BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Die Hälfte aller Pflegebedürftigen in Deutschland wohnt zu Hause. Eine enorme Herausforderung für die Angehörigen, die sich um sie kümmern. Bekommen sie genug Überstützung, gerade jetzt? Der Sozialverband VdK schlägt Alarm.

3
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

VdK fordert Finanzhilfen für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige drohen während der Corona-Pandemie in Vergessenheit zu geraten. Schon davor war laut Sozialverband VdK die Lage in vielen betroffenen Familien angespannt. Jetzt schlägt der Sozialverband Alarm.

3
Per Mail sharen
Von
  • Tom Fleckenstein
  • Julia Lamour

Im oberbayerischen Waging am See pflegt Barbara Korb ihren Lebenspartner Walter Schneck seit zehn Jahren rund um die Uhr. Der 86-jährige Elektromeister hat Diabetes und leidet an den Folgen eines Schlaganfalls. Ihren Mann in ein Heim zu geben ist für Barbara Korb unvorstellbar.

Die Hälfte der Angehörigen pflegt allein

In Deutschland werden die meisten Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Etwas mehr als die Hälfte der Angehörigen pflegt ganz alleine. Ein Viertel nimmt zusätzlich ambulante Hilfe in Anspruch. Und nur knapp ein Viertel der zu Pflegenden ist stationär in Heimen untergebracht.

Pflegedienste erhalten mehr Geld

Barbara Korb ist eine von 186.000 pflegenden Angehörigen in Bayern. Ihr Mann hat mit Pflegegrad 5 die höchste Stufe. Dafür erhält Barbara Korb 901 Euro pro Monat. Ein Pflegedienst dagegen könnte 1.995 Euro abrechnen.

Angehörige müssen auf Corona-Impfung warten

Pflegende Angehörige sparen dem Staat also viel Geld. Und dennoch werden sie oft vergessen und fühlen sich allein gelassen. So wie jetzt bei den Impfungen. Die Angehörigen haben zwar eine hohe, aber nicht die höchste Impf-Priorität – anders als das Personal in stationären Einrichtungen.

Sozialverband VdK fordert Entlastung

Der größte deutsche Sozialverband VdK vertritt die Interessen der pflegenden Angehörigen. Die Vorsitzende in Bayern fordert für diese mehr Entlastung.

"Man kann sie am besten dadurch unterstützen, dass man Hilfsangebote vorhält, ob das die Tagespflege ist, ob das hauswirtschaftliche Hilfen sind, ob das eine gute Beratung durch Pflegestützpunkte ist, da fehlt es in Bayern noch weit." Ulrike Mascher, Vorsitzende VdK Bayern

In ganz Bayern sind derzeit nur 14 Pflegestützpunkte in Betrieb. Weitere 36 seien im Aufbau, sagt das Bayerische Gesundheitsministerium. Außerdem gebe es 110 Fachstellen mit Beratung. Besonders wichtig aber sind konkrete Hilfsangebote vor Ort.

"Es gibt ja Hilfsangebote wie Tagespflege, Kurzzeitpflege. Das ist aber wegen Corona meistens geschlossen und das Geld, das dafür vorgesehen ist, verfällt am Ende des Jahres. Wir würden uns wünschen, dass diese Mittel auf das nächste Jahr übertragen werden, damit man es da nutzen kann." Ulrike Mascher, Vorsitzende VdK Bayern

In Schleching im Chiemgau arbeitet Elisabeth Schnellinger ehrenamtlich als VdK-Pflegebegleiterin. Seit vier Jahren besucht sie regelmäßig die 60-jährige Hildegard Wetter, die an Multipler Sklerose leidet und im Rollstuhl sitzt. Ihr Mann pflegt sie und arbeitet tagsüber als Autolackierer.

Hilfestellung durch VdK-Pflegebegleiter

Elisabeth Schnellinger hilft nebenbei ein bisschen im Haushalt. Vor der Corona-Pandemie kam sie alle 14 Tage für zwei bis drei Stunden zum Ratschen vorbei. Hildegard Wetter sagt, das tue ihr sehr gut: Sie fühle sich dann nicht mehr nur als Pflegefall. Insgesamt gibt es 200 VdK-Pflegebegleiter in ganz Bayern. Viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sind überlastet. Das System der häuslichen Pflege drohe zu kollabieren - warnt der VdK.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!