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Trotz Stadler-Anklage: Autoexperte sieht Chance für Audi | BR24

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Die Staatsanwaltschaft München will den früheren Audi-Chef Rupert Stadler vor Gericht stellen.

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Trotz Stadler-Anklage: Autoexperte sieht Chance für Audi

Die Staatsanwaltschaft München hat in der Dieselaffäre Anklage gegen den Ex-Audi-Chef Stadler und drei weitere Beschuldigte erhoben. Autoexperte Dudenhöffer erklärte, Audi habe nun aber auch die Chance, sich zu "berappeln und nach vorne zu schauen".

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Die Vorwürfe gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler und drei weitere Beschuldigte wiegen schwer: Ihnen wird Betrug, mittelbare Falschbeurkundung und strafbare Werbung vorgeworfen. Die jetzige Anklage kommt aber auch nicht überraschend. Seit langer Zeit ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen zahlreiche aktive und frühere Mitarbeiter der VW-Tochter. Es gab Durchsuchungen und etliche Vernehmungen und gipfelte 2018 in der Festnahme des damals noch amtierenden Audi-Chefs Stadler wegen Verdunklungsgefahr.

Dieselskandal: Anklage gegen Ex-Audi-Chef Stadler

Monatelang saß der Topmanager in Untersuchungshaft. Die Pressesprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft in München, Andrea Mayer, erklärte nun: "Rupert Stadler wird vorgeworfen, dass er ab September 2015 von den Manipulationen gewusst hat und veranlasst hat, dass weiter Fahrzeuge mit entsprechenden Motoren verkauft werden bzw. dass er nicht unterbunden hat, dass sie verkauft werden." Außerdem sei mit geschönten Abgaswerten geworben worden. "Und man hat weiter veranlasst, dass bei den Behörden entsprechende Typengenehmigungen erteilt werden mit den falschen Informationen."

Audi will "voll umfänglich" mit den Behörden kooperieren

Die drei weiteren Beschuldigten sind Motorenentwickler, die die Software der betroffenen Fahrzeuge entwickelt haben sollen. Zwei der Ingenieure sind nicht mehr bei Audi, wie das Unternehmen mitteilte. Einer jedoch arbeitet nach wie vor für die VW-Tochter. Der Autohersteller versprach erneut, voll umfänglich mit den Behörden zu kooperieren. Der Leiter des sogenannten Reputationsmanagements bei Audi, Richard Tigges, wies zudem in einer Stellungnahme daraufhin, dass nach wie vor die Unschuldsvermutung für die Beschuldigten gilt.

"Gleichzeitig liegt es im Interesse aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aller Anteilseigner, ja des gesamten Unternehmens. Die Sachverhalte, die zur Dieselkrise geführt haben müssen juristisch aufgeklärt werden. Die Akteure müssen identifiziert werden. Und dort wo Fehlverhalten festgestellt wird, muss dieses sanktioniert werden. Diese Aufklärung ist eine Voraussetzung für den Neustart von Audi. Wir haben aus der Vergangenheit gelernt und nutzen sie als Chance." Richard Tigges, Leiter des sogenannten Reputationsmanagements bei Audi

Stadler beteuerte stets seine Unschuld

Stadler selbst hat immer seine Unschuld beteuert. Auch er sprach von "voll umfänglicher Kooperation" mit den ermittelnden Behörden. Während die Ermittlungsbehörden Büroräume des Herstellers wegen des Abgasskandals durchsuchten, erklärte Stadler zeitgleich bei der Bilanzpressekonferenz 2017: "Ich selbst habe größtes Interesse an der Aufklärung des Sachverhalts und es ist ganz klar, dass wir voll umfänglich mit den Behörden kooperieren."

Gericht muss nun über Zulassung der Anklage entscheiden

Doch die Münchner Staatsanwaltschaft schien da ihre Zweifel zu haben. Sie ließ Stadlers Telefon anzapfen. Während eines Gesprächs soll er sich für die Beurlaubung eines mit dem Fall betroffenen Mitarbeiters ausgesprochen haben. Stadler wurde daraufhin wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen. Als damals noch amtierender Audi-Chef saß er danach monatelang in Untersuchungshaft. Seit seiner Entlassung im vergangenen Jahr hat er sich öffentlich nicht mehr geäußert. Noch ist auch unklar, ob die jetzige Anklage der Münchner Staatsanwaltschaft gegen ihn und die weiteren Beschuldigten zugelassen wird.

"Ob es zum Prozess kommt oder nicht, das können wir nicht sagen. Das Ganze ist jetzt bei Gericht. Die Anklage muss zugestellt werden an die Verteidiger. Die haben jetzt Möglichkeit Stellung zu nehmen und dann muss das Gericht über die Eröffnung der Hauptverhandlung entscheiden." Andrea Mayer, Staatsanwaltschaft München II

Aus diesem Grund wollte die Staatsanwaltschaft auch noch nicht über ein mögliches Strafmaß spekulieren. Im schlimmsten Fall drohen Stadler und den anderen Beschuldigten bei einer Verurteilung wegen Betrugs langjährige Haftstrafen.

Autoexperte Dudenhöffer sieht neue Chance für Audi

Das Unternehmen Audi selbst hat nach Ansicht von Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer wenig zu befürchten. Schließlich hat Audi bereits 800 Millionen Euro Strafe gezahlt. Die juristischen Auseinandersetzungen sieht Dudenhöffer daher als beendet an.

Den neuen Vorstandsvorsitzenden Bram Schot nennt der Autoexperte einen, "der mutig nach vorne geht". Jetzt könne sich Audi wieder "berappeln und nach vorne schauen", so Dudenhöffer im BR-Interview.

Wer wusste noch Bescheid?

Für die ehemaligen Manager und möglicherweise für Großaktionäre könnte ein Gerichtsverfahren allerdings unangenehm werden, sagt der Automobilexperte. Ein Verfahren könne dazu Beitragen mehr Licht in die Vorgänge zu bringen und feststellen, ob nicht noch mehr Leute früher über das Dieselgate Bescheid wussten. Dudenhöffer verweist dabei auch auf die enge Beziehung Stadlers zum Ex-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und den früheren Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Auffallend sei, dass die VW-Eigentümerfamilien Piëch und Porsche – die über die Stuttgarter Porsche SE am Volkswagenkonzern mehrheitlich beteiligt sind – so lange an Stadler festhielten.

"Rupert Stadler war schon immer sehr intim mit der Familie und mit Herrn Piëch und man hat sich von außen immer gefragt, warum die Familie so lang an Stadler festgehalten hat, obwohl viele Indizien dafür gesprochen haben, dass er offensichtlich in die Dinge verstrickt war. Das heißt: Man hätte vermuten können, dass man möglicherweise Dinge schützen will, damit sie nicht unangenehm für andere Personen werden können." Fedinand Dudenhöffer, Autoexperte

Wer haftet für den wirtschaftlichen Schaden?

Am Ende werde sich dann auch die Frage stellen, inwieweit der VW-Konzern frühere Manager und Aufsichtsräte für die Verluste durch den Dieselskandal haftbar machen kann. Der VW-Konzern spricht bei den Kosten für den Dieselskandal von 30 Milliarden Euro. Dudenhöffer schätzt den wirtschaftlichen Schaden allerdings weit höher ein. "Der Imageverlust kommt hinzu, die schlechten Verkäufe, das Management musste permanent ausgewechselt werden. Also der wirtschaftliche Schaden ist für Audi und VW höher als 30 Milliarden Euro", so Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer.

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BR-Reporter Arne Meyer-Fünffinger zu der Anklage gegen Ex-Audi-Chef