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"Easy-Money"-Urteil: Telefónica muss Kunden 225.000 Euro zahlen | BR24

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2 Cent Gutschrift bei jedem eingehenden Anruf: Mit der "Easy-Money"-Aktion warb O2 jahrelang um Kunden

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    "Easy-Money"-Urteil: Telefónica muss Kunden 225.000 Euro zahlen

    224.840,02 Euro plus Zinsen: das muss der Mobilfunkanbieter Telefónica an einen ehemaligen Kunden zahlen. Der forderte diese Guthabensumme von insgesamt 508 SIM-Karten aus seinem Besitz. Der Fall ist auch von allgemeinem Verbraucherinteresse.

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    In der zweiten Instanz hat der Sammler vor dem Oberlandesgericht München heute Recht bekommen. Der Mann hatte auf 508 SIM-Karten ein Guthaben in Höhe von knapp 250.000 Euro angesammelt, bis der Konzern die Karten 2015 deaktivierte. Das Geld forderte er nun vor Gericht zurück, dazu 100.000 Euro Schadensersatz, wegen des Sammlerwerts der Karten. Das wies das Gericht jedoch zurück.

    Der Mann häufte das hohe Guthaben der Prepaid-Karten nicht nur durch eigene Aufladungen an, sondern auch durch das Guthaben von Vorbesitzern und die sogenannte "Easy-Money“ Funktion. Mit den Prepaidtarifen "Loop Mobile Option" und "Loop Classic" des zu Telefónica gehörenden O2-Konzerns, konnten Angerufene durch "Easy-Money“ Geld verdienen. Lukrativ wurde das System durch die Einführung von Flatrate-Angeboten. Bei jedem eingehenden Anruf wurden zwei Cent dem Guthabenkonto gut geschrieben. So konnte durch Eigenanrufe mit Wahlwiederholungs-Apps einfach Geld verdient werden.

    Kündigung rechtmäßig

    Weil der Mobilfunkanbieter 2015 den Vertrag kündigte und damit die 508 SIM-Karten wertlos wurden, klagte der Kunde. Das OLG München entschied, dass die Kündigung zwar rechtmäßig sei, das Guthaben müsse jedoch ausbezahlt werden. Um das zu verhindern, hätte der Konzern nachweisen müssen, welcher Teil des Guthabens durch die "Easy-Money“-Funktion generiert wurde. Diesen Beweis lieferte der Konzern zu spät, womit die Information im Verfahren nicht verwendet werden konnte. Der Konzern kann aufgrund der nicht einbezogenen Unterlagen eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) einreichen. Das BGH müsste dann entscheiden, ob es eine Revision zulässt. Ob Telefónica diesen Weg geht, werde entschieden, wenn die Urteilsbegründung vorliege.

    Weiterhin Karten im Umlauf

    Auf Ebay sind nach BR-Recherchen aktuell einige private Anbieter aktiv, die angeblich funktionstüchtige Loop-SIM Karten mit "Easy-Money“-Funktion verkaufen wollen. Mit alten Karten sei es theoretisch weiterhin möglich. Nach einem Benutzerwechsel entfalle die Funktion jedoch.

    Rückerstattung bei abgelaufenen Prepaid- und Gutscheinkarten

    Heute ist es gängige Praxis der Mobilfunkanbieter, länger inaktive SIM-Karten nach Ablauf einer bestimmten Frist zu deaktivieren. Vor der Abschaltung der Karte setzt der Anbieter den Kunden davon in Kenntnis. Das Restguthaben kann im Anschluss durch den Kunden zurückgefordert werden.

    Neben Guthabenkarten passiert es auch häufig bei Gutscheinen, dass man die Ablauffrist aus den Augen verliert. Nachdem die Frist überschritten wurde, muss der Aussteller den Gutschein zwar nicht mehr annehmen, allerdings muss er laut Verbraucherzentrale den Geldbetrag aushändigen. Aber Achtung: Ist der Gutschein älter als drei Jahre, ist er Anspruch verjährt und Kunden gehen leer aus.