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US-Zölle auf Stahl und Aluminium: Eine ernüchternde Bilanz | BR24

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Symbolbild -Strafzölle USA für Einfuhren aus der EU

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    US-Zölle auf Stahl und Aluminium: Eine ernüchternde Bilanz

    Vor einem Jahr verkündete US-Präsident Trump Einfuhrzölle auf ausländischen Stahl und auf Aluminium. Damit wollte er mehr Industriejobs zurückholen - die Bilanz fällt jedoch überwiegend negativ aus.

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    Für den Wirtschaftsexperten Jacob Kirkegaard sind Donald Trumps Zölle auf Stahl und Aluminium ein Musterbeispiel dafür, wie kontraproduktiv Zölle sind, die eigentlich die heimische Produktion schützen sollen. Kirkegaard arbeitet für das "Peterson Institute for International Economics", eine Denkfabrik in Washington, die untersucht hat, welche Folgen die Zölle von US-Präsident Trump haben. Eindeutige Gewinner sind einige wenige Stahlkonzerne und Aluminiumhersteller in den USA, sagt Kirkegaard:

    "Sie konnten höhere Preise verlangen, weil ausländische Wettbewerber jetzt Importzölle zahlen müssen. Deshalb haben sie höhere Gewinne gemacht und einige Hochöfen wiedereröffnet."

    Stahlkonzerne schufen nur 200 neue Jobs

    Tatsächlich stiegen die Preise für Stahl in den USA zeitweise um 30 Prozent an. Auch die Stahlarbeiter konnten sich über höhere Löhne freuen. Allerdings schufen die Stahlkonzerne im vergangenen Jahr nur 200 neue Jobs. Zu den Verlierern von Trumps Zöllen gehörten dagegen zahlreiche metallverarbeitende Unternehmen, darunter viele kleine und mittlere Betriebe mit insgesamt 1,4 Millionen Beschäftigten. Sie litten unter den höheren Stahl- und Aluminiumpreisen. Am heftigsten betroffen waren ausgerechnet die großen Autohersteller in den USA, betont Kirkegaard:

    "Sowohl Ford als auch General Motors haben gesagt, dass sie aufgrund der Schutzzölle jeweils Mehrkosten in Höhe von einer Milliarde Dollar hatten."

    Die Folge: Ford und GM wollen wegen der gestiegenen Herstellungskosten Werke schließen, was Trump heftig kritisiert. Unter dem Strich, meint Wirtschaftsexperte Kirkegaard, überwiegen die Nachteile von Trumps Zöllen bei weitem die Vorteile:

    "Jeder neugeschaffene Job bei den Stahlherstellern hat andere US-Unternehmen fast eine halbe Million Dollar gekostet."

    Trump droht mit weiteren Zöllen

    Zu den Verlieren gehören auch jene US-Unternehmen, die von Vergeltungszöllen der EU, Kanadas oder Chinas betroffen sind: Die Farmer konnten deutlich weniger Soja, Mais und Schweine ins Ausland verkaufen. Die Exporte der Whiskey-Hersteller brachen in der zweiten Jahreshälfte 2018 um elf Prozent ein. Und der von Trump anfangs hofierte Motorrad-Hersteller Harley-Davidson verlagert wegen der höheren Stahlpreise in den USA und wegen der Vergeltungszölle Teile seiner Produktion nach Europa und Asien. Trotz dieser eindeutig negativen Folgen droht der US-Präsident mit weiteren Zöllen auf ausländische Autos und Autoteile. In erster Linie träfe dies die deutschen und japanischen Autohersteller, sagt Wirtschaftsexperte Kirkegaard, letztlich würden jedoch die US-Bürger die Zeche zahlen:

    "Autos in den USA würden zehn bis 15 Prozent teurer. Die höheren Preise müssten die Verbraucher bezahlen. Das wird ihnen nicht gefallen."

    Deshalb warnen auch die amerikanischen Autohersteller vor Zöllen auf Import-Autos, denn sie führen fast die Hälfte ihrer Autoteile aus dem Ausland ein.

    Viele Gründe gegen Auto-Zölle

    All dies spricht nach Einschätzung von Kirkegaard dagegen, dass Trump den Handelsstreit mit der EU weiter eskalieren lassen wird, zumal bei den Verhandlungen mit China noch kein Erfolg in Sicht ist:

    "Autozölle werden nicht kommen. Trumps politisches Standing ist nicht stark genug, um einen wirklich großen Handelskrieg mit Amerikas engsten Verbündeten zu starten."

    Bis Mitte Mai will der US-Präsident über Autozölle entscheiden. Auch wenn viele sachliche Gründe dagegen sprechen - Trump liebt Zölle, nicht zuletzt, um andere Länder unter Druck zu setzen.