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Ticketbetrug? Verbraucherschützer warnen vor Viagogo | BR24

© dpa/pa/Oliver Gutfleisch

Eine Rock-Band spielt auf der Bühne, davor Publikum.

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Ticketbetrug? Verbraucherschützer warnen vor Viagogo

Ungültige Eintrittskarten, falsche Plätze und alles für teils irrsinnige Preise: Kunden, die auf "Viagogo" Veranstaltungstickets bestellen, erleben immer wieder Reinfälle. Bald müssen sich die Betreiber der Plattform vor Gericht verantworten.

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Manfred Laux wollte eigentlich nur mit seinem Enkel in den Zirkus gehen; es sollte ein schöner Familienausflug werden. Am Ende ist Laux viel Geld los und fühlt sich betrogen. Von der Ticketplattform "Viagogo".

Wer im Internet nach Konzertkarten oder anderen Veranstaltungen sucht, stößt sofort auf Viagogo – bei der Google-Suche meist auf Platz eins. Konzerte, Fußball oder eben Zirkus – auf der Ticketplattform finden man alle möglichen Eintrittskarten. Und alles scheint seriös.

Das dachte auch Manfred Laux und bestellte drei Karten für eine Vorstellung in einem berühmten Zirkus in München. Nachdem er online bezahlt hat, der erste Schock: Für drei Plätze in einer Reihe zahlte er 251 Euro – das sind rund 84 Euro pro Zirkuskarte!

Böse Überraschung – Viagogo liefert Billig-Tickets

Als die Tickets wenige Tage später per Post ankommen dann der große Ärger: Auf den Karten steht "unnummeriert" – also nicht in einer Reihe, obwohl Laux das extra online angeklickt hat. Zudem steht ein Preis von 19 Euro auf jeder Karte, die billigste Kategorie. Bezahlt hat Laux mehr als das Vierfache pro Ticket.

"Wenn man das realisiert hat - zumal, wenn man drei Karten kauft und man ist bei einem Preis, der pro Karte 84 Euro ausmacht -, ist man auf einmal überrascht und ist dann nachher schon stinksauer." Manfred Laux

Das scheint System zu haben bei Viagogo. Die Beschwerden der Kunden häufen sich: irrsinnige Preise für Konzerte, dann kommen nochmal Vermittlungsgebühren drauf. Verkauft werden sogar Karten für Veranstaltungen, die es gar nicht gibt, wie die Verbraucherzentrale Bayern auf ihrer Internetseite angibt. Und statt der bestellten Tickets bekommen Kunden teils Karten für andere Tage oder andere Plätze.

Viagogo macht einen seriösen Eindruck

Auf den ersten Blick sieht Viagogo aus wie andere Vorverkaufsstellen - doch das ist sie nicht. Viagogo vermittelt nur zwischen privaten Käufern und Verkäufern, ist also eine Art Marktplatz. Das Risiko, dass Tickets nicht oder zu spät geliefert werden, trägt der Kunde.

Verbraucherschützer fordern Viagogo zu mehr Transparenz bei Preisen und Gebühren. Zudem kritisieren sie den Kaufdruck, unter den die Kunden auf der Plattform geraten.

"Der Druck, der ausgeübt wird, das Pressure-Selling – also, dass man immer darauf hinweist: So und so viele schauen gerade und wir haben nur noch so wenig Kontingent. Das treibt den Verbraucher natürlich dazu, unvorsichtiger und weniger aufmerksam zu sein." Tatjana Halm, Verbraucherzentrale Bayern

Wir bitten die Schweizer Firma Viagogo um eine Stellungnahme. Konfrontieren sie mit all diesen Vorwürfen. Eine Antwort bekommen wir nicht.

Verbraucherschützer verklagen Viagogo

Allen Fans, die schon auf der Suche nach dem nächsten Konzert sind, rät die Verbraucherzentrale zur Vorsicht. Wer sichergehen will, kauft nur bei offiziellen Verkaufsstellen.

"Auf der Homepage des Künstlers, der Vereine gibt es die Hinweise, wo die offiziellen Verkaufsstellen sind und dann sollte man sich ausschließlich da hinwenden." Tatjana Halm, Verbraucherzentrale Bayern

Zu intransparent, zu teuer, zu unsicher – das kritisiert die Verbraucherzentrale Bayern an Viagogo. Und verklagte die Ticketbörse im vergangenen Jahr. Die Verbraucherzentrale fordert Viagogo auf, die Preise klar aufzuschlüsseln und die Kunden ausreichend über anfallende Gebühren aufzuklären. Wie es mit Viagogo in Deutschland weitergeht, wird nun vor Gericht entschieden. Ende März beginnt der Prozess gegen die Ticketbörse vor dem Landgericht in München.