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Corona-Folgen: Tui streicht 8.000 Stellen | BR24

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Durch die Corona-Krise festgesetzte Flugzeuge des Reiseveranstalters Tui

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Corona-Folgen: Tui streicht 8.000 Stellen

Der Reisekonzern Tui will wegen des Geschäftseinbruchs durch die Corona-Pandemie rund 8.000 Arbeitsplätze abbauen. Das ist etwa jede zehnte Stelle weltweit. Das Sommerprogramm ist bislang nur zu 35 Prozent ausgebucht.

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Von
  • Felix Lincke
  • BR24 Redaktion

Den Reisekonzern Tui trifft die Corona-Krise und die damit verbundenen Reiseverbote und Einschränkungen hart. Das Hannoveraner Unternehmen greift deshalb durch. 8.000 Stellen werden abgebaut, wie der Konzern bei der Vorlage der Zahlen für das abgelaufene erste Geschäftshalbjahr bekannt gab.

Jede zehnte Stelle bei Tui wegen Corona gestrichen

Damit soll etwa jede zehnte der mehr als 70.000 Stellen weltweit wegfallen. Die Verwaltungskosten sollen um 30 Prozent sinken, Investitionen zurückgefahren werden. Tui sicherte sich in Deutschland einen staatlich garantierten Überbrückungskredit von 1,8 Milliarden Euro. Aktuell verfüge das Unternehmen über 2,1 Milliarden Euro liquider Mittel.

"Wir werden eine andere Tui sein und ein anderes Marktumfeld vorfinden als vor der Pandemie. Das macht Einschnitte erforderlich." Tui-Chef Fritz Joussen

Auf das Sommergeschäft kommt es an

Von Oktober bis März war das bereinigte Ergebnis von Tui vor Zinsen und Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 175 Prozent auf minus 828,7 Millionen Euro abgerutscht. Verluste in dieser Zeit sind in der Branche an sich typisch, die Unternehmen verdienen das meiste Geld im Sommer. Dieser bringt im laufenden Jahr aber besondere Probleme: Im März musste Tui sein Programm zunächst einstellen, weltweit gibt es weiter Reisebeschränkungen, das Sommerprogramm ist nur zu 35 Prozent ausgebucht.

Joussen geht aber von einer Erholung aus: "Sommerurlaub in Europa kann jetzt schrittweise wieder möglich gemacht werden - verantwortungsvoll und mit klaren Regeln. Die Saison startet später, könnte dafür aber länger dauern." Die Wiederaufnahme des Geschäfts werde vorbereitet. Eine genauere Prognose traut sich der Konzern nicht zu.

Milliardenkredit der Bundesregierung

Die Bundesregierung ist mit ihrem KfW-Kredit über 1,8 Milliarden Euro bei Tui ein hohes Risiko eingegangen. Zunächst bis Mitte Juni muss der Reisekonzern aus Hannover fast alle Aktivitäten einstellen und sich dann schnell wieder erholen.

Weitere Milliarde Euro für Tui notwendig?

Analysten der Investmentbank Morgan Stanley rechnen bereits damit, dass Tui einen zusätzlichen Kapitalbedarf von einer Milliarde Euro hat, die wohl erneut nur vom Staat kommen könnte. Besonders viel Geld droht Tui mit den vorher so erfolgreichen Kreuzfahrtschiffen zu verlieren. Mit ihren festgesetzten Passagieren sind sie zum Symbol für die Corona-Krise geworden.

Gebremste Reiselust der Deutschen

McKinsey und andere Beratungsfirmen haben Touristen befragt, ob sie trotz Corona verreisen wollen. Viele wollen nicht gleich wieder losfahren, wenn Lockerungen für die internationale Reisebranche im Sommer in Kraft treten. Sobald es zu einer zweiten Pandemiewelle kommt, wären die Buchungen erneut hinfällig. Es könnte sich rächen, dass Veranstalter die Verbraucher mit Gutscheinen abspeisen wollten und dabei möglicherweise Vertrauen verspielt haben.

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Die Touristik-Branche leidet besonders unter der Corona-Krise. Der Reisekonzern TUI will weltweit rund 8.000 Arbeitsplätze streichen.