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Tierpark-Check – Wie gut sind die Zoos in Bayern? | BR24

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Der Augsburger Zoo, der Tierpark Hellabrunn in München und der Tiergarten in Nürnberg sind die drei Tierparks mit den höchsten Besucherzahlen in Bayern. Jeder hat seine Besonderheiten. Welcher hat am meisten zu bieten? Wie steht es um das Tierwohl?

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Tierpark-Check – Wie gut sind die Zoos in Bayern?

Der Augsburger Zoo, der Tierpark Hellabrunn in München und der Tiergarten in Nürnberg sind die drei Tierparks mit den höchsten Besucherzahlen in Bayern. Jeder hat seine Besonderheiten. Welcher hat am meisten zu bieten? Wie steht es um das Tierwohl?

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Die Augsburger sind stolz auf ihre Elefanten und Nashörner. Nürnberg gehört zu den ganz wenigen Zoos mit Delphinen. Und in München geht man mit dem nagelneuen Mühlendorf und der Polarwelt neue Wege. Doch welcher Tierpark kann am meisten punkten? mehr/wert macht den Check. Die Kriterien: Preise, Attraktionen, Tierwohl und Lerneffekt.

Teure Tickets für besondere Tiererlebnisse

Los geht der Tierpark-Besuch an der Kasse. Schnell wird klar: Ganz billig ist ein Tag im Zoo nicht. Eine Familie mit zwei Kindern zahlt in Augsburg 33 Euro. So viel kostet der Eintritt auch in München. Der Tiergarten in Nürnberg ist etwas teurer. Die Familienkarte kostet hier 37 Euro. Beim Preis schneiden also München und Augsburg etwas besser ab und bekommen jeweils drei Punkte, Nürnberg zwei.

Doch wichtig ist ja, was man für sein Geld geboten bekommt. Da hat Nürnberg in Bayern etwas Einmaliges: die Delphin-Lagune. In ganz Deutschland gibt es nur zwei Zoos mit diesen beliebten Meeressäugetieren.

Tropen, Polarwelt und heimische Artenvielfalt

Doch nicht nur die Delphine ziehen jedes Jahr Hunderttausende Besucher an. Der stellvertretende Tierparkdirektor Helmut Mägdefrau zeigt uns das Manatihaus. Hier herrscht tropisches Klima wie am Amazonas - passend dazu die Manatis (Seekühe) und auch die Weißgesichtssakis, die man hier ohne Barrieren kennenlernen kann.

Deutlich kühler bevorzugen es die Bewohner der Münchner Polarwelt. Das Gelände für Eisbären, Seelöwen und Co. wurde erst vor zwei Jahren komplett neu gestaltet. Doch der ganze Stolz von Tierparkdirektor Rasem Baban ist das neueröffnete Mühlendorf, in dem den Stadtbewohnern die heimische Artenvielfalt gezeigt wird. "Ganz viele Besucher wissen gar nicht, dass es in Bayern zum Beispiel eine Sumpfschildkröte gibt", sagt Rasem Baban.

Kriterium Zoo-Attraktionen - Experte sieht München auf Platz eins

Etwas größer sind die Publikumslieblinge Targa und Burma im Augsburger Zoo. Doch nicht nur die Elefanten sind bei den Kindern beliebt.

"Wenn am Frühstückstisch entschieden wird, gehen wir heute in den Zoo, dann sagen die Kinder: Wir wollen die Elefanten sehen. Wenn sie dann aber rausgehen und man fragt sie, was war das Tollste, dann sagen sie: die Erdmännchen oder die Kattas." Barbara Jantschke, Zoo Augsburg

Und welcher Tierpark liegt bei den Attraktionen nun vorne? Dabei hilft uns Anthony Sharidan. Der weltweit anerkannte Zooexperte gibt regelmäßig ein Ranking der besten Zoos Europas heraus. Darin liegt im Bayern-Vergleich München Hellabrunn an erster Stelle - gefolgt von Nürnberg. Augsburg liegt in der Kategorie der etwas kleineren Tierparks im Mittelfeld.

Und so gehen bei den Attraktionen drei Punkte nach München, zwei nach Nürnberg und einer nach Augsburg.

Tierwohl: Delphin-Haltung bleibt umstritten

Noch wichtiger als Attraktionen ist heutzutage das Tierwohl. Und da hat sich in den Tierparks viel getan. In den 1950er Jahren wurden Elefanten noch angekettet gehalten und lebten auf engstem Raum. Dagegen wird die neue Elefantenanlage in Augsburg über 5.000 Quadratmeter Fläche haben - mit Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere.

In Sachen Tierwohl umstritten ist die Delphin-Haltung, wie man in Nürnberg nur zu gut weiß. Immer wieder kritisieren Tierschützer die Delphin-Shows. Doch die Tierparkleitung sieht gerade bei diesen Tieren kaum Probleme:

"Die Delphine gehören zu den wenigen Tierarten bei uns, wo wir über Stresshormone einen sauberen Nachweis haben, dass die Tiere eben nicht leiden." Helmut Mägdefrau, Tiergarten Nürnberg

Verband der Zoologischen Gärten setzt Rahmenstandards

An der Universität Frankfurt am Main forscht Professor Paul Dierkes zum Thema Tierwohl. Der Wissenschaftler vergleicht das Verhalten von Zootieren mit dem ihrer Artgenossen in freier Wildbahn. Beispiel Giraffen: "Unsere ersten Ergebnisse bezüglich der Giraffen zeigen eigentlich sehr schön, dass kaum Unterschiede bestehen vom Verhaltensmuster zwischen dem Freiland und den Giraffen in Zoos."

Und wie steht es um das Tierwohl in den bayerischen Tierparks? Ein gutes Zeichen: die Mitgliedschaft der drei Zoos im deutschen Verband der Zoologischen Gärten (VdZ).

"Der Verband Zoologischer Gärten hat eigene Standards, die die Mitglieder einhalten müssen. Das sind relativ hohe Standards, was die Haltungsbedingungen betrifft. Von daher würde ich sagen, dass gerade in diesen Zoos optimale Voraussetzungen gegeben sind." Prof. Paul Dierkes, Universität Frankfurt am Main

Natürlich gibt es immer noch Verbesserungspotential. Die drei Tierparks bekommen deshalb von uns jeweils zwei Punkte für das Tierwohl.

München liegt auch in der Gesamtbewertung vorn

Beim Check-Kriterium Lerneffekt haben wir Besucher nach ihrer Meinung zur Qualität der Wissensvermittlung in den Zoos gefragt. Jeder der Befragten konnte bis zu drei Punkte vergeben. Augsburg kam auf 26 von 30 insgesamt möglichen Punkten, Nürnberg auf 25 und München auf 29.

Somit kommt München in unserer Bewertung auf drei Punkte beim Kriterium Lerneffekt, Augsburg auf zwei und Nürnberg auf einen Punkt. Damit ist München auch der Gesamtsieger unseres Tierpark-Checks. Auch in der Gesamtbewertung landet Augsburg auf dem zweiten und Nürnberg auf dem dritten Platz.

Doch eines zeigt unser Check auch: Jeder der drei Zoos ist etwas Besonderes. Und ein Besuch lohnt sich.