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Verbraucherzentralen klagen gegen Sparkasse Nürnberg | BR24

© BR/Hanna Heim

Prämiensparverträge: Verbraucherzentrale klagt gegen Sparkasse Nürnberg wegen Kündigungen und Zinsberechnungen

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Verbraucherzentralen klagen gegen Sparkasse Nürnberg

Prämiensparverträge galten einst als sichere Anlagemöglichkeit. Doch als im vergangenen Jahr tausenden Kunden der Vertrag vorzeitig gekündigt wurde, war die Empörung groß. Jetzt haben die Verbraucherzentralen Musterfeststellungsklage eingereicht.

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In den späten Neunziger- und frühen Nullerjahren haben viele Sparkassen ein Anlageprodukt angeboten, bei dem nicht nur das Geld auf der Bank liegt. Zusätzlich gab es flexible Zinsen, die sich jahresweise angepasst haben und obendrauf sogar noch eine jährliche Prämie - die sogenannten Prämiensparverträge. Bei der Stadtsparkasse München waren das ab dem 15. Vertragsjahr sogar 50 Prozent. Wer also damals in einem Jahr 1.000 Euro gespart hatte, der bekam von der Bank nochmal 500 Euro zusätzlich. Prämiensparverträge galten damals als eine ganz sichere Sache.

Kündigungswelle empört viele Kunden

Mittlerweile aber rechnet sich so ein Modell für kein Geldhaus mehr. Deshalb haben viele Sparkassen – vor allem in Bayern – 2019 die Reißleine gezogen. Massenhaft wurden Prämiensparverträge gekündigt, oftmals auch schon vor dem Ende der Mindestlaufzeit. Damals waren viele Verbraucher empört, manche reichten auch Klage ein.

Verbraucherzentralen bündeln Unmut über Klageweg

Um diese Energie zu bündeln, haben jetzt der Bundesverband der Verbraucherzentralen und die Verbraucherzentrale Bayern Musterfeststellungsklage eingereicht. Zunächst nur gegen eine Sparkasse, nämlich die in Nürnberg. Dort allein kündigte man mehr als 15.000 Bankkunden den Anlagevertrag.

Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern erklärt, wieso man sich jetzt zu dem Schritt entschlossen hat:

"Die Verbraucher haben die Prämiensparverträge im Vertrauen darauf geschlossen, damit ihre Altersvorsorge aufzubauen. Durch die vorzeitige Kündigung wird Tausenden diese Grundlage entzogen." Sascha Straub, Verbraucherzentrale Bayern

Weil die Sparkasse nicht von sich aus auf die Sparer zukomme, habe man also die Musterfeststellungsklage eingereicht. Das bedeutet, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sich nicht mehr einzeln gegen die Sparkasse wenden müssen. Stattdessen dürfen sie, ähnlich wie beim VW-Abgasskandal, gemeinsam und mit dem gleichen Anliegen vor Gericht gehen.

Sparkasse Nürnberg zeigt sich überrascht

Bei der Sparkasse Nürnberg ist man überrascht. Man wisse noch nichts von einer Musterfeststellungsklage und warte jetzt erstmal auf die Klage. Aber, so Beate Treffkorn von der Sparkasse Nürnberg: "Wir blicken so einer Klage recht gelassen entgegen." Bereits im vergangenen Jahr äußerte sich die Sparkasse zu den gekündigten Prämiensparverträgen. In der Niedrigzinsphase seien die gemachten Versprechungen aus wirtschaftlicher Sicht schlicht nicht einzuhalten, hieß es damals. Man sei deshalb von der Rechtmäßigkeit dieser Kündigungen überzeugt. Teilweise haben die Sparkassen auch schon vor Gericht Recht bekommen.

Auch Zinsberechnungen umstritten

Und noch ein Thema liegt durch den Schritt der Verbraucherzentralen jetzt auf dem Tisch: Auch die Zinsberechnung war immer in der Diskussion mit Verbraucherschützern, sagt Treffkorn von der Sparkasse Nürnberg. Diese wurde aber "unserer Meinung nach immer korrekt durchgeführt". Dem widersprechen die Verbraucherzentralen. Laut eigenen Berechnungen, wurden vielen Kunden zu niedrige Zinsen berechnet.

Das Finanzprodukt arbeitete mit flexiblen Zinsen, die jährlich anhand eines Vergleichswerts angepasst wurden. Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern: "Auch bei der Berechnungsweise der Zinsen sehen wir Klärungsbedarf, weil in allen von uns nachgerechneten Fällen die Ergebnisse immer zu Ungunsten der Sparer ausfallen."

Es geht für Prämiensparer um durchschnittlich 4000 Euro

Die Rede ist von durchschnittlich 4000 Euro Zinsen, die jedem Sparer auch nach Kündigung des Vertrags noch zusätzlich zustehen. Verbraucher, denen der Prämiensparvertrag vor Ablauf der festen Laufzeit gekündigt wurde, oder deren Prämienstaffel zum Zeitpunkt der Kündigung noch nicht abgelaufen war, haben laut Verbraucherzentralen gute Chancen, an ihr Geld zu kommen, wenn sie sich an der Musterfeststellungsklage beteiligen.

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