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Technische Richtlinie für Diesel-Pkw nun fertig | BR24

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Lange hat sich Bundesverkehrsminister Scheuer, CSU, gegen eine Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Autos gewehrt. Jetzt hat seine Behörde die technischen Vorgaben für eine solche Maßnahme präsentiert. Scheuer sieht nun die Industrie am Zug.

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Technische Richtlinie für Diesel-Pkw nun fertig

Die Hersteller von Hardwarenachrüst-Sätzen für ältere Diesel-Pkw stehen seit Monaten in den Startlöchern. Um loszulegen, brauchen sie aber eine Richtlinie, die technische Anforderungen festlegt. Die ist nach BR- und "Spiegel"-Informationen fertig.

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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat offenbar Wort gehalten. Noch in diesem Jahr werde sein Haus die notwendigen technischen Vorschriften für die Hardwarenachrüstung von älteren Diesel-Pkw vorstellen, "so dass die Nachrüster und die Entwickler ihrer Produkte vorlegen können", sagte der CSU-Politiker am 20. November im Deutschen Bundestag.

In den vergangenen Wochen hat das Bundesverkehrsministerium in Zusammenarbeit mit dem Kraftfahrtbundesamt und dem TÜV Nord die entsprechende Richtlinie erstellt. In dem 30-seitigen Papier, das BR Recherche und dem "Spiegel" vorliegt, wird von den Nachrüstern unter anderem eine Garantie verlangt, dass das nachträglich eingebaute technische System zur Abgasreinigung bei Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro 4 und 5 "bis Minimaltemperaturen von -7 Grad (...) wirksam und funktionsfähig" ist.

Nachrüster müssen Dauerhaltbarkeit garantieren

Die entsprechend spezialisierten Unternehmen müssen zudem zusichern, dass für ihre Anlagen "eine Kilometerleistung von 100.000 km oder eine Lebensdauer von bis zu fünf Jahren (...) gewährleistet ist". Außerdem darf der Pkw nach der Nachrüstung nicht lauter sein als vorher.

In der neuen Richtlinie festgeschrieben ist auch, dass der NOx-Ausstoß nachgerüsteter Diesel-Fahrzeuge nicht über dem Grenzwert von 270 mg pro Kilometer liegen darf. Auf diesen Wert hatte sich die Große Koalition bereits im Rahmen ihres im Oktober verabschiedeten Diesel-Konzepts geeinigt. "Dieser Wert muss im Realbetrieb eingehalten werden", so das Bundesverkehrsministerium damals.

Hardwarenachrüstung: Unterschiedliches Vorgehen der Autokonzerne

Mit der Automobilindustrie hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv um die Hardwarenachrüstung für ältere Diesel-Pkw gerungen. Anfang November erklärten sich Daimler und der Volkswagen-Konzern bereit, Diesel-Besitzern in Städten mit einer besonders hohen Schadstoffbelastung der Luft bis zu 3.000 Euro für die Nachrüstmaßnahme auszuzahlen.

BMW lehnt eine Hardwarenachrüstung weiterhin ab. Der Konzern teilte allerdings mit, Kunden "mit Maßnahmen zur Sicherung ihrer Mobilität im Umfang von bis zu 3.000 Euro" zu unterstützen. Welche das sein werden, steht nach eigenen Angaben noch nicht fest.

Daimler geht aktuell beim Thema Nachrüstung voran. Die Stuttgarter haben sich im November bei einem Workshop in der Konzernzentrale mit Nachrüstern ausgetauscht, außerdem beschäftigt sich eine firmeninterne Arbeitsgruppe mit Fragen rund um den Komplex. "Wir möchten bis Anfang 2019 für Klarheit sorgen, welche Hardware-Lösungen für unsere Kunden überhaupt angeboten werden können und zu welchem Zeitpunkt", so ein Konzernsprecher.

Deswegen stelle Daimler Nachrüst-Firmen die "technischen Informationen zu unseren Fahrzeugen zur Verfügung, die diese benötigen, um zu entscheiden, für welche Baureihen sie Hardware-Lösungen entwickeln und anbieten".

Volkswagen: "Können Hardwarenachrüster nicht unterstützen"

Bei Volkswagen klingt das anders, dort ist man inzwischen wieder skeptisch. Auf eine BR-Anfrage, in welchem Rahmen VW mit den Nachrüstern kooperiere, antwortete ein Unternehmenssprecher, VW könne "die Entwicklungen der Hardware-Nachrüster aus haftungsrechtlichen Gründen nicht unterstützen".

Zudem sei der Konzern davon überzeugt, "dass Nachrüstungen nicht die richtige Lösung sind", er zweifele "an der Dauerhaltbarkeit". Die Anbieter der Systeme müssten dem Kraftfahrtbundesamt "eigenverantwortlich die technische Machbarkeit nachweisen und die Gewährleistung übernehmen".

Unverständnis bei Nachrüst-Unternehmen

"Was die Bekanntgabe von recht simplen Fahrwiderstandswerten mit haftungsrechtlichen Gründen zu tun hat, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wir werden unsere Systeme natürlich eigenverantwortlich durch das Kraftfahrtbundesamt zulassen und auch die geforderte Gewährleistung übernehmen", so Martin Pley vom Nachrüst-Unternehmen Dr.Pley SCR Technology GmbH mit Sitz in Bamberg.

Nach Pleys Darstellung sei sein Unternehmen in der Lage, mit den von ihm entwickelten Nachrüstsystemen "die NOx Emissionen von EURO 5 Fahrzeugen in einen Bereich zu reduzieren, die dem aktuellen Emissionsniveau von EURO 6dTEMP Fahrzeugen entspricht und das auch mit der geforderten Dauerhaltbarkeit".

Richtlinie wird in den nächsten Tagen veröffentlicht

Die Bundesregierung will die jetzt fertiggestellte Richtlinie in den nächsten Tagen veröffentlichen. Auf dieser Basis können die Nachrüster dann beim Kraftfahrtbundesamt einen Antrag auf eine allgemeine Betriebserlaubnis für ihre jeweiligen Anlagen stellen.

In der Regel werden das Systeme mit SCR-Katalysator sein. Dieser reinigt die Abgase mithilfe einer Harnstofflösung, besser bekannt unter dem Markennamen "Ad Blue".

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Die Hersteller von Hardwarenachrüst-Sätzen für ältere Diesel-Pkw stehen seit Monaten in den Startlöchern. Um loszulegen, brauchen sie aber eine Richtlinie, die technische Anforderungen festlegt. Die ist nach BR- und "Spiegel"-Informationen fertig.

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Autoren
  • Arne Meyer-Fünffinger
  • Josef Streule
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