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Um diese Baustellen muss sich Audi-Chef Bram Schot nun kümmern | BR24

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Der Niederländer Bram Schot ist neuer Vorstandschef bei Audi. Er hatte die Geschäfte seit Juni bereits kommissarisch geführt, nachdem sein Vorgänger Rupert Stadler verhaftet worden war.

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Um diese Baustellen muss sich Audi-Chef Bram Schot nun kümmern

Bram Schot ist neuer Audi-Chef – bisher leitete er den Autobauer nur kommissarisch. Auf ihn warten gleich mehrere offene Baustellen: Zulassungsprobleme, weniger Umsatz und E-Mobilität – für diese Themen muss er nun eine Strategie finden.

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"Wie lang dauert eine "dauerhafte Lösung?" Das fragt der Bochumer Automobilexperte Ferdinand Dudenhöfer mit Blick auf den neuen Audi-Chef Bram Schot. Formal hat die Autowelt heute die Antwort bekommen: Der Audi-Aufsichtsrat räumt nun Schot die Chance ein, das Unternehmen zukunftsfest zu machen. Zu den Vertragsdetails wollte sich der Konzern allerdings gegenüber dem BR nicht äußern.

Warum fiel die Wahl auf Bram Schot?

Offensichtlich hatte Bram Schot seit Juli die Erwartungen erfüllt, die an ihn gestellt wurden. Erst seit September 2017 im Audi-Vorstand, musste er von einem Tag auf den anderen die Führung übernehmen. Dies war nötig geworden, weil Vorgänger Rupert Stadler im Zuge der Dieselaffäre in Untersuchungshaft kam.

Schots Krisenmanagement scheint angekommen zu sein bei der Konzernmutter VW, den dahinter stehenden Eigentümerfamilien Porsche und Piech, aber auch bei den Arbeitnehmervertretern. Nachgesagt wird Schot ein ruhiges, analytisches Wesen, auch dass er zuhören kann - Eigenschaften, die sicher hilfreich waren und sind.

Welche Herausforderungen liegen vor Audi?

Dieselkrise, neue Abgasstandards, unbefriedigendes Chinageschäft und dann noch sinkende Verkaufszahlen und ein drohender weltweiter Handelskrieg - damit haben Autobauer zur Zeit zwar überall zu kämpfen. Aber bei Audi kam alles auf einmal. All diese "Baustellen" müssen nun mit einer mittel- bis langfristigen Strategie bearbeitet werden.

Damit das gelingt, braucht Audi ein Führungsteam, das auf auf Dauer angelegt ist und dem Eigentümer und Mitarbeiter gerne folgen. Genau daran mangelte es in der Vergangenheit: Allein in den vergangenen sechs Jahren wurde der wichtige Posten des Entwicklungsvorstands sechs Mal neu besetzt.

Herausforderung 1: Dieselskandal - Schlussstrich oder Schrecken ohne Ende?

Audi hat im Oktober einen Bußgeldbescheid der Staatsanwaltschaft München II über 800 Millionen Euro akzeptiert, eine Folge der Manipulation von Audi-Fahrzeugen mit V6- und V8-Dieselaggregaten. Doch weil dies nur einen Bruchteil der weltweit betroffenen Audi-Fahrzeuge abdecken soll, laufen die Ermittlungen gegen die Beschuldigten des Dieselskandals weiter. Die Staatsanwaltschaft wirft Ex-Chef Rupert Stadler vor, bereits seit 2015 von den Manipulationen gewusst und Zeugen beeinflusst zu haben.

Was immer in diesem Zusammenhang noch geschieht: Die neue Audi-Führungsmannschaft um Bram Schot muss unbelastet und mit lupenreiner Weste an die Arbeit gehen können. Und erhebliche Rückstellungen sind nötig, um mögliche finanzielle Lasten der Dieselaffäre schultern zu können. Es geht um beachtliche Summen, erst im Sommer akzeptierte Konzernmutter VW ein Bußgeld über eine Milliarde Euro.

Herausforderung 2: Motorumrüstung auf neuen Verbrauchsstandard WLTP

Wie viel verbraucht mein Fahrzeug? Dafür schreibt der Gesetzgeber seit dem 1. September 2017 ein neues, europaweites Testverfahren vor. Aus Verbrauchersicht eine gute Sache, denn das neue Verfahren zur Messung von Kraftstoffverbrauch und CO2-Emission orientiert sich näher am alltäglichen Fahrverhalten.

Wie alle Autobauer muss auch Audi bis spätestens 1. September 2019 für alle neu zugelassenen Pkw im sogenannten WLTP-Verfahren gemessene Abgas- und Verbrauchswerte vorlegen. Und genau da hinken die Ingolstädter der Konkurrenz hinterher. Kein Wunder, denn das nötige Fachpersonal und die Teststände waren wegen der Dieselaffäre belegt und haben die WLTP-Zertifizierungen verschleppt.

Deshalb hat der neue Audi-Vorstand hier in den kommenden Monaten eine höchst anspruchsvolle Aufgabe zu stemmen: Bei hohem Tempo technisch einwandfreie Ergebnisse liefern.

Herausforderung 3: Wie geht es weiter auf den weltweiten Märkten ?

Das China-Geschäft hat sich bei Audi in den vergangenen Jahren vom Wunder- zum Sorgenkind entwickelt. Dabei hat Audi nicht die chinesischen Käufer, sondern die großen Händler verprellt. Durch den Aufbau zweier voneinander unabhängiger Vertriebsorganisationen litt der Vertrieb erheblich. Wettbewerber wie Mercedes-Benz nutzten diese Schwäche. Nicht nur die Fachwelt wartet gespannt auf neue Modelle für den chinesischen Markt, die im April 2019 auf der Shanghai Autoaustellung vorgestellt werden sollen.

Auch die US-Handelspolitik sorgt für Unsicherheit bei den Ingolstädtern, denn anders als etwa BMW hat Audi keine eigene Fertigung in den USA. US-Strafzölle würden also Audi-Modelle zwangsläufig teurer und damit schwerer verkaufbar machen.

Herausforderung 4: Wie wird Audi "elektrischer"?

Egal welche Detailantworten Schot künftig geben wird, eine starke Elektro-Strategie wird sicher ein ganz wichtiger Baustein sein. Der 600-PS starke Elektrosportwagen E-Tron GT wurde von AUDI erst kürzlich auf der Auto Show in Los Angeles vorgestellt. Der futuristische Flitzer teilt sich die Plattform mit dem Porsche Taycan. Die Konzernschwester Porsche treibt bereits seit 2017 ihre Elektrostrategie voran.

Wie geht es weiter im Audi-Personalkarussell?

Bram Schot ist kein Techniker, sondern gelernter Verkäufer. Vor seiner AUDI-Zeit war er Vertriebschef bei VW-Nutzfahrzeugen.

Audi-Aufsichtsratchef Herbert Diess hatte daher zunächst den BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann abgeworben. Doch der kann - wenn er dann noch kommen soll oder will - wegen einer Wettbewerbssperre erst Ende 2020 bei Audi anfangen.

Im VW-Konzern war der größte Fehler, zu lange an Rupert Stadler festzuhalten, anstatt rechtzeitig ein neues Team zu bilden." Prof. Ferdinand Dudenhöfer

Welchen Stellenwert der neue Audi-Chef erarbeitet, bleibt abzuwarten. Ein prominenter Posten bleibt ihm jedenfalls zunächst offenbar verwehrt. Aufsichtsratschef Diess soll laut Handelsblatt in den Aufsichtsrat des FC Bayern München einziehen, dessen Hauptsponsor AUDI (noch) ist.