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Tech-Giganten: Die Krisengewinner | BR24

© dpa-Bildfunk/Peter Steffen

An den Tech-Giganten geht die Corona-Krise offenbar spurlos vorbei. Größter Gewinner: Amazon.

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    Tech-Giganten: Die Krisengewinner

    Die US-Wirtschaft stürzt ab, die Arbeitslosenzahlen explodieren - doch an den Tech-Giganten geht die Corona-Krise offenbar spurlos vorbei. Größter Gewinner: Amazon. Doch auch Facebook und Co. machen Milliarden.

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    Die USA befinden sich im schwersten Wirtschaftsabschwung seit der Großen Depression in den 1930er Jahren. Von April bis einschließlich Juni schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt aufs Jahr hochgerechnet um 32,9 Prozent. Außerdem sind die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe höher ausgefallen als erwartet.

    An den großen Tech-Unternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley und aus Seattle scheinen die Folgen des Wirtschaftseinbruchs aber nahezu spurlos vorbeizugehen. So hat Apple ein extrem starkes Quartal hingelegt. Cloud-Dienste und das Geschäft mit Musik und Abos sind normalerweise ein wichtiger Garant. Das Unternehmen aus Cupertino kommt hier auf ein Umsatzplus von rund 15 Prozent auf knapp 13,2 Milliarden Dollar.

    Neue iPhones kommen wegen der Corona-Krise später

    Doch der positive Trend setzt sich bei Apple über alle Produktbereiche hinweg: Telefone, Tablets und Computer haben sich in den vergangenen drei Monaten überdurchschnittlich gut verkauft. Der Gewinn ist im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent auf 11,25 Milliarden Dollar gewachsen. Einziger Wermutstropfen: Die neuen iPhones kommen dieses Jahr ein paar Wochen später. Grund sind Corona-bedingte Produktionsengpässe in China.

    Ein ähnliches Bild ergibt sich auch beim Nachbarunternehmen Facebook. Sein Mitgründer Mark Zuckerberg, der bei einer Anhörung vor dem US-Kongress am vergangenen Mittwoch von den Abgeordneten wegen ruppiger Geschäftspraktiken in die Mangel genommen wurde, dürfte jetzt vermutlich breit grinsen.

    Die Facebook-Zahlen sind schon deshalb ein Hingucker, weil Werbedickschiffe wie Coca-Cola, Starbucks oder der Unilever-Konzern bei dem sozialen Netzwerk seit gut einem Monat keine Werbung mehr schalten. Sie gehören zu einer Reihe von Unternehmen, die von Facebook fordern, mehr gegen Hass und Hetze auf der Plattform zu unternehmen.

    Facebook hat jetzt 1,79 Milliarden Nutzer

    Doch der Zuckerberg-Konzern konnte den Anzeigenboykott dank der Buchungen kleinerer und mittlerer Unternehmen locker wegstecken. Die sind dem blauen Riesen treu geblieben und haben weiter kräftig Werbung geschaltet. Konkret: ein Umsatzplus um elf Prozent auf jetzt 18,69 Milliarden Dollar. Und auch bei den Nutzerzahlen geht es für das Unternehmen weiter nach oben. Grund dürfte hier vor allem die Corona-Pandemie sein. Facebook ist im Jahresvergleich um gut zwölf Prozent gewachsen und kommt jetzt auf 1,79 Milliarden tägliche Nutzer. Nimmt man jetzt noch Whatsapp und Instagram dazu, dann gewinnt der Social-Media-Konzern 14 Prozent hinzu und kommt auf 3,14 Milliarden monatliche Nutzer.

    Der vielleicht größte Gewinner ist das Online-Kaufhaus Amazon: Trotz Pandemie hat der Konzern seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr sogar verdoppeln können: von 2,6 Milliarden auf 5,2 Milliarden Dollar. Das ist der höchste Gewinn in der 26-jährigen Firmengeschichte des Unternehmens. Seit März hat das Unternehmen aus Seattle an der US-Westküste 175.000 neue Mitarbeitende eingestellt, von denen nun 125.000 Beschäftigungsverhältnisse in dauerhafte Vollzeit-Arbeitsplätze umgewandelt werden sollen.

    Nur Google verzeichnet Umsatzrückgang

    Gut vier Milliarden Dollar hat Amazon in den zurückliegenden Wochen in die Hand genommen, um höhere Stundenlöhne zu bezahlen. 500 Millionen davon hat es nach eigenen Angaben als Bonus an Beschäftigte in den Warenlagern und an Partnerunternehmen ausbezahlt. Auch das Cloud-Geschäft floriert weiter, weil viele Menschen von zuhause aus arbeiten. Mit seiner AWS-Sparte steigerte das Unternehmen den Umsatz im abgelaufenen Quartal um 29 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar. Damit flaute das Wachstum gegenüber dem Vorquartal zwar ab; das entspricht aber einem längerfristigen Trend.

    Nur einer hat das Nachsehen - jedenfalls ein bisschen, oder anders gesagt: auf hohem Niveau. Google-Chef Sundar Pichai, der im Silicon Valley einen hervorragenden Ruf genießt, weil er sich für faire Geschäftspraktiken und Transparenz einsetzt, musste zum ersten Mal in seiner 21-jährigen Geschichte einen Umsatzrückgang verkünden. Und zwar um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    Dass der Rückgang nicht ganz so dramatisch ausgefallen ist, lag vor allem an der Video-Tochter YouTube sowie dem noch relativ jungen Cloud-Geschäft. Die YouTube-Umsätze sind im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Milliarden gewachsen, in der Cloud gar um 0,91 Milliarden Dollar. Hier konnte zum Beispiel die Deutsche Bank als Großkunde dazugewonnen werden. Die anderen Geschäftsbereiche wie die Roboterauto-Firma Waymo oder das Bio-Forschungsunternehmen Verily machen weiterhin Verluste - die summieren sich auf 1,12 Milliarden Dollar.

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