von Vergleichsportalen im Internet, die BEV empfohlen hatten.

Billigstromanbieter mit riskantem Geschäftsmodell im Internet vorn

Immer wieder war der jetzt insolvente Billigstromanbieter BEV auf Vergleichsportalen im Internet ganz vorn. Das kam durch unvollständige Informationen zustande. Denn das Geschäftsmodell war sehr riskant.

Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass es bei Stromanbietern große Qualitätsunterschiede gibt. Wenn Anbieter zum Beispiel selbst keinen Strom erzeugen, müssen sie ihn notfalls kurzfristig auf dem sogenannten Spotmarkt kaufen und kräftig draufzahlen. Sie sind dabei kurzfristigen Schwankungen und steigenden Preisen ausgesetzt.

Billigtarife waren Lockvogelangebote

Nur wer selbst Strom produziert oder sich mit langfristigen Lieferverträgen absichert, kann Verbrauchern eine gesicherte Kalkulation anbieten. Die Angebote von BEV waren offenbar darauf ausgelegt, mit hohen Rabatten und Wechselprämien schnell viele Kunden zu gewinnen.

Die Billigtarife waren offenbar der Lockvogel für spätere Preiserhöhungen, die eine Kündigungswelle auslösten. Im Dezember vergangenen Jahres traten mit einem Schlag 200.000 Kunden vom Vertrag zurück. Damit kam BEV nicht zurecht und meldete im Januar Insolvenz an.

Inzwischen ist auch die Muttergesellschaft in der Schweiz pleite

Für die verbliebenen 250.000 Kunden des insolventen Billigstromanbieters kommt es noch dicker. Denn auch die BEV-Muttergesellschaft in der Schweiz hat jetzt Insolvenz angemeldet. Dadurch haben Kunden und Gläubiger noch schlechtere Aussichten ihr Geld jemals wieder zu sehen.

"Der Konkursantrag der Genie Holding AG bedeutet für die Gläubiger der BEV, dass sich ihre Aussichten auf eine Befriedigung ihrer Forderungen leider erheblich verschlechtern." Axel Bierbach, BEV-Insolvenzverwalter

Die BEV-Kunden in Deutschland fordern 50 Millionen Euro an bereits geleisteten Vorauszahlungen und 30 Millionen Euro an versprochenen Boni zurück. Der Insolvenzverwalter gibt an, dass mehr als 100 Millionen Euro an Forderungen der BEV gegen die Muttergesellschaft bestehen.