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Wirecard: Wenig Hoffnung für geprellte Anleger | BR24

© BR/Felix Lincke

In Berlin kommt erstmals der Untersuchungsausschuss Wirecard zusammen. Dabei geht es um die Rolle der Bundesregierung bei dem Skandal. Aber auch Anleger machen sich Gedanken über den Fall – ihre Aussicht auf Entschädigung ist aber eher gering.

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Wirecard: Wenig Hoffnung für geprellte Anleger

In Berlin kommt erstmals der Untersuchungsausschuss Wirecard zusammen. Dabei geht es um die Rolle der Bundesregierung bei dem Skandal. Aber auch Anleger machen sich Gedanken über den Fall – ihre Aussicht auf Entschädigung ist aber eher gering.

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Anleger von Wirecard haben nur geringe Chancen auf eine Wiedergutmachung für Verluste, die sie mit Aktien und Anleihen oder auch anderen Wertpapieren erlitten haben. Bis zum 26. Oktober können sie noch Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden.

Außerdem können sich Anleger registrieren für Musterverfahren, die von Anwaltskanzleien angestrebt werden. Das ist zum Teil sogar kostenlos möglich - auf der Basis eines Erfolgshonorars für die Anwälte.

Bei Aktien gehört das Risiko des Totalverlusts immer dazu

Als Aktionär muss man immer mit Verlusten rechnen und steht im Insolvenzverfahren als Teilhaber des Unternehmens auf der Seite der Verlierer. Vom Insolvenzverwalter haben nur die Gläubiger etwas zu erhoffen – also Firmen und Privatleute, die beispielsweise noch Rechnungen bei Wirecard offen haben, oder dem Finanzdienstleister Geld geliehen haben, beispielsweise im Rahmen von Unternehmensanleihen.

So gesehen können die Aktionäre froh sein, dass der Insolvenzverwalter sie als Eigentümer einer Pleitefirma wie Wirecard nicht verklagt. Doch das ist rechtlich nicht möglich. Mehr als den Totalverlust ihrer Investition können Aktionäre nicht erleiden.

Anleihegläubiger meist nur nachrangig abgesichert

Den Eigentümern von Anleihen steht im Insolvenzverfahren theoretisch die Rückzahlung der Schulden samt Zinsen zu. In der Regel stehen die Anleger in diesem Verfahren aber nicht an erster sondern eher an letzter Stelle. Vorrangig bedient werden aus der Insolvenzmasse zunächst erstrangige Gläubiger wie Banken und andere große Kapitalgeber. Kleinanleger haben dagegen in der Regel nur nachrangige Anleihen erworben, für deren Ansprüche am Ende häufig kein Geld mehr übrig bleibt.

Sonderfall Wirecard wegen Betrug und anderer Rechtsverstöße

Dennoch kann es sinnvoll sein, sich einer der zahlreichen Anlegerschutzklagen anzuschließen und Ansprüche anzumelden. Es sollten aber keine großen Anwaltskosten dafür aufgewendet werden, weil die Erfolgsaussichten nicht besonders hoch sind. In dem Wirecard-Skandal gab es offenbar zahlreiche Rechtsverstöße durch möglichen Betrug, falsche Informationen und Fehler von Wirtschaftsprüfern.

Wirecard-Manager und Wirtschaftsprüfer in die Pflicht nehmen

Anwälte können nun versuchen, daraus zusätzliche Ansprüche gegen Vorstände oder auch die Prüfer von EY (früher Ernst & Young) herzuleiten. Das ist jedoch juristisch schwierig und wird keinesfalls ausreichen, um alle Ansprüche damit zu befriedigen. So gilt für Wirtschaftsprüfer, dass sie pro Fall nur mit höchsten vier Millionen Euro haften. Anwälte hoffen, vielleicht mehr herauszuholen, wenn sie den Prüfern grobe Fahrlässigkeit nachweisen können. EY behauptet jedoch, man sei ebenfalls von Wirecard getäuscht worden wie alle anderen auch.

Wenig Hoffnung auf Staatshaftung durch die Aufsichtsbehörde BaFin

Bei der Finanzaufsichtsbehörde BaFin, der im Fall von Wirecard ebenfalls Versagen vorgeworfen wird, ist es per Gesetz sogar ausdrücklich ausgeschlossen, dass der Staat für ihre Fehler aufkommt. Dennoch wollen einige Anwälte auch bei der BaFin und dem Staat einen Anspruch geltend machen, falls sie grobe Pflichtverletzungen nachweisen können. Aber das dürfte juristisch noch schwieriger werden als bei den Wirtschaftsprüfern.

Was ist mit dem Privatvermögen von Vorständen und Firmengründer?

Ein zusätzlicher Weg sind Klagen gegen frühere Wirecard-Vorstände wie den Ex-Chef und Unternehmensgründer Markus Braun. Ihnen können zum einen Verstöße gegen Wertpapiergesetze vorgeworfen werden, wie Kursmanipulation oder Fehlinformation der Öffentlichkeit, für die Strafen explizit vorgesehen sind. Solche Klagen laufen bereits von Aktionärsvertretern, die eine Entschädigung für Kursverluste herausholen wollen.

Strafrechtsverstöße können weitere Ansprüche nach sich ziehen

Wenn es gegen Markus Braun und andere Vorstände zu einem Strafprozess kommt, bieten sich weitere Ansprüche an - etwa aus unerlaubter Handlung wie Betrug oder ähnlichem.

Die Staatsanwaltschaft München sammelt Beweise für gewerbsmäßigen Betrug und andere Delikte. Das Privatvermögen von Braun wurde wegen eines begründeten Anfangsverdachts bereits eingefroren. Doch damit werden im Fall einer Verurteilung zunächst Vermögensstrafen zu zahlen sein, bevor auch hier Anleger wie Aktionäre etwas abbekommen.

Hoffnung auf verschwundene Milliarden in Asien

Immer wieder ist darüber hinaus von vielen Milliarden Euro zu lesen, die Manager von Wirecard über viele Jahre in Asien und anderen Teilen der Welt hätten verschwinden lassen. Nur ist von diesem Geld bisher noch nichts wieder aufgetaucht. Sollten Fahnder tatsächlich Erfolg haben beim Aufspüren dieser Milliarden, wäre auch an eine Entschädigung von Gläubigern wie Banken oder Anleger zu denken.

Sonderfall Zertifikate und strukturierte Wertpapiere

Zahlreiche Anleger haben von Wirecard auch Zertifikate gekauft und andere strukturierte Wertpapiere wie Optionsscheine, Covered Warrants, etc. Anders als bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers stammten solche Zertifikate nicht von Wirecard selbst oder von der Wirecard Bank. Solche Papiere wurden vielmehr von anderen Banken herausgegeben.

Wer damit finanziell Schiffbruch erlitten hat, muss sich an diese Banken wenden. Ein direkter Anspruch wegen der Wirecard-Pleite besteht also nicht. Höchstens indirekt im Fall einer Falschberatung, in der nicht richtig über Risiken aufgeklärt wurde, könnte es hier Schadenersatzansprüche geben.

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