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Kampf ums Überleben - Tierheime vor der Pleite | BR24

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Die Tierheime sind überlastet und leiden unter chronischer Geldnot: Rund zwei Drittel der bayerischen Heime stehen kurz vor der Pleite. 25 Jahre lang hat Bayern als einziges Bundesland kein Geld für Tierheime gegeben, was sich jetzt aber ändern soll.

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Kampf ums Überleben - Tierheime vor der Pleite

Tierheimen in Bayern fehlt es am Mindesten, um Kosten für Personal und Infrastruktur zu stemmen. Vom Freistaat kommt zu wenig, meinen Tierschützer. Auch Kommunen scheinen nur langsam zu reagieren. Für manches Tierheim ist das zu langsam.

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Morgens im Tierheim Waldkraiburg in Oberbayern. Hier kommen auf rund 70 Tiere insgesamt vier Pfleger. Sie verdienen gerade mal den gesetzlichen Mindestlohn. Auch Manuela Gyimes hilft jeden Tag mit. Als Vorsitzende des Tierheims arbeitet die Immobilienmaklerin ehrenamtlich. Die Anlage ist 40 Jahre alt und in einem äußerst desolaten Zustand.

"Das Haus ist einsturzgefährdet. Es ist alles marode. Die Ausläufe sind viel zu klein. Auch im Katzenbereich ist alles eng und klein. Wir haben keine Ausweichmöglichkeiten - deswegen müssen wir dringend da raus." Manuela Gyimes, Vorsitzende Tierheim Waldkraiburg

Tierschutzbund bemängelt: zu wenig Geld vom Freistaat

Zwei Millionen Euro will der Freistaat Bayern nun für die Tierheime zur Verfügung stellen - doch das reicht bei weitem nicht, sagt Nicole Brühl, Landesverbands-Präsidentin für Bayern im Deutschen Tierschutzbund.

"Wir haben einen Investitionsbedarf in Tierheimen für bauliche Maßnahmen von über 60 Millionen Euro. Spenden sind rückläufig, Zinsen gibt es nicht mehr so wie früher. Es hängen da Arbeitsplätze dran." Nicole Brühl, Deutscher Tierschutzbund, Präsidentin des Landesverbands Bayern

Die Baukosten müssen mit Spenden finanziert werden

Das Tierheim Waldkraiburg könnte für seinen dringend benötigten Neubau eine Finanzspritze vom Land gut gebrauchen; es hat sich schon darum beworben. Gut 13.000 Euro braucht der Betrieb monatlich. Für Löhne, Strom, Futter und ärztliche Versorgung. Bald sollen die Bauarbeiten für den Standort beginnen.

180.000 Euro hat das 2,5 Hektor große Areal gekostet - bezahlt durch eine Erbschaft und einen Zuschuss von der Stadt. Die Baukosten werden voraussichtlich rund 1,5 Millionen Euro betragen und müssen durch Spenden finanziert werden. Die erste Sachspende ist bereits angekommen - von einem befreundeten Tierschutzverein, der gerade pleite gegangen ist.

"Da haben wir einige Zwingeranlagen bekommen mit Hundehütten und die Zäune für die Ausläufe. Das ist für uns natürlich eine einmalige Gelegenheit, weil die Sachen richtig Geld kosten." Manuela Gyimes, Vorsitzende Tierheim Waldkraiburg

Zwei Drittel aller bayerischen Tierheime vor dem Aus

Geldprobleme hat auch das Tierheim Amberg in der Oberpfalz. Stefan ist als einer von neun Tierpflegern hier. Sie alle wissen nicht, wie lange sie ihren Arbeitsplatz noch behalten werden. Wie rund zwei Drittel aller bayerischen Tierheime kämpft auch dieses Haus seit Jahren ums Überleben.

Etwa 70 Prozent der Heimtiere sind Fundtiere. Für sie zahlen Stadt und Gemeinden eine Pauschale. Das deckt die Kosten aber nicht. Die Folge: chronische Geldnot.

Für Rücklagen bleibt den Tierheimen keine Luft mehr

Zusammen mit Mitgliedsbeiträgen, Vermittlungsgebühren und Spenden reicht die Pauschale nicht mal für den laufenden Betrieb. Für Rücklagen bleibe da keine Luft mehr, so fehle es an Geld für Sonderausgaben - wie etwa Baumaßnahmen.

"Wir wissen oft nicht: Überstehen wir dieses Jahr oder müssen wir zum Insolvenzgericht gehen und einen Insolvenzantrag stellen." Sabine Falk, Vorsitzende Tierheim Amberg

Die Verhandlungen mit der Kommune laufen zäh, die Fronten sind seit Jahren verhärtet - besonders was eine Investition für das Tierheim anbelangt. Immerhin: Bald könnte Geld für neue Hunde-Zwinger da sein.

Facebook-Aufruf für Mäuse löst Spendenflut aus

Bislang kam dem Tierheim in Amberg nur der Zufall zu Hilfe. Vor zwei Jahren strandeten tausende Mäuse aus einem illegalen Tiertransport im Tierheim. Das hat eine Spendenflut aus ganz Europa ausgelöst. Geholfen hat ein Facebook-Aufruf.

"Knappe 30.000 Euro haben wir in dem Monat an Spenden aus ganz Europa bekommen. Die Mäuse waren unser Schicksal, sonst wären wir 2017 Pleite gegangen." Sabine Falk, Vorsitzende Tierheim Amberg

2018 hat das Amberger Tierheim dann eine kleine Erbschaft gerettet. Ob es auch dieses Jahr überstehen wird, ist ungewiss.