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Tourismus: Deutsche trotz Klimadebatte im Fernweh-Fieber | BR24

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Australien, Mexiko oder Südostasien - trotz Diskussion um den Klimawandel waren die Deutschen 2019 im Fernweh-Fieber und buchten eifrig Schiffs- und Flugreisen. Das zeigen offizielle Zahlen des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft.

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Tourismus: Deutsche trotz Klimadebatte im Fernweh-Fieber

Australien, Mexiko oder Südostasien – trotz Diskussion um den Klimawandel waren die Deutschen 2019 im Fernweh-Fieber und buchten eifrig Schiffs- und Flugreisen. Das zeigen offizielle Zahlen des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft.

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Laut Tourismusindex des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft verzeichnet die Branche ein Umsatzplus von neun Prozent bei Schiffsreisen und vier Prozent bei Fernreisen. Trotz der Fridays-for-Future-Proteste läuft das Reisegeschäft prächtig.

Flugscham? Was ist das?

Keine Spur von der sogenannten Flugscham, also dem schlechten Gewissen bei Flugreisen, sagt auch Jürgen Schmude, Professor für Tourismusforschung an der Münchner LMU-Universität:

"Es geht weiterhin überwiegend mit dem Flugzeug in den Haupturlaub. Auch bei den Kurzreisen spielt das Flugzeug eine wichtige Rolle. Dafür sind nicht zuletzt auch die Low Cost Carrier verantwortlich." Jürgen Schmude, Tourismusforscher

Wellness-Urlaube und Kurztrips im Trend

Besonders beliebt sind Kurztrips in andere europäische Metropolen. Hoch im Kurs standen außerdem weiter Wellness-Urlaube und mehrtägige sogenannte Eventreisen, etwa zu Konzerten, Musicals oder Freizeitparks. Zurückgegangen sind dagegen innerdeutsche Tagesreisen.

Hier könnte es einen kleinen Trend geben: Bei Besuchsfahrten ist laut dem Bundesverband das Auto als Verkehrsmittel um sieben Prozent weniger genutzt worden, während die Bahn um zwei Prozent zugelegt hat. Das gilt jedoch nicht für alle Strecken, sagt Tourismusforscher Schmude:

"Zwischen München und Berlin, wo es mittlerweile eine gute schnelle Zugverbindung gibt, hat das Volumen an Flügen trotzdem nicht abgenommen." Jürgen Schmude, Tourismusforscher

Türkei boomt wieder als Sommerziel

40 Prozent aller Reisen der Deutschen sind Pauschalreisen. Darauf spezialisiert hat sich der Tourismus in der Türkei, der dieses Jahr zu alter Stärke zurückfand: 25 Prozent mehr Buchungen online oder im Reisebüro – nach Spanien ist das Land wieder auf Platz zwei der Sommerziele. In manchen Statistiken landet allerdings Italien auf dem zweiten Platz, was damit zusammenhängt, dass viele Reisende ohne Pauschalbuchung über die Alpen fahren und somit nicht in die Statistik der Reisebüros einfließen.

2020: voraussichtlich weiter hohe Nachfrage

Auch für das kommende Jahr rechnen die Reiseveranstalter mit einem hohen Umsatz: Stand jetzt planten die Deutschen 0,5 Reisetage mehr ein, so der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft. Auch Tourismusforscher Schmude kann derzeit nicht erkennen, dass die Deutschen wegen dem Klimawandel weniger reisen werden. Jedoch könnte es sein, dass mehr Reisende bei der Buchung für die Kompensation von CO2 zusätzlich zahlen.