Zurück zur Startseite
Wirtschaft
Zurück zur Startseite
Wirtschaft

Umbau der Autoindustrie trifft viele Firmen | BR24

© BR / Renate Rossberger

Nachdem bekannt wurde, dass der Reifenhersteller Continental sein Werk in Roding im Kreis Cham dicht machen will, kämpfen IG Metall und Beschäftigte gegen die Werksschließung. Auch Wirtschaftsminister Aiwanger will die Entscheidung nicht akzeptieren.

15
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Umbau der Autoindustrie trifft viele Firmen

Nicht nur bei Continental in Roding stehen Jobs auf dem Spiel. Auch andere Firmen der Auto- und Zulieferindustrie stehen vor massiven Veränderungen. Das liegt am Umbau hin zur Elektromobilität. Erschwerend kommt die schwächelnde Konjunktur hinzu.

15
Per Mail sharen
Teilen

In der deutschen Industrie läuft es so schlecht wie seit der Finanzkrise von vor zehn Jahren nicht mehr. Die Wirtschaftsforschungsinstitute gehen in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Prognose zwar davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur noch um 0,5 Prozent wachsen wird. Zudem rechnen sie nicht mit einer allgemeinen Rezession. Die Industrie aber befindet sich bereits seit eineinhalb Jahren in der Rezession. Ein Ende ist nicht absehbar. Der Maschinenbauverband VDMA erwartet, dass die Unternehmen der Branche auch 2020 weniger produzieren.

Gründe: Handelsstreit, Protektionismus, Brexit

Der Handelsstreit zwischen den USA und China und ein wachsender Protektionismus rund um den Globus gingen nicht folgenlos am Exportweltmeister vorbei. Das Münchner ifo-Institut hatte in seinem jüngsten Geschäftsklimaindex darauf hingewiesen.

"Die Industrie leidet unter der weltweiten Wirtschaftsentwicklung und den politischen Unsicherheiten wie Handelskonflikt und Brexit-Chaos." Clemens Fuest, ifo-Präsident

Zum ersten Mal seit viereinhalb Jahren sind nicht nur in der Industrie, sondern auch bei den Dienstleistern im September weniger neue Aufträge eingegangen. In der gesamten Privatwirtschaft deutet sich deshalb ein Abschwung an.

Rezession in der Automobilindustrie

Auch die Autobauer spüren die Rezession. Allerdings können sie durch verschiedene Maßnahmen die Probleme abfedern. Als erstes beenden sie Zeitarbeitsverträge. Sie fahren zum Beispiel Nachtschichten herunter. Zudem bauen die Beschäftigten ihre in der Hochphase massig angefallenen Überstunden ab. Anderen werden Angebote für Altersteilzeit oder Frührente gemacht.

Schwieriger sieht es bei Zulieferern aus: Es trifft nicht nur Continental in Roding, sondern auch Bosch in Bamberg oder ZF Friedrichshafen. Bei Bosch in Bamberg wurden die sozialverträglichen Maßnahmen bereits weitgehend ausgeschöpft. Dort werden vor allem Dieselkomponenten hergestellt. Dieselmotoren sind aber immer weniger gefragt.

Autoindustrie wappnet sich für E-Mobiltät

Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental plant den radikalen Umbau und will weltweit 20.000 Stellen streichen. Das hat aber nicht nur konjunkturelle Gründe. Der Konzern aus Hannover überlegt, den kompletten Bereich "Antriebsstrang" zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.

Das hat auch mit dem Umbau hin zur Elektromobilität zu tun. Der Elektromotor braucht weniger Komponenten als der aufwändige Dieselmotor. Alle Zulieferer, die Getriebe, Hochdruckpumpen oder Einspritzanlagen herstellen, werden dies spüren. Wie Center Automotive Research (CAR) der Uni Essen Duisburg ermittelte, werden bis 2030 in Deutschland fast 234.000 Jobs in der Automobilindustrie wegfallen. Auch wenn 109.000 hochqualifizierte Arbeitsplätze für Ingenieure oder Mechatroniker hinzukommen werden, ist doch eines klar: Der Umbau der Autoindustrie hat erst begonnen.