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Türkischer Zentralbankchef abgesetzt | BR24

© dpa/Gokhan Balci

Murat Cetinkaya

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    Türkischer Zentralbankchef abgesetzt

    Der Chef der türkischen Zentralbank Murat Cetinkaya ist entlassen worden. Ein Grund wurde offiziell nicht genannt. Präsident Erdogan hatte immer wieder Zinssenkungen von der Zentralbank gefordert, Cetinkaya lehnte dies ab.

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    Der türkische Zentralbankchef Murat Cetinkaya ist nach offiziellen Angaben seines Postens enthoben worden. Nachfolger sei sein bisheriger Stellvertreter Murat Uysal, heißt es in einem präsidialen Dekret, das im Amtsblatt veröffentlicht wurde. Ein Grund für die Abberufung wurde darin nicht genannt.

    Erdogan forderte Zinssenkungen

    Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte immer wieder Zinssenkungen von der Zentralbank gefordert, um die türkische Wirtschaft anzukurbeln. Er bezeichnete hohe Leitzinsen einst als "Mutter allen Übels". Doch Cetinkaya hatte auf die Unabhängigkeit der Zentralbank verwiesen. Diese Differenzen hätten sich in den vergangenen Wochen verschärft, hieß es in Regierungskreisen. "Der Präsident und der Finanzminister haben seinen Rücktritt gefordert", so ein Insider.

    Die Währungshüter hatten im vergangenen September die Leitzinsen auf 24 Prozent angehoben, um dem dramatischen Einbruch der Währung und dem Anstieg der Inflation zu begegnen. Die Zentralbank teilte mit, sie werde weiter unabhängig handeln. Der neue Notenbankchef sehe die Preisstabilität als das wichtigste Ziel an.

    CHP: Regierung nimmt Notenbank als Geisel

    Die Opposition warf der Regierung vor, die Notenbank als Geisel zu nehmen. "Die, die den Zentralbankchef über Nacht abgesetzt haben, haben das Recht verloren, Vertrauen in die Wirtschaft des Landes zu fordern", sagte Faik Öztrak, Sprecher der Oppositionspartei CHP.

    Regierung setzt auf Megaprojekte

    Das Wirtschaftsmodell der AKP-Regierung setzt vor allem auf dem Ausbau der Infrastruktur. Großprojekte wie die dritte Bosporus-Brücke in Istanbul oder der neue Istanbuler Flughafen haben Unsummen verschlungen, doch ist unklar, ob sie sich wirtschaftlich jemals auszahlen. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte im ersten Quartal auf Jahressicht um 2,6 Prozent. Der Konjunktur setzten abermals der Verfall der Landeswährung Lira, die hohe Inflation sowie eine Flaute in der Baubranche und der Industrie zu. Im Juni lag die Teuerung bei 15,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Mai hatte sie bei 18,7 Prozent gelegen.