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Die Zeiten sind hart für die unterfränkische Metall- und Elektroindustrie. Wegen des großen Exportanteils ist die Branche von der Corona-Pandemie besonders betroffen.

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Unterfränkische Metall- und Elektroindustrie in der Corona-Krise

Die Zeiten sind hart für die unterfränkische Metall- und Elektroindustrie. Wegen des großen Exportanteils ist die Branche von der Corona-Pandemie besonders betroffen. Und so zeichnet die aktuelle Mitgliederumfrage der Arbeitgeber ein düsteres Bild.

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Corona habe in der Metall- und Elektrobranche "wie eine Axt zugeschlagen und die Betriebe in die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt". So drastisch beschreibt Michael Bischof vom Verband der Metall- und Elektroarbeitgeber die aktuelle Lage in Unterfranken. Am Dienstag haben die Arbeitgeberverbände bayme vbm bei einer Online-Pressekonferenz die Ergebnisse der im Juni durchgeführten Umfrage ihrer unterfränkischen Mitgliedsbetriebe präsentiert. Demnach rechnen 56 Prozent der Betriebe mit einem weiteren Stellenabbau in Unterfranken, so Ingrid Hunger, die Vorsitzende der bayme vbm in der Region Main und Spessart.

Stimmung in der Branche so schlecht wie nie

Wegen des großen Exportanteils sei die Metall- und Elektrobranche von der weltweiten Corona-Pandemie besonders stark betroffen – etwa bei Zulieferern für die Automobilindustrie oder für den Flugzeug- und Schiffsbau. Weniger als fünf Prozent der Metall- und Elektrounternehmen in Unterfranken konnten laut Michael Bischof von der Corona-Krise profitieren, etwa in der Medizintechnik oder im Bereich der Fahrrad- und Wohnmobilherstellung. "Aber der überwiegenden Zahl unserer Unternehmen geht es schlecht. Wir haben noch nie eine Mitgliederumfrage mit einer so schlechten Botschaft präsentieren müssen", so Bischof.

Forderung der Arbeitgeber: Kurzarbeiterregelung verlängern

Drei Viertel der Unternehmen würden aktuell "mit einer sehr kritischen Ertragslage" kämpfen, so Ingrid Hunger. Knapp 70 Prozent der Unternehmen mussten Investitionen stark zurückfahren. An die Adresse der Politik formulierten die Arbeitgeberverbände die Forderung, die Kurzarbeiterregelung zu verlängern. Sie rechne fest damit, so Ingrid Hunger, dass die Bundesregierung entsprechende Maßnahmen auf den Weg bringe, "damit die Betriebe ihr Fachpersonal halten" könnten.

Der Herbst könnte Erholung, aber auch Insolvenzen bringen

Für das zweite Halbjahr erhoffen sich die Arbeitgeber zwar eine leichte Erholung, sie rechnen aber nicht damit, dass der Beschäftigungsrückgang dann zu Ende sein wird. Michael Bischof geht davon aus, dass im Herbst 2020 "mit einer ganzen Reihe an Insolvenzen und dann auch Entlassungen" zu rechnen sein wird. Der gegenwärtige Arbeitsmarkt bilde die Auswirkungen der Krise derzeit nicht vollständig ab und habe "wie immer eine etwas nachhängende Entwicklung", so Bischof.

Metall- und Elektrobranche vor Tarifverhandlungen

Von den Gewerkschaften erhoffen sich die Arbeitgeber, dass sie bei den bevorstehenden Tarifverhandlungen "den Ernst der Lage auch im Blick" haben, so Ingrid Hunger. Der Tarifvertrag läuft Ende 2020 aus. In der unterfränkischen Metall- und Elektroindustrie sind derzeit etwa 84.000 Mitarbeitende an rund 360 Stadtorten beschäftigt, das entspricht etwa 12 Prozent der Gesamtzahlen der Branche in Bayern. An der aktuellen Umfrage zur wirtschaftlichen Entwicklung haben sich 54 vor allem große und mittlere Betrieb beteiligt.

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