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Textilsiegel: Müller sieht im "Grünen Knopf" Vorbildcharakter | BR24

© pa/pda/Sebastian Gollnow

Ein Textilprodukt mit der Kennzeichnung "Grüner Knopf" muss 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten.

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    Textilsiegel: Müller sieht im "Grünen Knopf" Vorbildcharakter

    Fair produzierte Kleidung sofort erkennen - das ist der Sinn des neuen Siegels "Grüner Knopf". Entwicklungsminister Müller (CSU) will das staatliche Textil-Label am Montag vorstellen, er verspricht sich viel davon. Doch es gibt schon heftige Kritik.

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    Neben dem "Bio"-Kennzeichen auf Lebensmitteln oder dem Umweltzeichen "Blauer Engel" gibt es nun auch ein extra Siegel für nachhaltig hergestellte Textilien: Den "Grünen Knopf". Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) will das Siegel am kommenden Montag in Berlin offiziell vorstellen - zusammen mit den Unternehmen Tchibo und Vaude.

    Ziel des "Grünen Knopfs": Soziale und ökologische Standards einhalten

    Ziel sei es, die Einhaltung von Menschenrechten und ökologischen Standards in den globalen Lieferketten zu garantieren. Nach dem Willen von Müller soll das Siegel auch ein Signal an andere Wirtschaftszweige senden.

    "Alle haben gesagt, man kann keine komplette Lieferkette bis in den Laden durchzertifizieren. Wir beweisen jetzt am Beispiel von Textilien: Es geht eben doch." Gerd Müller (CSU) im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen"

    Der CSU-Politiker sagte gegenüber der Zeitung "Augsburger Allgemeinen", Deutschland könne es sich nicht mehr leisten, beim Import von Produkten die sozialen Bedingungen in Billiglohnländern auszublenden: "Wir können weiter wegsehen und die Menschen sklavenartig für uns arbeiten lassen, aber das wird nicht funktionieren." Dann dürfe man sich jedenfalls nicht wundern, wenn sich Millionen auf den Weg nach Europa machen.

    Gekennzeichnetes Produkt muss diverse Kriterien erfüllen

    Der Grüne Knopf wird staatlich überwacht. Damit Firmen diesen verwenden dürfen, müssen nicht nur die Produkte, sondern auch die Unternehmen selbst knapp 50 Kriterien hinsichtlich Arbeitsbedingungen und Umweltschutz erfüllen.

    Zu den sozialen Standards gehören etwa unter anderem die Zahlung von Mindestlöhnen und das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit. Die ökologischen Standards umfassen etwa das Verbot von Weichmachern und anderen Chemikalien sowie Grenzwerte für Abwasser, das bei der Produktion anfällt.

    Unabhängige Prüfer wie der TÜV kontrollieren, ob diese Standards eingehalten werden.

    "Unausgegoren": Kritik an Textilsiegel

    Bereits vor der offiziellen Einführung steht das neue Siegel in der Kritik. "Ein weiteres Siegel hat keinen Mehrwert, es baut unnötige Doppelstrukturen auf", sagte die Präsidentin des Branchenverbandes textil+mode, Ingeborg Neumann, der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". Das Konzept für den Grünen Knopf sei "unausgegoren".

    Verbraucherschützer fordern: "Keine falschen Versprechungen"

    Der Entwicklungsminister dürfe "keine falschen Versprechungen" machen, betonte der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Klaus Müller. Obwohl der vzbv dem Grünen Knopf generell "großes Potenzial" bescheinigt, müsse den Verbrauchern deutlich gemacht werden, dass das neue Siegel in der knapp zweijährigen Pilotphase nur die Produktionsschritte Nähen und Zuschneiden sowie Färben und Bleichen bewertet, nicht aber beispielsweise den Baumwollanbau. "Ein verbindlicher Zeitplan muss festlegen, wann der Grüne Knopf die gesamte Lieferkette abdecken wird", fordern die Verbraucherschützer.

    Bessere Orientierung beim Einkauf

    Der Grüne Knopf könne Verbrauchern zwar eine bessere Orientierung beim Einkauf bieten. "Um Katastrophen wie die von Rana Plaza zu verhindern, reicht ein freiwilliges Label wie der Grüne Knopf aber nicht aus", sagte vzbv-Chef Müller. Seiner Meinung nach hätte ein Lieferkettengesetz, das alle Unternehmen bindet, mehr Durchschlagskraft. Das fordert auch der Entwicklungspolitik-Experte Thilo Hoppe der Organisation Brot für die Welt. Der Grüne Knopf sei ein Fortschritt, der aber noch nicht weit genug gehe.

    "Grüner Knopf": Unglück in Bangladesch war Auslöser

    Die Idee für das Siegel sei nach dem Einsturz der Rana-Plaza-Textilfabrik in Bangladesch mit 1.136 Toten und fast 2.500 Verletzten im Jahr 2013 entstanden, erklärte Entwicklungsminister Müller. "Damals ist mir klar geworden, welche Ausbeutung von Mensch und Natur es in den globalen Lieferketten gibt", so Müller.

    Er betonte auch, dass Produkte, die mit dem Grünen Knopf gekennzeichnet sind, für Kunden nicht teurer werden würden.

    "Eine Jeans mit dem Grünen Knopf kostet in der Produktion am Ende etwa einen Dollar mehr. Das reicht, um den Frauen in Bangladesch einen Lohn zu zahlen, von dem sie leben können." Gerd Müller (CSU) im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen"

    Auch Kommunen, Krankenhäuser oder Polizeidienststellen sollen sich künftig am Grünen Knopf orientieren, wenn sie Arztkittel, Uniformen oder Bettwäsche einkaufen, verlangte Müller.

    27 Firmen an Pilotphase des Textilsiegels beteiligt

    Laut der "Augsburger Allgemeinen" haben sich zum Start bereits 27 Unternehmen dem Textilsiegel angeschlossen. Schon bald sollen es jedoch mehr als 50 sein, die zumindest einen Teil ihres Sortiments mit dem Grünen Knopf auszeichnen können.