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Fall Wirecard: Gläubiger fordern 12,5 Milliarden Euro | BR24

© dpa-Bildfunk

Wirecard-Gläubigerversammlung beginnt in München

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    Fall Wirecard: Gläubiger fordern 12,5 Milliarden Euro

    Vor knapp fünf Monaten ist der mutmaßliche Milliardenbetrug bei Wirecard aufgeflogen. Der ehemalige Dax-Konzern ging pleite und hat mehr als drei Milliarden Euro Schulden hinterlassen. Nun steht fest, wie hoch die Forderungen der Gläubiger sind.

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    Bereits ab sieben Uhr morgens haben sich die Gläubiger des Zahlungsdienstleisters Wirecard vor dem Löwenbräukeller in München eingefunden. Knapp fünf Monate nach dem Auffliegen des mutmaßlichen Milliardenbetrugs bei dem ehemaligen Dax-Konzern hat Insolvenzverwalter Michael Jaffé den Gläubigern sein weiteres Vorgehen erläutert.

    Anders als erwartet waren kaum frühere Kleinaktionäre dabei. "Es wurde ja eigentlich abschreckend geworben: Bitte kommt nicht, wegen Corona, damit die Sitzung überhaupt stattfinden kann“, sagt Rechtsanwältin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW. Sie vertritt mehr als 15.000 Geschädigte, darunter sind Studenten und Rentner, aber auch größere Investoren aus Asien.

    Zur Mittagszeit war dann auch schon wieder alles vorbei: Das zuständige Amtsgericht München hat erklärt, dass 74 Personen anwesend waren, diese hätten 11.500 Gläubiger vertreten. Insgesamt seien Forderungen über knapp 12,5 Milliarden Euro angemeldet worden.

    Insolvenzverwalter konnte bereits 500 Millionen Euro retten

    Der Münchener Rechtsanwalt Peter Mattil hat schon viele Insolvenzverfahren begleitet. Positiv überrascht hat ihn, dass Insolvenzverwalter Jaffé bereits mehr als 500 Millionen Euro durch den Verkauf diverser Firmenteile erlösen konnte.

    Erst am Montagabend wurde der Verkauf des Wirecard-Kerngeschäfts an die spanische Großbank Santander gemeldet. Mattil blicke gar nicht so skeptisch auf die kommenden Monate, auch wenn noch vieles geklärt werden müsse.

    "Ich habe Verfahren erlebt mit 14, mit 18, sogar mit 20 Jahren. Aber wenn ein Vermögen da ist, das auf die Gläubiger verteilt werden kann, das kann schon nach zwei oder drei Jahren passieren", so Mattil. Die Hauptfrage der Gläubiger: Mit wie viel Geld können sie rechnen? "Wir werden Milliarden an Forderungen haben, und die Quote kann man heute schwer einschätzen", sagte Mattil dazu.

    Eher geringe Chancen für geprellte Aktionäre

    Forderungen anmelden konnten auch Aktionäre, die Verluste mit Wirecard-Aktien erlitten haben. Allerdings rangieren bei Pleiten von Aktiengesellschaften die Aktionäre mit ihren Ansprüchen weit hinten.

    Doch Rechtanwalt Mattil und auch Daniela Bergdolt von der DSW widersprechen der weit verbreiteten Auffassung, dass Aktionäre, im Vergleich etwa zu beteiligten Banken, bei solchen Verfahren immer benachteiligt seien. "Die Aktionäre melden hier ja nicht ihre Eigentumsposition an. Sie melden ihren Schadensersatzanspruch an." Deshalb gehe sie davon aus, dass etwas übrig bleibe für die Geschädigten.

    Scheingeschäfte in Höhe von 1,9 Milliarden Euro

    Wirecard hatte vor dem Insolvenzantrag im Juni Scheingeschäfte mit erfundenen Buchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Der Schaden für Banken und Investoren ist nach Berechnungen der Münchner Staatsanwaltschaft jedoch noch weitaus höher: Mutmaßlich sind über drei Milliarden Euro verloren. Dass Insolvenzverwalter Jaffé die verlorenen Milliarden in Gänze wieder hereinholen kann, gilt als quasi ausgeschlossen.

    Da neben der Wirecard Muttergesellschaft auch sechs Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet haben, hat das Amtsgericht insgesamt sieben Gläubigerversammlungen angesetzt, die zwei Tage lang dauern sollen. Den Auftakt macht der Termin für die Muttergesellschaft Wirecard AG.

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